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Fußball Euro 2024 findet in Deutschland statt – Wirtschaft erwartet Milliardenschub

Favoritensieg für den DFB: Die Fußball-Europameisterschaft 2024 wird in Deutschland ausgetragen. Das ist auch für Unternehmen und Handel eine gute Nachricht.
Update: 27.09.2018 - 17:23 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft wird Chef des Organisationskomitees – die Ex-Nationalspielerin ist EM-Botschafterin. Quelle: AFP
Philipp Lahm und Celia Sasic

Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft wird Chef des Organisationskomitees – die Ex-Nationalspielerin ist EM-Botschafterin.

(Foto: AFP)

DüsseldorfFavoritensieg für Deutschland: Die Fußball-Europameisterschaft 2024 wird vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgerichtet. Dies gab die Uefa am Donnerstag in Nyon bekannt. Außenseiter Türkei ging wie erwartet leer aus. DFB-Präsident Reinhard Grindel bedankte sich für das Vertrauen des europäischen Fußballverbands. „Wir haben tolle Stadien, tolle Zuschauer, die den Fußball leben und Menschen in Deutschland, die gerne ein großes Fest mit Europa feiern“ sagte der designierte OK-Chef Philipp Lahm. Der 34-Jährige ist ab sofort Organisationschef, ausgestattet mit einem enormen Ehrgeiz – und Einfluss auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Uefa-Präsident Aleksander Čeferin zeigte sich nicht in gleichem Maße enthusiastisch. „Jede demokratische Entscheidung ist eine gute Entscheidung“, kommentierte der Slowene knapp. Er freue sich auf das Turnier in Deutschland. DFL-Präsident Reinhard Rauball hat die Wahl Deutschlands als Gastgeber für die Europameisterschaft 2024 als „guten Tag für den deutschen Fußball“ bezeichnet. „Wir alle haben die Bilder und Emotionen von 2006 noch lebhaft im Gedächtnis und freuen uns auf ein weiteres internationales Fußball-Großereignis im eigenen Land. Die EM 2024 wird viele Menschen für unseren Sport begeistern – in Deutschland und weit darüber hinaus“, sagte Rauball in einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga am Donnerstag.

EM-Botschafter Lahm und Bundestrainer Joachim Löw hatten zuvor die deutsche Präsentation übernommen. Das Konzept hat die 17 Wahlleute des Uefa-Exekutivkomitees überzeugen können. Per Losentscheid erhielt der deutsche Verband bei der Reihenfolge der Präsentation den Vorzug vor Mitbewerber Türkei.

Es ist nun Lahms Turnier. Doch er, der kleine „Kaiser“, muss das in ihn gesetzte Vertrauen erst mal erfüllen. Er muss transparent agieren, muss den Menschen erklären, warum es für den Fußball so wichtig ist, eine EM auszutragen. Dabei ist die Korruptionsaffäre um das „Sommermärchen“, die Fußball-WM 2006, noch nicht abschließend geklärt. Franz Beckenbauer, der große Kaiser, der damals das Organisationskomitee leitete, ist längst entzaubert.

Lahm hatte vor Sitzungsbeginn in einer Video-Botschaft nochmals die Hoffnung auf ein Heimturnier 2024 zum Ausdruck gebracht. „Heute ist der Tag, auf den wir so lange hingearbeitet haben. Wir sind mehr als überzeugt von unserem Konzept, aber es liegt nicht mehr in unseren Händen. Heute entscheidet das Exekutivkomitee der Uefa, ob wir die Euro 2024 bekommen. Also drückt uns die Daumen, dass wir 2024 wieder eine Europameisterschaft in Deutschland haben“, sagte der EM-Botschafter in seiner Twitter-Nachricht. Im Präsentationsvideo wurde unter anderem mit freiem öffentlichem Personennahverkehr geworben. Als Pluspunkte gelten die vorhandene Infrastruktur und die Positiverfahrung der WM 2006.

Als Gewinner fühlt sich auch die deutsche Wirtschaft, erwartet werden Umsätze und Geschäfte in Milliardenhöhe sowie ein genereller Konjunkturschub. „Eine Fußball-EM in Deutschland ist eine positive Nachricht für viele Unternehmen hierzulande“, sagte der Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Solch ein Großevent sorgt für steigende Nachfrage durch privaten Konsum und durch Touristen.“

Die WM 2006 habe ungefähr 0,3 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum gebracht. Durch die EM sei jetzt ein ähnlicher Schub zu erwarten. „Aber auch Effekte wie der Imagegewinn Deutschlands sowie Anstrengungen zur Verbesserung und Erweiterung unserer Infrastruktur fördern die Geschäfte – und regen das Wachstum an“, sagte Treier.

Besonders der Handel hofft auf eine Neuauflage des Sommermärchens von 2006. „Bei der damaligen WM konnten die Händler rund zwei Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz verbuchen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands HDE, Stefan Genth. „Von der EM in Deutschland erwarten wir ähnliche Effekte.“ Dem Verbandschef zufolge könne ein solches Großereignis zudem die Verbraucherstimmung aufhellen. „Wenn es dann für die deutsche Mannschaft gut läuft, kaufen die Menschen neben Fanartikeln wie Trikots, Schals und Hüten auch mehr Lebensmittel und Getränke zum gemeinsamen Public Viewing und Grillen“, so Genth. „Zusätzlich reisen zahlreiche Fans aus dem Ausland an, die ebenfalls vielerorts für steigende Umsätze sorgen.“

Wirtschaftsforscher hingegen warnen vor übertriebenen Hoffnungen. „Die Studien, die es zu den wirtschaftlichen Effekten von großen Sportveranstaltungen gibt, kommen nicht zu einheitlichen Ergebnissen“, sagte der Vizepräsident des Instituts IWH Halle, Oliver Holtemöller. Wahrscheinlich seien positive Effekte auf das Hotel- und Gaststättengewerbe an den Austragungsorten. Wenn zuvor gebaut werde, könne das ebenfalls kurzfristig positive konjunkturelle Effekte haben. „Es gibt aber auch Studien, die besagen, dass die negativen Effekte, etwa hohe Kosten und nach dem Wettbewerb nicht ausgelastete Veranstaltungsorte, überwiegen“, so Holtemöller.

Offen ist derzeit die Frage, ob die Uefa mit den Einnahmen aus dem Turnier in Deutschland mit einer Steuerbefreiung rechnen kann. Medienberichten zufolge setzt der Verband dies bei seinen Turnieren voraus. Das Einkommensteuergesetz umfasst einen Passus, der derlei Ausnahmen für Sportereignisse ermöglicht. Zudem legen Weltverband Fifa und Kontinentalverband Uefa mit Exklusivverträgen fest, welche lizensierten Produkte an Spielorten in bestimmten Umkreisen um die Stadien verkauft werden dürfen. Beides sichert vor allem den Fußballfunktionären hohe Einnahmen.

Freuen dürfen sich nun auch die bereits vorab festgelegten zehn Spielorte Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt. An den Spielorten stehen nun in den kommenden Jahren umfassende Modernisierungsarbeiten an.

Das Abstimmungsergebnis fiel mit 12:4 (bei einer Enthaltung) sehr deutlich aus. Die Entscheidung des Uefa-Exekutivkomitees war mit Spannung erwartet worden. Der einzige Mitbewerber um das Turnier war ausgerechnet die Türkei. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte noch am Vormittag, während seines Besuchs in Deutschland, Werbung für sein Land gemacht. Im Sommer war es sein Treffen mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan, das die Pleite der deutschen Nationalelf bei der WM in Russland quasi eingeläutet hatte. Die EM sei, so sagte Lahm kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt, „eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, aber auch ein neues Wir-Gefühl zu entfachen“. So, wie es einst das Sommermärchen geschafft hatte.

Auf deutscher Seite war es auch eine Art Schicksalswahl für DFB-Präsident Grindel. Der hatte sich in der Aufarbeitung des frühen WM-Aus in diesem Jahr harscher Kritik gegenübergesehen. Zuletzt gab es Berichte, dass durch die Außendarstellung des Verbands und die immer noch nicht abgeschlossene Aufarbeitung die Bewerbung wackle. Die Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet: Deutschland richtet damit zum zweiten Mal nach 1988 eine Europameisterschaft aus.

Mit Agenturmaterial.

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