Fußball-Nationalmannschaft Löw beendet die Ära Ballack

Der Bundestrainer wirft den "Capitano" raus. Nach einer monatelangen Hängepartie verzichtet Joachim Löw endgültig auf Michael Ballack. Er soll noch sein 99. Länderspiel bestreiten dürfen - wenn er denn überhaupt will.
Update: 16.06.2011 - 13:52 Uhr 2 Kommentare
Der schleichende Abstieg des Michael Ballack
Joachim Löw und Michael Ballack
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Das Aus ist beschlossene Sache. Bundestrainer Joachim Löw hat sich entschieden, in der Nationalmannschaft nicht mehr mit Michael Ballack zu planen. Der 98-malige Nationalspieler kann gegen Brasilien in Stuttgart die DFB-Auswahl in einem Abschiedsspiel ein letztes Mal als Kapitän anführen - wenn er denn will.

Premier League - FC Chelsea - Manchester United
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Michael Ballack im Zenit seiner Karriere: 2006 wechselt er ablösefrei zu dem vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch zusammengekauften Starensemble des FC Chelsea. Dort zählt Ballack zu den Leistungsträgern und Publikumslieblingen. Unter Trainer José Mourinho bekleidet der kopfballstarke Freistoßexperte eine strategisch wichtige Mittelfeldposition. Trotz verletzungsbedingten Rückschlägen gelingt es Ballack immer wieder, dem Team von der Stamford Bridge seinen Stempel aufzudrücken.

Grobritannien - Fußball - Ballack
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Regisseur Michael Ballack auf der von ihm herbeigesehnten großen internationalen Bühne: Nach seinem Weggang vom FC Bayern, mit dem Ballack in insgesamt vier Spielzeiten drei „Doubles“ aus Meisterschaft und Pokalsieg feierte, zieht der „Capitano“ mit dem FC Chelsea in der Saison 2007/08 in das Endspiel der Königsklasse ein. Im ersten rein englischen Champions-League-Finale steht den Blues der ewige Stadtrivale Manchester United gegenüber.

huGO-BildID: 10742313 Manchester United's goalkeeper
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Dieses Mal sollte alles anders werden, dieses Mal will Ballack den Titel und das Stigma des ewigen Zweiten ablegen. Ballack ist gereift, er übernimmt Verantwortung, schießt nach einer torlosen Verlängerung den ersten Elfmeter der Blues – und trifft. Doch es kommt wie so oft in der Karriere des Michael Ballack. Chelsea muss sich dem Team um Superstar Christiano Ronaldo und Torhüter Edwin van der Sar mit 5:6 geschlagen geben. Es ist ein tragischer Moment im Fußballerleben Ballacks. Der Mittelfeldspieler weiß, dass die Zeit gegen ihn spielt.

Michael Ballack
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Nach der in den Diensten von Bayer Leverkusen im Jahr 2002 erlittenen Finalniederlage gegen Real Madrid, dem zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft 2008 und zahlreichen Verletzungen kämpft Ballack im Jahr 2009 um seinen Stammplatz bei den Blues – und die letzte Chance auf einen großen internationalen Titel.

Chelsea's Ballack is fouled by Portsmouth's Boateng during FA Cup final soccer match at Wembley Stadium in London
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Diesen will Ballack bei der Weltmeisterschaft in Südafrika mit der DFB-Elf erringen. Doch wieder einmal ist das Glück nicht auf der Seite des Deutschen. Den 1:0 Siegtreffer von Didier Drogba im Pokal-Finale gegen den FC Portsmouth muss Ballack notgedrungen von der Bank verfolgen. In der 44. Minute wird Ballack von Kevin Prince Boateng übel gefoult.

Chelsea's Ballack is fouled by Portsmouth's Boateng during FA Cup final soccer match at Wembley Stadium in London
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Die Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 wird Ballacks letzte Chance auf einen internationalen Titel. Doch wieder einmal ist das Glück nicht auf der Seite des Deutschen. Den 1:0 Siegtreffer von Didier Drogba im englischen Pokal-Finale gegen den FC Portsmouth muss Ballack notgedrungen von der Bank verfolgen, denn in der 44. Minute wird er von Kevin Prince Boateng übel gefoult.

Ausgerechnet Boateng. Der für Ghana spielende Bruder des im DFB-Dress kickenden Jerome Boateng attackiert Ballacks Knöchel. Ballack windet sich vor Schmerzen, wird minutenlang an der Seitenlinie behandelt, versucht weiterzuspielen und muss schließlich vom Platz humpeln. 29 Tage vor dem WM-Auftaktspiel gegen Australien in Durban zerplatzt Ballacks Traum vom WM-Titel. Die niederschmetternde Diagnose: Riss des Syndesmosebandes, acht Wochen Pause, WM-Aus.

Frankfurt am MainDie Ära von Michael Ballack in der deutschen Nationalmannschaft geht zu Ende. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag mitteilte, plant Bundestrainer Joachim Löw nach einem Gespräch mit Ballack nicht mehr mit dem langjährigen Kapitän. Der 34-jährige Leverkusener soll laut DFB am 10. August gegen Brasilien aber noch sein 99. Länderspiel absolvieren. Der DFB hofft, dass Ballack auf das Angebot eingeht, doch nach Informationen des Sportinformationsdienstes (SID) wird Ballack darauf verzichten.

„In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat“, erklärte Löw auf der DFB-Homepage. „Im Interesse aller“ sei nun eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht. „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt sind und gute Perspektiven besitzen“, so der Bundestrainer.

Es folgten warme Worte für Ballack. Löw lobte ihn für seine Verdienste um den deutschen Fußball: „Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt, was ich bei der WM 2006 oder der Euro 2008 aus nächster Nähe erleben konnte.“

Ballack hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst. Seitdem hat der Profi des Bundesligisten Bayer Leverkusen kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben.

Der bittere Abschied auf Raten begann im Mai 2010. Ein brutaler Tritt von Gegenspieler Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale beendete Ballacks Traum von einer dritten WM-Teilnahme. Mit finsterer Miene und tiefen Ringen unter den Augen stand der deutsche „Capitano“ damals im Münchner Marienhof vor der Praxis von DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Dieser hatte zuvor die niederschmetternde Diagnose gestellt; ein Innenband und ein Teil des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk des rechten Fußes waren zerstört.

„Ich bin sauer, ganz klar“, stammelte Ballack nach der für ihn „schlimmsten Diagnose“ der Karriere. Auf Krücken humpelte er davon - und ohne den für unersetzbar gehaltenen Anführer spielte sich die junge deutsche Nationalmannschaft angeführt von Ersatzkapitän Philipp Lahm beim WM-Turnier in Südafrika in die Herzen der Fußball-Fans.

Die EM 2012 war Ballacks erklärtes Ziel
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2 Kommentare zu "Fußball-Nationalmannschaft: Löw beendet die Ära Ballack"

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  • Ballack war Kapitän (nicht Kapitano) der Nationalmanschaft und hat dort großes geleistet, aber die Zeit ist weiter gelaufen und Löw hat zu recht auf junge Spieler gesetzt.
    Für jeden Sportler läuft die Zeit einmal ab, falsch verstandene Dankbarkeit ist da fehl am Platz.

  • Ein nicht unerwartetes und ehrenvolles karriere-ende nach bösen verletzungen voller persönlicher tragik als herauswerfen zu bezeichnen - das ist respektlos. Der verantwortliche redakteur sollte sich was schämen für seine geschmacklosigkeit!

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