Fußball-Weltmeisterschaft 2018 Russen wählen Wolf zum WM-Maskottchen

Nach dem Gürteltier „Fuleco“ soll 2018 nun der Wolf „Sabiwaka“ die Fußballwelt durch die nächste WM führen. Russland hofft damit auf ein neues Markenzeichen wie den inzwischen legendären Olympia-Bären „Mischa“.
Ex-Fußballer Ronaldo (l.) mit „Sabiwaka“. Quelle: AP
Maskottchen

Ex-Fußballer Ronaldo (l.) mit „Sabiwaka“.

(Foto: AP)

MoskauDas Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ist ein Wolf. Er solle „Sabiwaka“ heißen, sagte Vizeministerpräsident und Fußballverbandschef Witali Mutko. In einer bunten Show im russischen Staatsfernsehen kürte das Organisationskomitee am späten Freitagabend in Moskau den Sieger einer Internet-Abstimmung, an der mehr als eine Million Fußballfans teilgenommen hatten.

Dabei hatten die Fans die Wahl zwischen dem Wolf, einer Katze und einem Tiger im Raumfahreranzug. Mit deutlicher Mehrheit entschieden sich 52,8 Prozent der Fans für den Wolf. Die Katze kam auf 20,4 Prozent, der Tiger auf 26,8. Der Name des Maskottchens stand nicht zur Abstimmung.

„Er ist flauschig und hat wirklich nette Augen“, sagte die Schöpferin Jekaterina Botscharowa über ihren Wolf. „Ich habe einen Hund zu Hause. Der Wolf ähnelt ihm ein bisschen“, meinte die Design-Studentin aus Tomsk in Sibirien in der Sendung im Stil einer Late-Night-Show.

Von Millionenzahlungen und Erinnerungslücken
Aufarbeitung dauert an
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Im Juli 2015 stilisierte sich Wolfgang Niersbach im Zeichen der Krise beim Weltverband FIFA noch als moralische Fußball-Instanz. Der damalige DFB-Präsident war aber schon mit der Aufarbeitung eines Skandals im eigenen Hause beschäftigt - damals noch im stillen Kämmerlein. Publik wurden die finanziellen Ungereimtheiten rund um die deutsche Bewerbung für die WM 2006 mit der Veröffentlichung eines Berichts im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Oktober 2015. Ein Jahr später dauert die Aufarbeitung an.

6,7 Millionen: Wo endeten die Geldflüsse von Kitzbühel nach Katar?
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Es ist die entscheidenden Frage des WM-Skandals. Warum mussten die deutschen Organisatoren umgerechnet 6,7 Millionen Euro an eine Firma in Katar überweisen, auf ein Konto des Skandalfunktionärs Mohammed bin Hammam. Der Freshfields-Bericht des DFB machte im März klar, wie die Geldflüsse liefen - über ein Konto von Franz Beckenbauer (Foto) in die Schweiz und von dort an den Golf. Der Kaiser bekam das Geld zurück durch einen Kredit des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis Dreyfus, der das Geld dann wieder haben wollte, weshalb die Legende von einer Vorschusszahlung durch die FIFA für eine WM-Gala gestrickt wurde.

Weiß es Joseph Blatter?
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Bin Hammam schweigt. Zwei Varianten gelten als möglich. Mit den Millionen wurden asiatische FIFA-Wahlmänner nachträglich bezahlt. Aus DFB-Kreisen verlautet, dass es wahrscheinlicher sei, dass damit schwarze Wahlkampfkassen für FIFA-Chef Joseph Blatter (l.) gefüllt worden seien. Der Schweizer dementiert heftig.

Viele Erinnerungslücken: Was wussten Niersbach und Zwanziger wann?
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Es gehört zur Eigendynamik eines jeden Skandals, dass sich die Protagonisten immer nur an die Verfehlungen erinnern können, die ihnen gerade bewiesen wurden. Auch die Sommermärchenmacher haben zehn Jahre nach dem Turnier große Erinnerungslücken, wenn es um ihr Handeln im Vorlauf der WM geht. Niersbach beharrt darauf, erst im Sommer 2015 Kenntnisse von den dubiosen Geldflüssen gehabt zu haben. Eine handschriftliche Notiz auf einem Schriftstück aus dem Jahr 2004 liefert ein starkes Indiz, dass dies nicht stimmt.

Theo Zwanziger
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Ehemalige Kollegen wie Theo Zwanziger behaupten, dass Niersbach sehr wohl zum Mitwisserkreis gehörte. Doch auch der frühere DFB-Präsident Zwanziger und ehemalige OK-Finanzchef musste einen Zeitpunkt über die Abwicklung der Rückzahlung des Kredits revidieren. Jahreszahlen zwischen 2000 und 2005 verschwimmen in den Funktionärserinnerungen.

Oddset-Millionen für den Kaiser: Hatte Beckenbauer ein Ehrenamt?
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„Selbstverständlich mache ich das ehrenamtlich.“ Dieser Satz von Franz Beckenbauer (r.) aus den WM-Zeiten klingt im Lichte der jüngsten Erkenntnisse hohl. Wieder wird durch Medienberichte publik, dass der Kaiser sehr wohl entlohnt wurde für seinen enormen Einsatz für die Heim-WM - und zwar fürstlich. 5,5 Millionen Euro aus dem Topf von Sponsor Oddset kassierte er via DFB und WM-OK. Der Geldfluss macht die Argumentation aus dem Beckenbauer-Lager schwierig, dass es sich um eine Entlohnung für ohnehin vereinbarte Werbeauftritte für Oddset gehandelt habe.

Fragen über Fragen
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Warum wurde dann nicht direkt von der Lotteriegesellschaft überwiesen? Zudem wirft Fragen auf, warum der DFB die anfallenden Steuern erst 2010 bezahlte. Die bittere Ironie: Geheimniskrämerei wäre gar nicht nötig gewesen. Im WM-Taumel hätte es gegen Millionenzahlung an den Kaiser wohl kaum Protest gegeben.

Mit seiner breiten Sportbrille und den Dribbelkünsten, die der Wolf im offiziellen „Bewerbungsclip“ an den Tag legt, erinnert er ein wenig an den früheren niederländischen Mittelfeldstar Edgar Davids (43). Davids' Markenzeichen auf dem Platz war lange eine orange gefärbte Brille, die er zum Schutz seiner Augen trug.

Die Weltmeisterschaft, bei der Deutschlands Nationalelf ihren Titel verteidigen will, findet vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 in Russland statt. Schon im April 2015 hatte die Suche nach dem Maskottchen der ersten russischen Heim-WM begonnen. Wolf, Katze und Tiger gingen aus einer mehrstufigen Vorauswahl mit mehr als 100 Kandidaten hervor.

Trotz des klaren Votums für den Wolf gingen in der russischen Öffentlichkeit die Meinungen auseinander. Für den Künstler Wiktor Tschischikow, der den berühmten Braunbär „Mischa“ (Kosename „Mischka“) als Maskottchen für die Olympischen Spiele in Moskau 1980 entworfen hatte, war die Katze der Favorit. Katzen seien die Helden russischer Märchen. „Die Katze - das ist unsere Folklore“, sagte er der Agentur Tass vor der Bekanntgabe des Siegers.

Der brasilianische Weltstar und Ex-Profi Ronaldo (40), der unter anderem für Inter Mailand und Real Madrid kickte, stand in der TV-Sendung Pate bei der Kür des Maskottchens. „In meinem Land war „Fuleco“ sehr beliebt“, sagte er über das Gürteltier, dass das Maskottchen der WM 2014 in Brasilien war. „Ich hoffe, dass es hier genauso sein wird.“

Der Wolf solle ins nationale Gedächtnis eingehen wie damals „Mischa“ bei den Olympischen Spielen, sagte Fußball-Chef Mutko. Im Werbeclip zur Vorstellung von „Sabiwaka“ hieß es: „Keiner ist schneller.“ Die Animation endet mit einem Wolfsheulen. Vielleicht taugt dies ja als Vorbild für den Torjubel der russischen Sbornaja bei der Heim-WM in zwei Jahren.

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  • dpa
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