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Fußballer Gerald Asamoah „Nicht alle Rassisten werfen Bananen"

43 Mal spielte Gerald Asamoah für Deutschland, trotzdem wurde er oft wegen seiner Hautfarbe ausgepfiffen. Im Interview spricht er über verletzten Stolz, subtilen Rassismus und warum Michael Ballack ihn enttäuscht hat.
„Ich war jung und auf so viel Hass unvorbereitet“: Gerald Asamoah Quelle: Reuters

„Ich war jung und auf so viel Hass unvorbereitet“: Gerald Asamoah

(Foto: Reuters)

HamburgHerr Asamoah, was kann man gegen Rassismus tun?

Gerald Asamoah: Offensiv mit dem Thema umgehen, drüber reden, Bücher schreiben.

Wie Sie. „Dieser Weg wird kein leichter sein ...“ ist in der vergangenen Woche erschienen. Darin schildern Sie offen unter anderem Ihre Erfahrung mit Rassismus in Deutschland.

Ich lebe seit 1990 in Deutschland, ich habe viele gute Erfahrungen gemacht, etwa mein erstes Länderspiel in Bremen im Jahr 2001. Aber leider auch immer wieder Rassismus erlebt, das war zum Teil sehr schmerzhaft und hat mein Leben und meine Karriere geprägt. Aber ich kann auch sagen, dass sich in diesem Land viel verbessert hat. Mein Vorbild Anthony Yeboah musste sich in den Neunzigern noch oft „Husch, husch, husch, Neger in den Busch!“

Ihr schlimmstes Erlebnis war, das schreiben Sie in dem Buch, Cottbus 1997. Sie und Otto Addo wurden das ganze Spiel über diffamiert.

Ich war jung und auf so viel Hass unvorbereitet. Ständig flogen Bananen auf den Platz, wir beide wurden gezielt ausgebuht und geschmäht. Das war eine Extremerfahrung, unter der ich sehr und lange litt. Aber auch Rostock 2006 tat weh, das war nur wenige Wochen nach der Euphorie des Sommermärchens, von dem ich ein Teil war, auch wenn ich nur ein Mal gespielt habe. Und dann kamen wenige Wochen später Fans ins Stadion, um den Asa fertig zu machen.

Im Buch heißt es: „Hallo, liebe Rostocker, ich habe für Deutschland gespielt, bin Dritter der WM. Wir haben doch zusammen gefeiert, ich bin Deutscher, ist das denn alles schon vergessen?" Haben Sie nie Zwiespalt empfunden, für ein Land zu spielen, in dem Sie wegen Ihrer Hautfarbe ausgepfiffen wurden?

Nach Rostock habe ich tatsächlich überlegt, ob ich noch mal für Deutschland spielen soll. Aber meine Karriere dort war ohnehin vorbei. Ich bereue es aber keineswegs. Deutschland ist das Land, das ich liebe. Mich beruhigt, dass ich weiß: Die Mehrheit denkt anders.

Sie kritisieren Michael Ballack, von dem Sie sich damals ein öffentliches Wort der Solidarität erhofft hätten.

Ich wünschte mir damals ein Zeichen aus der Mannschaft, und Michael Ballack war unser Kopf, ein Held in der Öffentlichkeit. Er hatte Wirkung auf junge Leute. Das hätte mir damals sehr gut getan.

Kevin-Prince Boateng hat kürzlich das Spielfeld verlassen, weil er von italienischen Fans verunglimpft wurde.

Dass das im Jahr 2013 noch passiert, ist traurig und beschämend.

Er ging einfach vom Platz. Sie schossen damals in Rostock zwei Tore, gewannen 9:1.

Mein Trainer Mirko Slomka fragte mich, ob ich ausgewechselt werden möchte. Doch mich stachelten die Rufe an, ich wollte es denen zeigen. Auch Boateng hat Respekt für sein Verhalten verdient, ebenso seine Mitspieler für ihre Zivilcourage, ihn zu begleiten.

„Grundlos von Ladendetektiven kontrolliert“

Diese Rückennummern werden nicht mehr vergeben
Marek Krejci
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Es gibt Fußballer, die sind schon zu Lebzeiten Legenden. Die Nummern auf ihren Trikots werden zu Glückszahlen - und nicht weitergegeben. Diese besondere Ehre ist aber auch Spielern zu teil geworden, die ein tragisches Schicksal ereilte. So wird Wacker Burghausen die Rückennummer 11 nach dem tödlichen Autounfall von Marek Krejci nie wieder vergeben.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Miklos Feher
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Der tragische Tod von Miklos Feher hat Benfica Lissabon veranlasst, die Nummer 29 nicht mehr zu vergeben. Der Ungarn-Stürmer erlag Anfang 2004 einem Herzstillstand, den er im Spiel bei Vitoria Guimaraes erlitt.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Paolo Maldini_AC-Milan
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Die Nummer 3 beim AC Milan ist fest mit dem Namen Maldini verknüpft. Sollte es jedoch einer der Söhne von Paolo Maldini in den Profikader schaffen, steht die Rückennummer des italienischen Abwehr-Helden und mehrfachen Rekordspielers bereit.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Pele_FC_Santos
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Trotz über 1.000 Toren in 18 Jahren für den FC Santos ist die Nummer 10 von Fußball-Legende Pele im Verein immer wieder zu haben. Ganz anders bei Cosmos New York, wo der Brasilianer nach zwei Jahren seine Karriere beendete: Hier wird die 10 in Ehren gehalten und nicht mehr vergeben.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Podolski_Köln
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Beim 1. FC Köln bleibt Lukas Podolski für die Dauer seiner Profi-Karriere gesetzt – und seine Trikotnummer 10 besetzt. Bis dahin wartet man am Rhein auf die Rückkehr von Prinz Poldi.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Raul_Schalke
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Die Königsblauen wissen, was sich für einen Weltstar gehört. Auf Schalke wird die Nummer 7 von Raúl bis auf weiteres nicht mehr vergeben. Zudem soll der Madrilene in die Ehrenkabine, die Hall of Fame des Vereins, aufgenommen werden.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Roberto Baggio_Brescia
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Trotz Glanzleistungen bei den italienischen Top-Vereinen Inter, Milan und Juve verschwand die 10 von Spielmacher- und Stürmerlegende Roberto Baggio erst bei seinem letztem Verein aus dem Angebot. Brescia Calcio schaffte mit dem „göttlichen Zöpfchen“ vier Mal den Klassenerhalt.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Mitspieler. Der Fifa-Boss Joseph Blatter hat Boatengs Reaktion aber kritisiert.

Aus dem Bürostuhl kann der Herr das leicht beurteilen. Auf dem Platz geht es aber um Gefühle, um verletzten Stolz und verletzte Würde. Man muss sich die Situation vorstellen: Du wirst als Einziger auf dem Platz ausgepfiffen, ohne dass Du was getan hast.

Trifft Sie der alltägliche Rassismus als Prominenter nicht so hart oder ist es gar umgekehrt? Sie schreiben, dass sie im Jahr 2000, als Sie noch kein Nationalspieler waren, mit Ihrem Bruder aus einer Billardkneipe rausgeworfen wurden.

Da muss man unterscheiden: Als Fußballer, als Nationalspieler kam ich schon mal in eine Disko rein, wo andere Schwarze draußen bleiben mussten – oder ich früher auch. Das hab ich beispielsweise bei meinen Geschwistern, meiner Frau oder Freunden beobachtet. Dafür kann einen Fußballer in einem Stadion die geplante und organisierte Verachtung einer ganzen Gruppe treffen. Das tut sehr weh.

Welche subtilere Formen gibt es?

Einige, nicht alle Rassisten werfen Bananen. Man merkt die Einstellung mancher Leute daran, wie sie reden oder einen in der U-Bahn anblicken. Mein Freund Otto Addo hat mir oft erzählt, dass er als Einziger in der 1. Klasse der Bahn oder grundlos im Kaufhaus von Ladendetektiven kontrolliert wurde. Aber ich will nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Gegenüber Einzelnen habe ich mir Reaktionen abgewöhnt. Das trifft mich nur, wenn meine Frau oder Kinder dabei sind. Und in Fürth habe ich noch nichts Schlechtes erlebt.

Ein Einzelner beleidigte sie einmal auf dem Spielfeld: Roman Weidenfeller, der Sie Ihren Angaben zufolge "schwarzes Schwein" genannt haben soll. Er bestritt Ihre Version.

Und ich bleibe bei meiner. Ich würde jedoch nie sagen, dass Weidenfeller ein Rassist ist. Denn ich weiß, dass auf dem Platz schon mal etwas rausrutscht, gerade in einem Derby. Ich kann ihm nur sagen: Im Leben macht man Fehler, dazu sollte man stehen. Es traf mich damals zusätzlich, dass ich als Lügner dastand. Für mich ist das Kapitel abgehakt.

Über den Streit mit Kevin Großkreutz im Pokalspiel im Jahr 2012 schreiben Sie nichts.

Er wollte mich nach dem Siegtor der Dortmunder demütigen. Das gefiel mir nicht, aber damit konnte ich leben, denn Rivalität gehört zum Fußball.

Warum haben Sie geschwiege? Großkreutz war dem Rassismusvorwurf ausgesetzt.

Was er damals sagte, habe ich schlicht nicht verstanden. Daher will ich mich nicht dazu äußern.

Publikumsliebling bei St. Pauli

Das sind die Publikumsmagneten des Sports
Cricket Tendulakar ODI Retirement
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Platz 10 – Indian Premier League, Indien (Cricket)

In Indien ist Cricket der Volkssport Nummer eins. Entsprechend viele Fans zieht der Sport auch an: In der Saison 2009 kamen durchschnittlich 23.763 Zuschauer zu einem Spiel der IPL, in der gesamten Saison besuchten rund 1,4 Millionen Menschen die Spiele der Liga. Das geht aus einer Erhebung der Website Sportintelligence hervor. Aktuellere Zahlen haben die Autoren der Studie nicht erhoben – die Zahlen seien zu unzuverlässig.

Saison: 2010/2011/2012

Zuschauerdurchschnitt: Zahlen nicht zuverlässig

Zuschauer Gesamt: Zahlen nicht zuverlässig

(Foto: dapd)
AC Milan vs Pro Patria
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Platz 9 – Serie A, Italien (Fußball)

Korruption, Wettskandale, Rassismus: Die großen Zeiten der Serie A sind vorbei. Zwar zählt sie weiterhin zu den vier bedeutendsten Ligen Europas, doch immer neue Skandale rauben ihr die Zuschauer. Allein in der vergangenen Saison wollten durchschnittlich 1.500 Zuschauer weniger die Spiele von Milan & Co. sehen als 2010/2011. Mit den jüngsten rassistischen Attacken gegen AC-Spieler Kevin-Prince Boateng dürfte sich dieser Trend wohl weiter fortsetzen.

Saison: 2011/2012

Zuschauerdurchschnitt: 22.493

Zuschauer Gesamt: 8.547.308

(Foto: dpa)
Newly signed Cubs relief pitcher Fujikawa of Japan poses for photographs on Wrigley Field in Chicago
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Platz 8 – Nippon Professional Baseball, Japan (Baseball)

Baseball zählt zu einer der beliebtesten Sportarten in Japan. Knapp 25.000 Menschen sitzen pro Spiel in den Stadien. Der Verband NPB organisiert die Spielzeiten in zwei Ligen – der Central League (CL) und der Pacific League (PL). Am Ende der Saison treten die beiden Meister der Ligen dann gegeneinander an.

Saison: 2011

Zuschauerdurchschnitt: 24.965

Zuschauer Gesamt: 21.569.760

(Foto: Reuters)
CFL Grey Cup Football
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Platz 7 – Canadian Football League, Kanada (Canadian Football)

Wie auch in den Staaten spielt Football in Kanada eine große Rolle. Der kanadische Football unterscheidet sich allerdings in einigen Punkten vom amerikanischen. So sind in Kanada zum Beispiel die Felder und die Teams größer. In der Canadian Football League treten pro Saison acht Teams gegeneinander an – vier in der East Division und vier in der West Division. Die Beliebtheit der Sportart schlägt sich auch in den Zuschauerzahlen nieder: Allein seit der Saison 2010 sind durchschnittlich 690 mehr Fans in die Stadien gepilgert.

Saison: 2011

Zuschauerdurchschnitt: 27.882

Zuschauer Gesamt: 1.979.639

(Foto: dapd)
Spain Soccer La Liga
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Platz 6 – La Liga, Spanien (Fußball)

Geht man nach der Wahl zum Weltfußballer des Jahres, spielen die drei besten Fußballakteure in der spanischen Liga: Messi, Cristiano Ronaldo und Andrés Iniesta. Trotzdem hat sich die Zahl der Zuschauer in der vergangenen Saison reduziert. Pro Partie sahen den Profis von Madrid, Barcelona & Co. rund 500 Personen weniger zu. Das könnte daran liegen, dass die beiden Top-Clubs zwar mit brillantem Fußball überzeugen, das Titelrennen sich aber stets zwischen genau diesen beiden Clubs entscheidet. Vielleicht muss der Fußball angesichts der drastischen Wirtschaftskrise des Landes aber auch einfach zurückstehen.

Saison: 2011/2012

Zuschauerdurchschnitt: 28.462

Zuschauer Gesamt: 10.815.670

(Foto: dapd)
Sports Photos-Memorable Moments
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Platz 5 – Major League Baseball, USA (Baseball)

Baseball, American Football, Eishockey und Basketball sind die Sportarten schlechthin in den USA. Die Major League ist der Baseball-Verband, der den Spielbetrieb der beiden nordamerikanischen Baseball-Profiligen organisiert – der National League und der American League. Die National League besteht aus 15 US-amerikanischen Teams und die American League aus 14 US-amerikanischen Teams und einem kanadischen Team. Beide Ligen sind jeweils in drei Divisionen aufgeteilt.

Saison: 2012

Zuschauerdurchschnitt: 30.895

Zuschauer Gesamt: 74.859.268

(Foto: dapd)
U.S. President Obama holds an AFL football presented by Australia's Prime Minister Gillard, in the Oval Office at the White House in Washington
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Platz 4 – Australian Football League, Australien (Football)

Auch in Australien hat Football Tradition, allerdings wird das Spiel Down Under etwas anders gespielt als in den USA: Australian Rules Football ist eine Fußballvariante, die auf einem großen, elliptischen Spielfeld mit vier Pfosten an jedem Ende gespielt wird. Maximal 18 Spieler pro Team sind auf dem Platz erlaubt. Das Ziel des Spiels ist es, durch Schüsse zwischen die Pfosten zu punkten. Es gewinnt das Team mit den meisten Punkten am Ende des Spiels. US-Präsident Barack Obama lässt sich im Weißen Haus das Spiel von der australischen Premierministerin Julia Gillard erklären (Foto).

Saison: 2012

Zuschauerdurchschnitt: 32.748

Zuschauer Gesamt: 6.778.824

(Foto: Reuters)

Haben Sie auch positive Diskriminierung erlebt, etwa Bevorzugung oder besondere Gunst?

Im Restaurant werde ich schon mal mit besonderer Aufmerksamkeit bedient. Das kann aber daran liegen, dass ich ein bekannter Fußballer bin.

In St. Pauli waren Sie Publikumsliebling, obwohl Sie noch gar nicht für den Verein spielten.

St. Pauli hat geile Fans. Mich haben die Sprechchöre stets sehr motiviert.

Sie erzählen auch eine Anekdote aus Ghana, als Sie mit der Nationalmannschaft trainierten. Darin beklagen Sie, dass die afrikanischen Spieler den Fußball zu locker nähmen.

Denen fehlte es an Disziplin, Ordnung und Ernst. Ich hab das auch erst in Deutschland gelernt, Pünktlichkeit zum Beispiel hat mir auch Mirko Slomka, mein Jugendtrainer, beigebracht. Ich musste oft Geldstrafen zahlen. Zurecht, denn wer zum Training zu spät, kommt auch bei der entscheidenden Flanke zu spät.

Gehen Sie in den neuen Tarantino, Django?

Hab ich von gehört, da rächt sich ein Schwarzer an weißen Sklavenhaltern. Muss ich mir anschauen.

Heißt es eigentlich Schwarzer?

Manche bevorzugen Farbiger. Aber Sie können mich einen Schwarzen nennen. Wir nennen Euch ja auch Weiße, obwohl Ihr nicht weiß seid.

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