Hamburger SV Der finanzielle Abstieg des Bundesliga-Dinos

Seit Jahren lebt der HSV wirtschaftlich über seine Verhältnisse: Hohe Gehälter, Transfers und teure Missverständnisse auf der Trainerbank und im Management kosteten Millionen. Es bleibt nur noch der Ausweg Ausgliederung.
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Hamburger Zuschauerränge mit einsamem Vereinsboss: Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV von 2003 bis 2011, stellte in der Endphase seines Schaffens an der Elbe einen teuren und überalterten Kader zusammen. Quelle: dpa

Hamburger Zuschauerränge mit einsamem Vereinsboss: Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV von 2003 bis 2011, stellte in der Endphase seines Schaffens an der Elbe einen teuren und überalterten Kader zusammen.

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Sportlich befindet sich der HSV spätestens seit der 4:2 Niederlage gegen Eintracht Braunschweig in einer tiefen Krise – finanziell schlingert der Verein jedoch schon seit Jahren dem Abgrund entgegen. Die desaströse Außendarstellung, der Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat sowie eine völlig verunsicherte Mannschaft sind ein Spiegelbild eines dahinsiechenden Fußballvereins.

Seitdem der HSV nicht mehr auf europäischer Bühne spielt, wirtschaftet der Klub stark defizitär: In den vergangenen drei Jahren machte der HSV einen Verlust von über 20 Millionen Euro.

Obwohl es sportlich nicht für Europa reicht, bezahlt der HSV weiterhin seinen Spielern fürstliche Gehälter. Ein Kardinalfehler, der auch schon Borussia Dortmund Mitte der 2000er-Jahre fast ruinierte. Trainer- und Managerentlassungen kosteten den Verein weitere Millionen.

Nach Informationen des „Manager-Magazins“ ist das Eigenkapital des HSV aufgebraucht. Banken leihen dem Verein kein Geld mehr: „Der Verein ist derzeit nicht handlungsfähig, weil die Schulden so hoch sind, dass wir keine neuen Kredite aufnehmen können“, sagt der frühere Aufsichtsratsvorsitzende und Initiator von HSV plus, Ernst-Otto Rieckhoff, im Interview mit der „Welt“.

Banken brauchen Sicherheiten; der HSV kann keine Sicherheiten garantieren. Nun sind Fußballvereine aber wahre Finanzjongleure: Wenn die Bank kein frisches Geld bereitstellt, dann holen sie es sich von anderer Stelle.

In Hamburg hat man schon fast jede Möglichkeit ausgenutzt: Der HSV lieh sich 17,5 Millionen Euro als Fan-Anleihe von seinen treuen Anhängern. Edelfan Klaus-Michael Kühne finanzierte Transfers mit. Doch auch das reicht nicht mehr. Als letzter Ausweg bleibt nur noch die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung, damit der HSV frisches, zinsfreies Geld erhält.

„Wir stehen vor einer schwierigen Saison, keine Frage. Erreichen wir wieder nicht den Europapokal, müssen wir unseren Gehaltsetat runterfahren“ äußerte Carl-Edgar Jarchow, heutiger Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, bereits im März 2011 Bedenken zur finanziellen Situation des Vereins gegenüber der Bild-Zeitung. Doch trotz der warnenden Worte überschreiten die Personalkosten des HSV bis heute den Gehaltsetat.

Jarchow trat ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV von 2003 bis 2011, stellte in der Endphase seines Schaffens an der Elbe einen teuren und überalterten Kader zusammen. Im Sommer 2011 folgte der Umbruch: Mit Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, David Rozehnal und Guy Demel verließen alte und teurere Spieler den Verein. Zeitgleich verpflichtete der Verein neue, jüngere Spieler – besonders wilderte der Klub in der Jugendabteilung des FC Chelsea.

Doch trotz der Abgänger schaffte es der HSV nicht, seine Gehaltskosten entscheidend zu senken. In der Saison 2010/11 beliefen sich die Personalkosten des Vereins auf 60,1 Millionen Euro; in der nächsten Saison (2011/12) verschlangen die sie immer noch 57,8 Millionen Euro und in der Saison 2012/13 stiegen die Personalkosten des Hamburger Sport-Vereins sogar wieder auf 59,6 Millionen Euro.

Hamburgs zweite Chaos-Truppe
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Mit der Verpflichtung von Mirko Slomka hat der angeschlagene Hamburger SV zumindest auf der Trainerposition für Klarheit gesorgt. Ob der neue Coach und Nachfolger von Bert van Marwijk die sportliche Talfahrt stoppen kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Indes hat der Verein aber noch ganz andere Brände zu löschen, denn hinter den Kulissen tobt beim HSV auch nach dem Trainerwechsel das Chaos. Die Verantwortlichen sind zutiefst zerstritten – das hat nicht nur der gescheiterte Versuch, Felix Magath zu den Hanseaten zu locken gezeigt. Als Folge des internen Machtkampfes verliert der Verein nun nach und nach seine Aufsichtsratsmitglieder. Die Situation erinnert an das viel zitierte sinkende Schiff.

Hans-Ulrich Klüver
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Schon einen Tag nach der Entlassung Bert van Marwijks ging das Stühlerücken beim HSV weiter. Eine ganze Reihe von Aufsichtsräten kündigte an, als letzte Amtshandlung den neuen Trainer Mirko Slomka abnicken und anschließend abtreten zu wollen. Den Anfang macht der Diplomvolkswirt Hans-Ulrich Klüver (rechts). Klüver, der 20 Jahre lang als leitender Angestellter bei Otto tätig war, wurde 2011 neu in den Aufsichtsrat gewählt und hatte seinen Platz eigentlich bis 2015 sicher. Am Sonntag stellte er sein Amt vorzeitig zur Verfügung.

Marek Erhardt
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Noch am selben Abend tat es ihm sein Kollege Marek Erhardt gleich. Der 44-jährige Schauspieler und Ex-Stadionsprecher des HSV hielt ebenfalls sein Wort und trat zurück. Auch Erhardt wurde Anfang 2011 für vier Jahre neu in den Rat gewählt.

Ali Eghbal
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Am nächsten Morgen folgten weitere Rücktritte. Als Begründung führten die Aufsichtsräte das zerrüttete Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat an. Aber auch Beschimpfungen und Bedrohungen seitens der Fans, die nach der 2:4-Schlappe gegen (Noch-)Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig ihren bisherigen Höhepunkt erreichten, sollen bei den Ratsrücktritten eine Rolle gespielt haben: „Mir persönlich wurde massiv in Braunschweig gedroht. Das war eine Situation, die so nicht mehr hinnehmbar ist“ sagte der erst vor einem Jahr zum Aufsichtsrat gewählte Ali Eghbal, „Ich muss mir überlegen, ob ich noch zu Spielen gehen kann. Da muss ich ja um mein Leben fürchten.“ Eghbal ist als Unternehmensberater und bei einer Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Außerdem ist der Ex-Aufsichtsrat mit seinen „Haji-Softdrinks“ im Getränkegeschäft vertreten.

Manfred Ertel
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Auch Manfred Ertel trat nach der Beschlussfassung zur Personalie Slomka zurück. Der Journalist kandidierte erstmals im Januar 2009 und war seit 2011 im Rat. In einem Kommentar, den Ertel auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, rechnete er mit den Ex-Kollegen ab. „Ich habe mich in den letzten Tagen manipuliert, instrumentalisiert und genötigt gefühlt“ klagt Ertel dort. Auch die Vorgehensweise bei der Personalie Magath kritisiert der langjährige Spiegel-Journalist: „Ich bin unter Vortäuschung falscher Tatsachen in eine Personaldebatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit Felix Magath getrieben worden.“ Durch „gezielte Indiskretionen über Medien, durch die Verbreitung von Halbwahrheiten und auch Fehlinformationen“ habe er sich letztlich genötigt gefühlt, der Personalie um jeden Preis zuzustimmen.

Björn Floberg
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Seit 2008 saß Björn Floberg (links) als Delegierter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club im Aufsichtsrat. Er sprach in einem Statement von einem „krass vereinsschädigenden Verhalten“ seitens einiger Ratsmitglieder. Der 39-jährige Angestellte prangert vor allem die Weitergabe interner Informationen an die Presse an. Er wolle nicht länger „in eine Kollektivhaftung“ genommen werden und legte sein Mandat deswegen ebenfalls nieder. Eine Rolle bei seiner Entscheidung hätten aber auch die Beleidigungen und Gewaltandrohung gegen einzelne Aufsichtsräte gespielt.

neuer HSV-Aufsichtsratschef Jens Meier
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Ende Januar übernahm Jens Meier den Posten als Aufsichtsrat-Chef beim HSV. Sein oberstes Ziel: Ruhe in den Verein bringen. Keine leichte Aufgabe, denn bei den Hanseaten gibt es viele Baustellen: Die angespannte finanzielle Lage, der sportlicher Absturz und die Vorbereitung der Ausgliederung. Nun droht der Aufsichtsrat, während der größten Krise in der Vereinsgeschichte auseinanderzubrechen. Medien spekulieren, dass auch Meier seinen Rückzug plant. Dann könnte der Geschäftsführer der Hamburg Port Authority sich wieder auf seinen Posten als Chef des Hamburger Hafens konzentrieren. Zu der Rücktrittswelle hat Meier sich jedenfalls noch nicht geäußert. Und das ist ja auch irgendwie eine Statement.

Der Klub verbrennt Geld für Spieler der zweiten Reihe
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1 Kommentar zu "Hamburger SV: Der finanzielle Abstieg des Bundesliga-Dinos"

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  • Die Fragen sind: Wieso Millionen für die unfähigen, nicht einsatzbereiten, nur dem Verein schädigen, Profis? Warum wird der leistungsbereite/geile Nachwuchs nicht eingesetz???

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