Historische Premiere Torlinien-Technologie zur Fußball-WM

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 werden die Referees durch eine Torlinien-Technologie unterstützt. Dies teilte die Fifa mit. Nun streiten sich vier Anbieter um den Zuschlag, darunter auch zwei deutsche Firmen.
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Tor, Tor, der Ball ist im Tor! Oder?
England vs Ukraine
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Diese Szene wird als „Torklau von Donezk“ in die Geschichte eingehen und war ein Negativhöhepunkt bei der EM 2012. Der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai sah als Einziger im Stadion nicht, dass dieser Ball hinter der Linie war. Im Vorrundenspiel zwischen der Ukraine und England hatte der Ukrainer Marko Devic den Ball ins Tor befördert, John Terry kam mit seiner Rettungsaktion zu spät - eigentlich, denn das Tor wurde nicht gegeben.

Solche Aufreger lassen sich mit technischen Hilfsmitteln vermeiden, allerdings haben sich Fifa und Uefa bisher gegen entsprechende Regeländerungen gesträubt.

Torlinientechnologie
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Erste Variante: Die Hawk-Eye-Technik wird seit Jahren im Profitennis eingesetzt. Das System arbeitet mit Kameras, die um das Spielfeld positioniert sind. Die Nachteile: die Installation ist teuer und optische Sensoren haben immer die Schwäche, dass ihnen bei einem Fußballspiel irgendwas vor die Linse laufen könnte, was die entscheidende Situation verdeckt.

goalref
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Zweite Variante: Die GoalRef-Technik, die von Experten des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt wurde, basiert auf einem Magnetfeld am Tor. Passiert der Ball mit Chip die Torlinie, wird dem Schiedsrichter ein Funksignal auf dessen Uhr übermittelt.

torrichter
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Torrichter werden bereits seit der Saison 2009/10 eingesetzt und obwohl sie in strittigen Situationen (Foulelfmeter, Torentscheidung) prinzipiell näher am Geschehen stehen, haben sie sich nicht zuletzt bei der EM 2012 als wirkungslos herausgestellt. Bei einigen Spielen (Kroatien - Spanien und Ukraine - England) haben sie sogar vollkommen versagt. Sie haben allerdings einen mächtigen Verfechter: den Uefa-Boss Michel Platini.

Michel Platini
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Uefa-Präsident Michel Platini ist seit Jahren der Bremsklotz bei der Einführung von technischen Hilfsmittel zur Ermittlung von strittigen Toren. Der Franzose unterstrich auch nach dem Vorfall bei der EM zwischen der Ukraine und England, „absolut gegen" die Torlinien-Technik zu sein. „Was ist, wenn es ein Handspiel auf der Linie gibt, dann sieht das keine Technik der Welt. Wo sollen wir eine Grenze ziehen? Ich bin nicht nur gegen Torlinien-Technologie, sondern gegen Technologie an sich", sagte Platini.

Sepp Blatter poses with a ball on the goal line in a goal of a local soccer pitch in Zurich
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Fifa-Präsident Sepp Blatter hingegen gab zuletzt seine Abwehrhaltung auf. Nach der Partie in Donezk hatte er mitgeteilt, dass die Technik keine Alternative mehr sei, „sondern eine Notwendigkeit".

Karl-Heinz Rummenigge
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Vereinsfunktionäre aus der Bundesliga haben zur Torlinien-Technik eine klare Meinung: „Ich bin grundsätzlich pro. Es gibt so eine Technik, sie funktioniert auch, deshalb sollten wir sie einführen", sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, mahnte aber zugleich: „Wir sollten das Rad nicht noch weiter drehen, dann spielen wir wegen ständiger Unterbrechungen überhaupt nicht mehr Fußball."

Zürich/BerlinHistorische Premiere bei der WM 2014: Der Fußball-Weltverband Fifa wird im kommenden Jahr in Brasilien wie erwartet erstmals bei einer Weltmeisterschaft die Torlinien-Technologie einsetzen. Nach dem erfolgreichen Test bei der Vereins-WM im Dezember 2012 wird die neue Technik auch beim Confederations Cup in diesem Sommer einem weltweiten Publikum vorgestellt, teilte die Fifa am Dienstag mit und bestätigte damit die bereits im Juli vergangenen Jahres getroffene Entscheidung.

Vier Anbieter streiten sich derzeit um den Zuschlag, darunter zwei deutsche Firmen, die die Testphase durchlaufen haben und bald ebenfalls zugelassen werden könnten. Eine Entscheidung, welche Technik bei der WM zum Einsatz kommt, soll Anfang April fallen. Das bereits beim Tennis erprobte Hawk-Eye zur Überwachung der Torlinie (Torkamera) und das GoalRef-System (Chip im Ball) sind bereits lizenziert und haben den „Fifa-Stempel“ als Zertifikat.

Wembley-Tor-Mythen und Torklau-Schlagzeilen sollen damit endgültig der Vergangenheit angehören. In jedem der zwölf WM-Stadien soll das neue System installiert werden. Ein zeitnaher Einsatz der technischen Hilfsmittel in der Champions- oder Europa League scheint derzeit ausgeschlossen. Uefa-Präsident Michel Platini hat sich bisher immer als Gegner der Technik gezeigt. Bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gilt die Technik als sehr umstritten.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff begrüßte indes den Einsatz der Torlinien-Technologie. „Gegen ein funktionierendes System ist überhaupt nichts zu sagen. Das wird man als Sportler der Fairness wegen akzeptieren“, sagte Bierhoff am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. „Die Liga hatte sich ja immer rausgehalten. In anderen Sportarten wie Tennis gibt es ja solche Technologien schon. Das Bedeutende ist eben die Funktionalität. Wenn die sichergestellt ist, finde ich es positiv“, ergänzte Bierhoff am Rande des SpoBiS-Kongresses in Düsseldorf.

Veranstalter sollen über Torrichter entscheiden
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