Kein Fußball-Wunder Werder verpasst Uefa-Cup-Finale

Ohne Gelb-Rot-Sünder Miroslav Klose hat der SV Werder Bremen ein weiteres Wunder verpasst und ist im Endspiel des Uefa-Pokals nur Zuschauer. Werder verlor das Halbfinal-Rückspiel gegen Espanyol Barcelona mit 1:2 (1:0) und schied nach der 0:3-Schlappe aus der Vorwoche aus.
Niedergeschlagen Quelle: dpa

Bremens Kevin Schindler (l) und Hugo Almeida beim Anstoß nach dem 2:1 für Barcelona.

(Foto: dpa)

dpa BREMEN. Ausgerechnet Klose erwies seiner Mannschaft vor 36 000 Zuschauern im Weserstadion einen Bärendienst, als er sich wegen einer Schwalbe bereits in der 19. Minute die zweite Gelbe Karte einhandelte.

Dabei schienen die Weichen für eine erfolgreiche Aufholjagd nach dem frühen Tor durch Hugo Almeida (4.) gestellt zu sein. Erst nach einem schweren Fehler von Bremens Ersatztorhüter Andreas Reinke kamen die Spanier zum Ausgleich durch Coro (50.) und bestraften anschließend einen weiteren Aussetzer der geschockten Hanseaten mit dem 2:1 von Jesus Maria Lacruz (60.). Während Espanyol nun am 16. Mai im Hampden Park von Glasgow das Finale gegen den Liga-Rivalen und Cup-Verteidiger FC Sevilla bestreitet, kann sich Werder ganz auf den Titelendspurt in der Bundesliga konzentrieren.

„Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, denn im Hinspiel haben wir uns eine wahnsinnig schlechte Ausgangsposition verschafft“, bilanzierte Werder-Trainer Thomas Schaaf, der den französischen Schiedsrichter Bertrand Layec für den Platzverweis gegen Klose heftig kritisierte: „Es ist für mich unverständlich, welche Entscheidung er da getroffen hat. Dafür habe ich kein Verständnis.“ Auch Klaus Allofs ließ kein gutes Haar am Referee: „Er hat es geschafft, dieses Spiel zu zerstören. Die frühe Gelb-Rote Karte hat alle Pläne durchkreuzt“, schimpfte der Sportdirektor.

Nachdem es in der Europacup-Historie schon drei Mal gelungen war, im Rückspiel an der Weser einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen, hatte man sich bei Werder trotz des 0:3 noch leise Hoffnungen auf den Finaleinzug gemacht. Doch dann wurde ausgerechnet Klose einen Tag nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung, den bis 2008 datierten Vertrag in Bremen erfüllen zu wollen, zur tragischen Figur. Der Nationalstürmer, der bereits nach 80 Sekunden wegen eines Ellbogeneinsatzes eine fragwürdige Gelbe Karte gesehen hatte, wollte sich mit einer Schwalbe einen Freistoß erschwindeln. Danach blieb dem Unparteiischen nichts anderes übrig, als ihn vom Platz zu stellen. „Ich versuche mich da fallen zu lassen. Das ist absolut Gelb. Aber die erste Gelbe Karte, da fehlen mir die Worte“, ärgerte sich Klose.

Mit der offensivsten denkbaren Variante im Mittelfeld - Daniel Jensen und Aaron Hunt an Stelle von Frank Baumann und Jurica Vranjes - hatte Schaaf das Signal für bedingungslosen Angriff gegeben. Und die Bremer legten los, als wollten sie die schwierige Mission bereits in der ersten halben Stunde erfüllen. Gerade einmal 230 Sekunden waren gespielt, als ein Pressschlag zwischen Diego und seinem spanischen Gegenspieler Torrejon zur Steilvorlage für Almeida wurde und der Portugiese den Ball über den herauseilenden Keeper Iraizoz zum 1:0 ins Tor beförderte.

Nach einer kurzen Schockperiode als Folge des Platzverweises setzte Werder sein druckvolles Spiel auf das Tor der Spanier fort, die sich ohne ihren verletzten Regisseur Ivan de la Pena und den gelb-gesperrten Torjäger Walter Pandiani eine Halbzeit lang nur auf die Defensive beschränken konnten. Zudem versuchte Espanyol angesichts des enormen Bremer Tempos immer wieder das Spiel zu verzögern. Hätte Werder im Olympiastadion von Barcelona nur halb so viel Einsatz gezeigt, wäre in der katalanischen Metropole wohl der Grundstein für ein Weiterkommen gelegt worden.

Doch fünf Minuten nach Wiederbeginn war der Traum der Hanseaten, zum zweiten Mal nach 1992 ein internationales Finale zu erreichen, endgültig geplatzt. Als der für den gesperrten Tim Wiese zwischen den Pfosten stehende Reinke eine Flanke von Albert Riera nicht festhalten konnte, war Coro zur Stelle und staubte aus kurzer Distanz zum Ausgleich ab. „Das darf nicht passieren“, gab Reinke zu. Von diesem Treffer bis ins Mark getroffen und auch erschöpft ließen sich die Bremer noch ein weiteres Mal überrumpeln, als Lacruz nach einem Eckball mit dem Kopf zur Stelle war.

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