Maracanã-Stadion Vom Fußballtempel zum Katzenklo

Kaum eine Fußballarena dieser Welt hat einen derart legendären Ruf wie das Maracanã. Doch das brasilianische Nationalstadion leidet unter Finanzproblemen und Korruptionsvorwürfen. Das geht buchstäblich an die Substanz.
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Ein Blick in die Tiefe des Stadions: Eher ein Acker als ein Rasen Quelle: Reuters
Maracana

Ein Blick in die Tiefe des Stadions: Eher ein Acker als ein Rasen

(Foto: Reuters)

Rio de JaneiroDas Maracanã gehört jetzt den Katzen. Der Bereich bei den Drehkreuzen, wo sonst zu Zehntausenden die Fans in einen der berühmtesten Fußballtempel der Welt strömen, ist übersät mit Kot, zwei Katzen streunen umher. Rein kommt hier niemand derzeit. Touristen in Rio de Janeiro, die hier eine Führung machen wollen, stehen vor den Gittern. Drinnen ist die Szenerie noch trostloser.

Dort, wo Mario Götze am 13. Juli 2014 in der 113. Minute Deutschland zum Weltmeistertitel gegen Argentinien schoss, ist der Rasen total vertrocknet, Fenster sind kaputt und tausende Plastiksitze sind herausgerissen worden. Insgesamt sollen rund 7000 Sitze fehlen, berichtete die Zeitung „O Globo“, die einen exklusiven Zugang in das Innere bekam, Videos zeugen von dem katastrophalen Zustand.

Diebe trieben hier zuletzt ihr Unwesen, Fernseher wurden gestohlen - und zwei Büsten, darunter eine Büste des Journalisten Mario Filho, Namensgeber des Stadions, das im Volksmund aber nur als Maracanã firmiert. „SOS Maracanã“, schlägt der Fußballverband von Rio de Janeiro (FERJ) Alarm. Es ist unklar, ob hier wie geplant in wenigen Wochen wieder regulär Fußballspiele stattfinden können, unter anderem die Clubs Flamengo und Fluminense tragen hier ihre Heimspiele aus.

Maracanã vergammelt, Häuser und Hallen veröden
Carioca-Arenen
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Sperrmüll im Hof vor den Arenen Carioca 1, Carioca 2 und Carioca 3. Die Gebäude sollten in eine Schule für 850 Schüler umgebaut werden. Aber: Es fand sich kein Investor, die Sportstätten fristen ein ungenutztes Dasein, die Pläne sind nur welche auf dem Papier.

(Quelle: dpa)

Arena do Futuro
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In der Zukunftsarena fanden die Handballwettkämpfe statt. Die Spiele kosteten insgesamt rund 11,5 Milliarden Euro und sollten einen Touristenboom auslösen. Dieser blieb aber aus.

Olympia-Schwimmhalle
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Hier jubelten 15.000 Zuschauer US-Schwimmer Michael Phelps zu, der seine Bilanz auf 23 olympische Goldmedaillen hochschraubte. Nun verrostet das leere Schwimmbecken im Olympiapark, die kunstvolle Außenhülle des Schwimmstadions ist zerrissen und die Fetzen wehen traurig im Wind.

Arena Carioca 1
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Hier fanden die Basketball-Spiele während Olympia statt, die Halle wird heute nicht mehr genutzt.

Arena Carioca 1
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Ein verwahrloster Flur in der Arena Carioca 1. Samstags und sonntags ist der Olympiapark für Besucher geöffnet, eine Pflastersteinwüste mit geschlossenen Arenen. In zwei Stunden sieht man vielleicht ein gutes Dutzend Besucher.

Arena Carioca 3
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Hier fanden die Fechten- und Taekwondo-Wettkämpfe statt. Der Fußboden ist schon abgezogen. Der Macher der ersten Olympischen Spiele in Südamerika, der inzwischen abgetretene Bürgermeister Eduardo Paes, hatte betont: „Es wird keine weiße Elefanten geben“. Sprich Stadien, die nach Olympia vor sich hingammeln – das Gegenteil ist nun der Fall.

Arena Carioca 1
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Wie pleite am Ende das Organisationskomitee gewesen sein muss, zeigt die Tatsache, dass diverse Kautionen zum Beispiel von Medienunternehmen für die Nutzung der Einrichtungen zum Teil immer noch nicht zurückgezahlt sind.

Zudem ist das Stadion seit Tagen immer wieder ohne Strom, eigentlich ist es ein Wahrzeichen der Stadt. Wie konnte es nur so weit kommen? Dahinter steckt ein tiefer Konflikt zwischen dem Organisationskomitee von Rio 2016 und der Stadion-Betreibergesellschaft, die mehrheitlich dem Baukonzern Odebrecht gehört. Demnach sei das Stadion nicht wie vertraglich vereinbart wieder in dem Zustand übergeben worden, wie man es für den Umbau für Olympia im März 2016 überlassen habe.

Zudem seien nicht wie vereinbart maximal 81 Tonnen Feuerwerk, sondern bis zu 189 Tonnen eingesetzt worden, was weitere Schäden verursacht haben könnte. Odebrecht, verwickelt in einen riesigen Korruptionsskandal und zum Sparen gezwungen, würde sich am liebsten von dem Stadion trennen. Doch angesichts der hohen Kosten und der geringen Auslastung bei Ligaspielen stehen Übernahmeinteressenten nicht gerade Schlange.

Das Maracanã ist ein Sinnbild der tiefen Wirtschaftskrise - und der Überforderung Rios mit den Olympischen Spielen. Bereits seit Februar 2016 konnten Touristen, die sonst hierhin strömen, nicht mehr in das Innere des legendären Stadions. Für die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen und Paralympischen Spiele gab es ab März eine Reihe von Umbauarbeiten, für Bühnenaufbauten wurden viele Sitze abmontiert, die aber einfach in einen Raum geschmissen wurden und kaum noch zu gebrauchen sind. Die prachtvollen Feiern sind der Tristesse gewichen.

„Eine unglaubliche Schande“
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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

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