Nach Blatter-Rücktritt Uefa-Sitzung vorerst abgesagt

Kurz nach seiner Wiederwahl tritt Fifa-Präsident Joseph Blatter zurück. Immer neue Erkenntnisse belasten den Verband schwer. Uefa-Präsident Michel Platini will sich Zeit nehmen, um eine neue Strategie zu finden.
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Der Fifa-Vize und Uefa-Präsident Michel Platini will sich Zeit nehmen, die Situation besser einschätzen zu können. Quelle: ap
Uefa will abwarten

Der Fifa-Vize und Uefa-Präsident Michel Platini will sich Zeit nehmen, die Situation besser einschätzen zu können.

(Foto: ap)

BerlinDie Uefa wird sich nach der Rücktrittsankündigung von Fifa-Präsident Joseph Blatter doch nicht zu einer Sondersitzung in Berlin treffen. „Da täglich neue Informationen ans Tageslicht kommen, denke ich, dass es klüger ist, sich Zeit zu nehmen, um die Situation besser einzuschätzen, um dann gemeinsam Position zu beziehen“, begründete Uefa-Präsident Michel Platini am Mittwoch die Absage. Ursprünglich hatten die Blatter-Gegner in der Europäischen Fußball-Union am Freitag oder Samstag in Berlin ihre Strategie beraten wollen.

Keine Lichtgestalt für die Fifa in Sicht
Joseph Blatter
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Nach dem Rücktritt des Fifa-Chefs sprießen die Gerüchte um seine Nachfolge: Viele Namen werden genannt, doch kaum ein gehandelter Kandidat erscheint realistisch auf dem Fußballthron. Außerdem bietet kaum einer der potenziellen Fußballkönige einen wirklichen Neuanfang. Die Kandidaten.

Zwei Kandidaten
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Ein Team? Fifa-Päsident Sepp Blatter (Mitte) mit Uefa-Chef Michel Platini (links) und Franz Beckenbauer 2007 bei einem Benefizspiel der Fifa: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Blatter ist jedoch viel länger und vielfältiger.

Franz Beckenbauer
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Seine Popularität nutzte der „Kaiser“ bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt. Ob er überhaupt antreten würde, ist fraglich.

Uefa-Chef Michel Platini
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Michel Platini steht seit 2007 an der Spitze der Uefa, des europäischen Fußballverbands. Doch eine weltweite Unterstützung für den zuletzt Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest derzeit fraglich. Denn er ist vorbelastet: Schließlich war er an der Vergabe der WM nach Russland beteiligt. Außerdem ist sein Sohn für Katar aktiv. Und er war lange ein enger Vertrauter von Blatter, also Teil des alten Fifa-Systems. Dennoch stehen die Chancen für einen europäischen Kandidaten nicht schlecht...

Wolfgang Niersbach
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DFB-Chef Wolfgang Niersbach (64) spielt sich mit solchen Sätzen auch nicht gerade in den Vordergrund: „Das ist noch alles so frisch, ich gehe davon aus, dass diese neue Situation auch ganz neu bewertet werden muss“, sagte Niersbach nach dem Blatter-Rückzug. Dabei müsse man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die UEFA „einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“. Er selbst ist damit ja wohl nicht gemeint. Wer dann?

Luis Figo
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Im Vorfeld der Wiederwahl Blatters am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber, genau wie der Niederländer Michael van Praag, zurückgezogen. „Wir sollten verantwortlich und ruhig eine gemeinsame weltweite Lösung finden finden.“ Mit dieser unschlüssigen Haltung hat er öffentlich jedenfalls nicht gepunktet.

Prinz Ali bin Al Hussein
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Prinz Ali hatte die Wahl zum Fifa-Präsidenten am Freitag mit 73:133 Stimmen gegen Blatter verloren. Theoretisch steht er nach dem Rücktritt des Schweizers zwar für Neuwahlen bereit. Ex-DFB Chef Theo Zwanziger hält den jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein (39) aber für keinen geeigneten Nachfolger Blatters. „Das ist ein junger, relativ unerfahrener Mann, der in dem gleichen System, was vorher bestand, von den Konföderationen gesteuert worden wäre.“

Unter anderem sollte es dabei auch um die Frage gehen, ob DFB-Chef Wolfgang Niersbach und andere europäische Funktionäre ihre Sitze im Fifa-Exekutivkomitee einnehmen sollen. Durch den angekündigten Abschied Blatters hat sich die Situation nun massiv geändert. „In den nächsten Wochen wird es weitere Gelegenheiten geben, sich zu treffen - und hoffentlich wird sich die Angelegenheit bis dahin erhellen“, sagte Platini. Der Franzose gilt als logischer europäischer Kandidat für die Blatter-Nachfolge.

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  • dpa
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