Nach dem Triple Wie geht's weiter mit Hoeneß?

Aus Rücksicht auf den Fußball sollte der Fall Hoeneß ruhen. Nun ist das historische Triple des FC Bayern München perfekt - und es passiert: nichts. Angeblich ist die Entscheidung im FCB-Aufsichtsrat schon gefallen.
Update: 04.06.2013 - 15:05 Uhr 69 Kommentare
Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird trotz des historischen Erfolgs des FC Bayern nicht aus den Schlagzeilen verschwinden. Quelle: dpa

Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird trotz des historischen Erfolgs des FC Bayern nicht aus den Schlagzeilen verschwinden.

(Foto: dpa)

Berlin/DüsseldorfAusgelassen feiern sieht anders aus: Im Anzug statt in Tracht, mit dem Bier im Plastikbecher und einem Lächeln, das – vorsichtig gesagt – verhalten wirkte. Wer wollte, konnte im Gesicht von Uli Hoeneß vielleicht ganz andere Regungen lesen. Reue? Scham? Die Sorge, möglicherweise ins Gefängnis zu gehen?

Klar wurde nach dem Bayern-Triple: Die Steueraffäre hat dem Präsidenten des FC Bayern München, der sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt hatte, massiv zugesetzt. Trimupmgesten hat der Heoneß bei Gewinn von Champions League und Pokal tunlichst vermieden. Die sportlich beste Saison der Bayern könnte die letzte für Hoeneß als deren Präsident gewesen sein. Das war zumindest die gängige Interpretation vor dem Bayern-Erfolg.

„Erst kommt die Champions League, dann der Pokal und dann, erst dann kümmern wir uns um die Causa Hoeneß“ – das war stets die Botschaft aus Vereinsführung und Aufsichtsrat gewesen. Die prominenten Firmenchefs der Großsponsoren von Audi über Adidas und Telekom bis zu VW hatten vor vier Wochen gemeinsam entschieden, Hoeneß im Amt zu halten. Das hatte ihnen öffentlich und von politischer Seite zum Teil harsche Kritik eingebracht.

„Vor den wichtigen Endspielen in Champions League und DFB-Pokal wäre es falsch gewesen, noch mehr Unruhe in den Verein hereinzutragen. Wir haben das nach meiner Überzeugung richtig entschieden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn dann auch der „Bild am Sonntag“. Er sagte damals aber auch: „Sollte es neue Erkenntnisse geben, werden wir das erneut besprechen." Nun hat es allerdings den Anschein, als wolle man die Sache aussitzen – und Hoeneß im Amt lassen. Denn passiert ist bislang nichts.

Und das wird auch wohl so bleiben. Wie das Handelsblatt aus Kreise der im Aufsichtsrat vertretenen Unternehmen erfuhr, habe sich das Gremium festgelegt. Einen Rücktritt soll es demnach nur dann geben, wenn die Ermittlungen neuen Fakten bringen – etwa eine Anklage oder gar ein Urteil. Hoeneß und seine Unterstützer scheinen die Sache aussitzen zu wollen.

Weder Fans noch Sponsoren rückten in den vergangenen Wochen von ihm ab. Und auch von prominenter Seite erhielt Hoeneß Zuspruch, etwa von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies: „Ich kenne Uli so gut, dass ich weiß, dass er Manns genug sein wird, die Suppe, die er sich eingebrockt hat, auch auszulöffeln“, sagte Tönnies im Interview mit dem „Focus“. Auch Angela Merkel schüttelte ihm beim Pokalfinale die Hand, längst zeigt sich Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer wieder mit dem Fußball-Patriarchen in der Öffentlichkeit.

So klingt auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: „Der FC Bayern ist eine Bastion. Uli hat keine einfachen Zeiten hinter sich“, sagte er auf der Pokalfeier. Ganz so, als sei für den Wurstfabrikanten alles schon ausgestanden mit seiner Nachzahlung und dem drohenden Prozess.

Immerhin war die Sache für die Bayern-Fans am Samstag klar: Kurz nach dem zweiten Treffer von Stürmer Mario Gomez gegen den VfB Stuttgart im Pokalendspiel dankte die Kurve gesanglich zunächst Trainer Jupp Heynckes („Jupp, Jupp, Jupp!“), um danach überraschend deutlich dem umstrittenen Hoeneß den Rücken zu stärken.

„Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“, sang die eine Hälfte des mit gut 75.000 Zuschauern gefüllten Berliner Olympiastadions. „Und ich habe in Ulis Gesicht geschaut und gespürt, wie stolz er ist“, kommentierte Rummenigge die Szene im Anschluss. Die andere Hälfte der Fans im Stadion hatte auf die Hoeneß-Lobgesänge allerdings mit einem gellendem Pfeifkonzert geantwortet.

„Der geht ins Gefängnis“
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69 Kommentare zu "Nach dem Triple: Wie geht's weiter mit Hoeneß?"

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  • Man kann hier schreibenden Blogautoren und den Autoren des Handelsblatt, die zum Fall Hoeneß berichten, nur den eben erschienen Artikel in der Legal Tribune Online von Roxin ans Herz legen:

    "Auch wer sich selbst anzeigt, bleibt erst einmal unschuldig"

    Wer, lieber Herr Steingart, ethische und moralische Maßstäbe immer wieder hochhält und diskutiert ("Die moralischen Quellen, aus denen die Marktwirtschaft einst so reichlich schöpfte, drohen zu versiegen"), sollte als Herausgeber des Handelsblattes doch dafür sorgen, dass auch im Fall Hoeneß eine ausgewogene und unvoreingenommene Berichterstattung unter Beachtung der Unschuldsvermutung erfolgt. Aber bitte lesen Sie selbst:

    http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/uli-hoeness-steuerhinterziehung-selbstanzeige-unschuldsvermutung-presseberichterstattung/#writeComment

  • Mein Vorbild ist FJS, das war der Größte!! Seitdem sagt man nicht mehr Bestechung, sondern Lockheeds. Der Amigo hat die unverschämten Schreiberlinge eingesperrt! Der fromme Obertürke Erdogan eifert ihm gerade nach. Lasst doch den armen Uli in Ruhe oder hat schon einmal jemand nachgerechnet, was ein MP in Bayern verdient hat und was mein Vorbild FJS vererbt hat? Recht muss Recht bleiben.

  • @Segler Sie ewig Gestriger. Nutzen Sie jetzt ihre Chance und machen Sie es Ihren früheren preussischen Offizieren das doch mal vor. Und Schuss.

  • Das Sachliche in diesem Artikel ist im vorletzten Absatz zusammengefasst. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die beiden Artikel-Schreiber (in) anlässlich der FCB Siege nur wieder ein Fass aufmachen wollen. Von Hetzjagd möchte ich nicht sprechen. "Hetzjagd beim Handelsblatt gegen Herrn Hoeneß! Was für ein Verfall der Sitten in der -bislang einigermaßen sachlich orientierten - Presse. Liebe Redakteure, wundert Euch nicht, wenn die Abo´s zurückgehen, denn dieses Niveau bekommt man woanders günstiger." Es wäre aus meiner Sicht sinnvoll selbst bei der HB online Ausgabe die journalistische Qualität (Stil, Formulierungen, Fragestellungen) der Artikel zu verbessern bzw. ggf. zu überprüfen. Die Entwicklung der journalistischen Leistungen bei einigen HB online Artikeln weisen Parallelen zur früheren Entwicklung bei der FTD auf. Bitte liebe Artikelschreiber denkt mal nach und überprüft Eure journalistische Ausbildung. Dieser Artikel ist einfach grottenschlecht geschrieben.

  • Wenn ein preussischer Offizier bei soetwas erwischt worden wäre, hätte man ihm eine Pistole auf den Schreibtisch gelegt.
    Diese hätte er dann entsprechend auch genutzt.

  • So blöd es sich anhört denke ich, dass Herr Hoeneß zunächst relativ unbewusst in die Siuation gekommen ist, in der er jetzt ist: nächlich die Siatuation eine Straftat begangen zu haben indem er dem deutschen Staat Geld vorenthalten hat. und irgendwann war es einfach zu spät, sauber aus der Sache rauszukommen.

    Meiner Meinung nach handelt es sich um einen (passiven?) Fehler, den er aus heutiger Sicht nicht mehr begehen würde.
    Sind wir alle fehlerfrei? ich definitiv nicht. im privat- und berufsleben begehe ich regelmäßig "Fehler", aus denen ich lerne und die ich nicht nochmal begehen werde. Der Nachteil von Hoeneß ist, dass er berühmter und reicher ist und natürlich, dass dieser Fehler sich in der graustufe der Rechtmäßigkeit abspielt.
    wie dem auch sei: Menschlich mache ich ihm keinen Vorwurf, dass er ein excellenter Manager ist, hat er über die Jahre eindrucksvoll bewiesen, genauso, dass er Werte hat, denen er in seinem Leben folgt.
    Für mich ist er weiterhin autentisch, evtl gerade durch diesen folgenschweren Fehler den er begangen hat. und genau deswegen finde ich nicht, dass er seiner Position als Präsident des FCB enhoben werden sollte. Und damit zeigt der FCB zusätzlich Stärke: die Stärke, zusammenzuhalten, auch wenn einzelne Fehler machen.

    was den Straftatbestand angeht, wird Hoeneß verurteilt oder nicht, was aus meiner Sicht von seinem Wirken beim FCB getrennt zu bewerten ist.

  • Jaja . Am Ende ist er noch ein armes Opfer der üblen Medien. Ich lach mich tot. Im übrigen interessieren mich die Steuer Vorwürfe mehr am Rande. Viel interessanter Ist der Verdacht, dass hier Insider trades begangen wurden. Kein Manager der Welt leiht einem anderen Geld zum zocken. Wenn sich das bestätigt , ist die Steuer hinterziehung eine Lappalie dagegen.

  • Die meisten Steuern werden in Deutschland selber hinterzogen, jährlich einige Milliarden durch angebliche "Nachbarschaftshilfe" oder "Schwarzarbeit nach Dienstschluss". Komischerweise sagt hier niemand etwas. Ich bin fest der Meinung, dass auch diejenigen, die hier ihre Kommentare schreiben Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer schon hinterzogen haben. Good Luck weiterhin!!

  • 1rVZWG
    WK
    Es scheint, als ob in Bayern vordemokratische Zustände herrschen: eine Justizministerin, die lügt, ein Richter, der Ermittlungsbehörden Weisungen gibt und ein Ministerpräsident, der Steuerbetrüger umarmt. Die Lösung wäre, ganz simpel gesagt: Mollath raus und Hoeness rein.

  • Kommentar zu pit.

    Was Sie schreiben, ist einschließlich der Schreibweise des Namens "Hönes" nicht richtig.

    Erstens hat sich Herr Hoeneß nicht wegen "Betrugs" angezeigt, wie Sie schreiben, sondern allenfalls wegen "Steuerhinterziehung".

    Zweitens kann man aufgrund seiner Selbstanzeige gerade nicht davon ausgehen, dass er ein Krimineller ist. Nach § 371 Abgabenordnung wird im Falle einer Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung wegen dieser Steuerstraftaten "nicht nach § 370 bestraft.". Jemand, der sich selbst anzeigt, ist also bereits nach dem Gesetz kein Krimineller. Sie hätten die Sache einmal prüfen sollen statt von irgendetwas auszugehen.

    Drittens geht es hier nicht, wie Sie schreiben, darum seine Unschuld zu ermitteln sondern um den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Unschuldsvermutung, der eingreift, wenn - wie hier - Ermittlungen laufen.

    Im Übrigen liegt Ihr Kommentar ("Schwachsinn") neben der Sache und belegt einmal mehr, dass auch das Handelsblatt etwas dafür tun sollte, um unrichtigen und rein emotionalen Vorverurteilungen einer Person durch Leser des Handelsblatts und Blogautoren entgegenzusteuern.



    .

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