Nach Rücktritt „Vielfalt ist eine Stärke“ – DFB weist Özils Rassismus-Vorwurf zurück

Mit Vehemenz streitet der DFB die Vorwürfe Mesut Özils ab, sich dem Nationalspieler gegenüber rassistisch motiviert verhalten zu haben.
Update: 24.07.2018 - 09:06 Uhr 1 Kommentar
Rücktritt von Mesut Özil: DFB weist Rassismus-Vorwürfe zurück Quelle: dpa
Reinhard Grindel

Der DFB-Präsident wurde von Mesut Özil stark kritisiert. Er und der Verband wehren sich nun.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Deutsche Fußball-Bund (DFB) weist die von Mesut Özil geäußerten Rassismus-Vorwürfe „in aller Deutlichkeit“ zurück. Dies geht aus einer schriftlichen Stellungnahme hervor, die der Verband am Montagnachmittag veröffentlichte. Der DFB stehe für Vielfalt, „von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis.“ Vielfalt, so heißt es in dem Schreiben, sei eine Stärke, nicht nur im Fußball.

Überdies bedankte sich das Präsidium des Verbands, dem der von Özil namentlich stark kritisierte Reinhard Grindel vorsitzt, für die herausragenden Leistungen des Nationalspielers. „Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister geworden ist“, so die nach einer Telefonkonferenz verfasste Erklärung.

Der DFB legt in seiner Mitteilung großen Wert darauf, seine Integrationsarbeit zu betonen. So gehörten von der „Kreisklasse bis in die Nationalmannschaften“ Spieler mit Migrationshintergrund zum weltgrößten Sportverband. Man spiele zusammen mit den verschiedenen familiären Wurzeln, Kulturen und Religionen.

Hitzige Debatte nach Özils Rücktritt – „Das ist purer Rassismus“

Im gleichen Atemzug kritisiert der Verband dann den nun ehemaligen Nationalspieler Özil: „Was uns alle dabei auf und neben dem Platz verbinden muss, ist die Beachtung der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte, das Eintreten für Meinungs- und Pressefreiheit sowie Respekt, Toleranz und Fair Play“, heißt es in dem Statement. Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten sei für „jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen.“

Die Fotos, auf denen Özil, aber auch Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan während eines Treffens in London abgelichtet wurden, hätten bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen, so der DFB. „Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein.“

Die Stellungnahme ist mit „Direktion Öffentlichkeit und Fans“ unterzeichnet, der Arbeitsbereich des stellvertretenden Generalsekretärs und Mediendirektors Ralf Köttker.

Der Verband bedauert, dass Özil das Gefühl gehabt habe, als „Ziel rassistischer Parolen“ nicht ausreichend geschützt worden zu sein. Den Nationalspielern Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan habe der DFB bei derlei Anfeindungen beigestanden.

Bedingungslose Unterstützung gegen rassistische Beleidigungen gewährt der DFB aber der Stellungnahme zufolge nicht. Denn es wichtig gewesen, dass Özil, „wie vor ihm bereits Ilkay Gündogan, mit Blick auf dieses Foto Antworten gibt, unabhängig vom sportlichen Ausgang des Turniers in Russland. Im DFB gewinnen und verlieren wir zusammen, alle, als ein Team.“

Gerade letzteres ist eine nicht ganz unbedenkliche Aussage angesichts der öffentlichen Kritik von Nationalmannschafts-Manager und DFB-Präsident Grindel, die auf Özil als Person abgezielt hatte.

Des weiteren zählt der Verband als Entschuldigung mehrere eigene Integrationsprojekte auf. Vor diesem Hintergrund hätte der DFB sich laut Erklärung gefreut, Özil weiter als Teil des Teams begrüßen zu können. Zu weiteren Vorwürfen schweigt sich der Fußballbund aus: „Es gehört für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen.“

Sevim Dagdelen von der Linken hat Mesut Özils Begründung für seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft scharf kritisiert. „Es ist ein Schlag ins Gesicht der unzähligen politisch Verfolgten in der Türkei, wenn die beschworene Verpflichtung gegenüber der Herkunft der Eltern nicht einmal jetzt dazu führt, dass Özil auch nur ein Wort über die Inhaftierung von deutschen Staatsbürgern als politische Geiseln oder die Verfolgung kritischer Journalisten verliert“, sagte die Vizevorsitzende der Linken-Fraktion und Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag). „Das ist kein Ruhmesblatt für einen Spieler der deutschen Nationalmannschaft, der Vorbildfunktion hat und für Fair Play stehen sollte, nicht nur auf dem Rasen.“

Zwar sei Özils Kritik an DFB-Präsident Reinhard Grindel und Teammanager Oliver Bierhoff berechtigt, doch Özil verspiele seine eigene Glaubwürdigkeit, „wenn er sich mit Erdogan gemein macht, der dabei ist, in der Türkei einen islamistischen und ultranationalistischen Unterdrückungsstaat zu etablieren, der Kurden, Aleviten und andere Minderheiten diskriminiert“.

Auch Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, hält trotz aller Fehler, die der DFB gemacht hätte, Özils Rundumschlag für falsch. „Bei aller Kritik am Kurs des DFB und seines Präsidenten schießt der blanke Rassismusvorwurf aus meiner Sicht über das Ziel hinaus. Schließlich sind weiterhin Spieler mit ausländischen Wurzeln Teil der Mannschaft, und sie werden es weiterhin bleiben“, sagte sie der Zeitung.

Mesut Özil hatte am Sonntag über soziale Netzwerke eine umfassende Stellungnahme zu den Vorkommnissen des Sommers veröffentlich und seinen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft verkündet. Es ging in der Debatte um ein höchst umstrittenes Foto des Fußballers mit dem türkischen Präsidenten Erdogan.

„Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, solange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre“, schrieb Özil. Er fühle sich vom DFB und vor allem dessen Präsident Grindel schlecht behandelt. „Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen“, betonte Özil an Grindels Adresse.

Mit Material der dpa.

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1 Kommentar zu "Nach Rücktritt: „Vielfalt ist eine Stärke“ – DFB weist Özils Rassismus-Vorwurf zurück"

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  • Der DfB hatte die Gelegenheit, nach dem Länderspiel in Leverkusen solch etwas zu veröffentlichen. Jetzt wirkt das alles wie Comedy.

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