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Nationalmannschaft bekommt drei Tage frei Kraft tanken in der Heimat

Zehn Tage Trainingslager stecken den deutschen Nationalspielern in den Knochen, ab nächster Woche sind Ballack dann schon wieder beim Confederations-Cup gefordert. Vorher verabschieden sich die deutschen Kicker allerdings nochmal in den Kurzurlaub. Mit im Gepäck: Der Ärger über den Last-Minute-Ausgleich der Russen.

HB DÜSSELDORF. Trotz der nur halb geglückten Generalprobe zog Jürgen Klinsmann ein positives Fazit des Trainingslagers für den Confederations-Cup. In der Nacht zum Donnerstag dankte der Bundestrainer im Teamhotel in Düsseldorf seinen 23 Akteuren für ihr Engagement in den vergangenen zehn Tagen und entließ sie nach Hause. Auch Klinsmann flog noch einmal über den "großen Teich" in seine Wahlheimat Los Angeles, aus der er schon am Sonntag wieder zurückkehrt.

"Wir wissen, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber die Art und Weise, wie die Mannschaft mitzieht, ist bewundernswert", betonte der Bundestrainer trotz des ausgebliebenen Motivationsschubs durch das 2:2 gegen Russland. "Es war ein verschenkter Sieg. Dennoch glaube ich, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht haben", beschrieb Kapitän Michael Ballack die Situation im Team sechs Tage vor dem Start des Confederations Cups.

Was schon beim 4:1 in Nordirland aufgedeckt wurde, konnten 46 228 Fans im Borussen-Park von Mönchengladbach und fast zehn Millionen an den TV-Geräten auch gegen Russland deutlich erkennen: Im Offensivspiel verbreiten die "Klinsmänner" auch dank der jungen, unverbrauchten Hoffnungsträger wie Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski viel Spaß. "Generell kann ich der Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie versucht hat, nach vorn zu spielen und sich Torchancen zu erarbeiten. Und sie kam nach dem 0:1 zurück, das zeigt den Charakter", sagte der Bundestrainer.

Auf der anderen Seite reichten den Russen schon wenige zielgenaue Konter, um die unerfahrene und bisweilen unbedarfte deutsche Defensive auszuhebeln. Klinsmann räumte erstmals größeren Nachholbedarf im Hinblick auf den Confederations Cup ein, der am Mittwoch in Frankfurt mit der Partie gegen Australien beginnt. "Woran wir enorm arbeiten, ist die hohe Konzentrationsfähigkeit, besonders beim Umschalten von Angriff auf Abwehr. In erster Linie müssen wir bei Ballverlusten noch schneller reagieren und die Räume zu machen", sagte der Bundestrainer. Das Stellungsspiel sei in vielen Situationen noch zu verbessern, alle Spieler sollten noch besser ein Auge auf die Mitspieler haben, damit vor allem die Viererkette noch besser funktioniert.

Der Sturm und Drang, den Klinsmann ohne Frage entfacht hat, führt zwar zu solch schönen Toren wie von Schweinsteiger gegen Russland. Aber Aussetzer in der Abwehr verhinderten wieder einmal das erhoffte Erfolgserlebnis. "Russland ist auch keine Übermannschaft. Ein Unentschieden ist mir und der Mannschaft zu wenig", sagte Schweinsteiger, der in seinem 14. Länderspiel erstmals traf. "Wir müssen in der einen oder anderen Situation einfach cleverer agieren, dann sind wir auch erfolgreicher", forderte Torhüter Oliver Kahn. "Wir machen einfach zu viele Fehler. Wir stehen zu weit vorn, anstatt ruhig und clever zu spielen", ergänzte Torsten Frings.

Klinsmann hat die Mängel bereits in den vergangenen Tagen bekämpft. "Wir haben viele Übungen gemacht, in denen es darum geht, hellwach zu sein, Handlungs-Schnelligkeit rein zu bringen, das Ganze noch einen Tick energischer und schneller zu machen", berichtete der 40-Jährige. Bei den 20-jährigen Schweinsteiger und Podolski fruchtete das gegen die schnellen, technisch beschlagenen Russen am besten. "Er hat auf dem Platz seine Unbekümmertheit gezeigt", lobte Ballack seinen Bayern-Mitspieler. "Er ist bereits ein kleiner Mehmet-Scholl- Verschnitt, verliert auch nach einem verlorenen Dribbling nicht den Mut", ergänzte der Kapitän.

"Der Ausgleich ist ärgerlich, sonst wäre es ein zufrieden stellendes Spiel gewesen", kommentierte Gerhard Mayer-Vorfelder den Abend von Gladbach. Auch ihm sind die Problemzonen nicht verborgen geblieben. Andreas Hinkel auf Rechts hatte zwar durchaus einige gute Offensivaktionen, stand aber oft auch falsch und produzierte haarsträubende Fehlpässe. So testete Klinsmann mit Bernd Schneider als rechten Verteidiger vor Sebastian Deisler eine Variante, die er noch vor wenigen Tagen als "vierte Alternative" bezeichnet hatte. Jetzt sagte er: "Sicher eine Möglichkeit zu spielen." Auf Links fehlt Thomas Hitzlsperger vor allem taktische Erfahrung für diese Position. Allerdings ist der künftige Stuttgarter nahezu ohne Konkurrenz, weil auch dem Bremer Christian Schulz die Reife fehlt.

Erst einmal aber sollen sich die Spieler nochmals aktiv erholen, bevor sie sich am Sonntag um 17.00 Uhr wieder in Frankfurt treffen. Jeder müsse selbst wissen, was er in den kommenden Tagen tun müsse, sagte Ballack: "Aber wir müssen aufpassen, dass in den drei Tagen nicht geschludert wird."

» Fotostrecke: Bilder vom Spiel

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