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Nationalmannschaft Durch drei große „B“ zum Team

Viele andere Nationen haben bessere Fußballer oder sind weit besser eingespielt als die deutsche Elf. Das macht Jürgen Klinsmann aber nichts. Der Bundestrainer hat seine eigenen Rezepte gefunden, wie er die deutsche Nationalmannschaft zum Erfolg führen will.
Jürgen Klinsmann guckt zuversichtlich in Richtung WM. Foto: AP

Jürgen Klinsmann guckt zuversichtlich in Richtung WM. Foto: AP

HB CAGLIARI. "Unser Fundament für den Erfolg liegt im Teamgeist." Dieser Satz könnte aus einem Managerlehrbuch stammen oder aus dem Adidas-Prospekt für den neuen WM-Ball. Doch Jürgen Klinsmann meint es bitterernst, wenn er dieser Tage im Trainingslager auf Sardinien immer wieder den Zusammenhalt seiner Mannschaft beschwört. Denn drei Wochen vor dem Eröffnungsspiel ist ihm bewusst: Viele andere Nationen haben bessere Fußballer oder sind weit besser eingespielt als die deutsche Elf.

Seinen 23-köpfigen Kader - die jüngsten sind 20, die Ältesten 36 - will der frühere 108-fache Nationalstürmer daher mit aller Macht zusammenschweißen. Eine neue Idee dazu brachte der amerikanische Fitnesstrainer Mark Verstegen ins Spiel: Während des Trainings auf dem Rasenplatz des sardischen Domizils "Forte Village" versammeln sich nun Kicker und Trainer zwischen den Einheiten im Kreis und brüllen lauthals Parolen wie "Wir sind ein Team!". Klinsmann sieht das Sprücheklopfen aber nicht als typisch amerikanischen Psycho-Zauber: "Wenn es Abwechslung bringt und den Jungs Spaß macht, bitte sehr".

Am Donnerstagabend setzte Klinsmann zur Förderung des Teamgeists drei große "B" auf den Terminkalender: Zunächst richtete die sportliche Leitung ein Beachvolleyball- und Basketballturnier aus. Am Abend lud Klinsmann dann alle zum Barbecue in großer Runde ein, einschließlich Spielerfrauen und Kindern. Bereits tags zuvor hatte die Mannschaft in einem Pub auf dem 25 Hektar großen Hotelgelände gemeinsam das Champions-League-Finale im Fernsehen angeschaut.

Überhaupt ist die Mannschaft während der fünf Tage auf Sardinien auffällig wenig mit Fußballspielen beschäftigt. Viel Zeit nehmen während der zwei täglichen, je zweistündigen Trainingseinheiten Kraft-, Stabilitäts- und Gymnastikübungen ein. Dabei hüpfen die Spieler über am Boden liegende Strickleitern, werfen Medizinbälle oder schnallen die berühmt-berüchtigten Gummibänder um die Füße, die noch vor Monaten wegen ihrer lächerlichen Wirkung für Aufregung sorgten.

Der Trainerstab lässt derzeit bewusst viel ohne Ball trainieren, wie Klinsmann meinte. "Die Spieler sollen eine gewisse Vorfreude auf die harte Arbeit mit dem Ball entwickeln, die in Genf beginnt." In der Schweiz beginnt ab Sonntag die zweite Etappe der Vorbereitung; während der neun Tage soll die Mannschaft physisch und taktisch in Topform gebracht werden.

Für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft muss die deutsche Nationalelf aus Sicht des Bundestrainers einen Tick aggressiver und leidenschaftlicher spielen als die Konkurrenz. Die DFB-Auswahl habe ihre Chance, "wenn wir aggressiv sind, dem Gegner unser Spiel aufdrücken und nicht nur reagieren", sagte der Coach. Das deutsche Team müsse mit "viel Leidenschaft und Engagement den Heimvorteil nutzen".

Dazu nimmt der 41-Jährige auch die "zweite Garde" der Ersatzspieler in die Pflicht. Alle müssten sich "gegenseitig heiß machen und vorantreiben", verlangte er. "Gerade Spieler, die sich selbst im zweiten Glied sehen, haben die Aufgabe, ihren Vordermann herauszufordern und zu kitzeln." Geradezu vorbildlich fülle Ersatztorhüter Oliver Kahn, der hinter Jens Lehmann nur die Nummer zwei ist, derzeit diese Rolle aus, lobte der Bundestrainer. Der ausgebootete Bayern-Keeper sei "positiv und locker", arbeite aber mit Blick auf einen möglichen Einsatz sehr hart. "Und das vielleicht mit einem Schuss berechtigter Hoffnung", sagte Klinsmann.

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