Reaktionen auf „Football Leaks“ „Grobes Foulspiel am Gemeinwohl“

Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Co.: Dokumente der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ belasten zahlreiche Sportprofis schwer. Politiker fordern die Rote Karte für die Fußballmillionäre.
Update: 03.12.2016 - 14:33 Uhr Kommentieren
Auch Dokumente des mehrmaligen Weltfußballers finden sich in dem Datensatz. Quelle: AFP
Cristiano Ronaldo

Auch Dokumente des mehrmaligen Weltfußballers finden sich in dem Datensatz.

(Foto: AFP)

DüsseldorfOffshore-Leaks, Panama Papers – und nun die „Football Leaks“: Ein Rechercheverbund von neun europäischen Medien, darunter der Hamburger „Spiegel“, haben Daten der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ ausgewertet. Die insgesamt 18,6 Millionen Dokumente belasten offenbar zahlreiche Spitzensportler schwer. So soll der mehrmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo bis vor zwei Jahren eine Briefkastenfirma in der Karibik für seine Werbeeinnahmen genutzt haben – und so Millionen an Steuern gespart. Auch Mesut Özil, Spieler beim britischen Klub FC Arsenal, soll bei der Steuer geschummelt haben.

Unklar ist, inwieweit die beiden Spieler sich damit strafbar gemacht haben. So weist etwa der „Spiegel“ darauf hin, dass Ronaldo bei seiner Steuerersparnis von einer umstrittenen Sonderregelung des spanischen Steuerrechts profitiert haben soll. Özil dagegen soll den Dokumenten zufolge zwei Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben – inklusive Verzugszinsen. Laut „Spiegel“ ging es bei den Vorwürfen gegen den Fußballer um unterschiedliche Berechnungsgrundlagen bei der Bezahlung von Özils Spielerberatern.

Mit der Auswertung der Dokumente von „Football Leaks“ seien 60 Journalisten des Rechercheverbunds „European Investigative Collaboration“ insgesamt sieben Monate beschäftigt gewesen, so der „Spiegel“ in einer Mitteilung. Neben Originalverträgen von Spielern fanden sich auch E-Mails und geheime Nebenabsprachen in dem 1,9 Terabyte umfassenden Datensatz. Das entspreche dem Umfang von 500.000 Bibeln, so das Magazin.

Welche Sportler 2016 das meiste Geld verdienen
Platz 81: Bastian Schweinsteiger
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Obwohl er nur auf Platz 81 liegt, verdient Bastian Schweinsteiger dennoch fürstlich. 19 Millionen Euro streicht der deutsche Nationalspieler laut Forbes jährlich ein, 17 davon entfallen auf sein Gehalt oder Prämien.

Platz 65: Luis Suarez
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Etwas besser verdient man als Fußballer wohl in Barcelona: Der Stürmer-Star Luis Suàrez verbuchte im vergangenen Jahr 20,9 Millionen Euro an Einnahmen auf seinem Konto. Knapp ein Viertel des Betrages entfiel laut Forbes auf Werbeeinnahmen oder Sponsorenverträge.

Platz 49: Wayne Rooney
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Wofür der englische Nationalspieler hier wohl betet? Wohl kaum für ein besseres Gehalt. 17 Millionen Euro verdiente der Star bei Manchester United. Zählt man Werbeeinnahmen dazu, kommt er auf ein stattliches Jahresgehalt von 22,9 Millionen Euro.

Platz 40: Serena Williams
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Die US-amerikanische Tennisikone Serena Williams verdient den Großteil ihres Geldes nicht etwa durch sportlichen Erfolg, sondern vor allen Dingen durch Verträge mit Sponsoren. Allein im vergangenen Jahr strich sie 17,6 Millionen Euro für Sponsoring ein. Weitere 7,8 Millionen verdiente sie durch Turniersiege oder Prämien.

Platz 32: Usain Bolt
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Er ist der schnellste Mann der Welt – und das obwohl seine Taschen prall gefüllt sind. Denn im vergangenen Jahr schwamm der Sprinter weiter auf der Erfolgswelle und kassierte von Sponsoren 26,4 Millionen Euro. Da wirken die 2,2 Millionen Euro aus Verträgen und Prämien beinahe mickrig.

Platz 23: Zlatan Ibrahimovic
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Er selbst bezeichnet sich gerne als „König“ oder „Legende“. Das zu überprüfen wird schwierig, doch immerhin sein Gehalt ist fürstlich. 32 Millionen Euro sackte der Stürmerstar im vergangenen Jahr ein, einen Großteil aus seinen Verträgen bei Paris Saint-Germain.

Platz 21: Neymar
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Mit der drei, die er auf dem Foto zeigt, liegt er gar nicht so falsch: 33 Millionen Euro verdient der Fußballer aus Brasilien pro Jahr.

Neben dem „Spiegel“ gehören dem Konsortium auch die Medien „Der Falter“ aus Österreich, „El Mundo“ aus Spanien, „L’Espresso“ aus Italien, „Le Soir“ aus Belgien, „Mediapart“ aus Frankreich, „Newsweek Serbia“ aus Serbien, die dänische „Politiken“ sowie „The Black Sea“ aus Rumänien an.

Erste Reaktionen aus der Politik verlangen die „Rote Karte“ für die Fußball-Profis. „Die Fußball-Großverdiener leben von Millionen Fans, die täglich hart arbeiten und ehrlich Steuern zahlen. Wenn diese Millionarios ihren Beitrag zum Gemeinwesen verweigern, hat das mit Fair Play nichts mehr zu tun, sondern ist Verrat an den Fans. Sie richten durch schlechtes Vorbild und ungerechte Steuervermeidung doppelten Schaden an. Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt etwa SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

Dass gerade die Reichsten am wenigsten Steuern zahlen sei nichts Neues, sagt der Vorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger. Schon die umfangreichen Korruptionsenthüllungen in den Fußballverbänden hätten demonstriert, dass es keine heile und edle Fußballwelt gibt, so Riexinger, „Dass sich manche Großverdiener unter den Fußballspielern nicht anders als Starbucks, Apple und Co. verhalten und mit Briefkastenfirmen und anderen Steuertricks möglichst wenig bis gar keine Steuern zahlen, zeigt, dass die 'schönste Nebensache der Welt' zu einem gnadenlosen Geschäft verkommen ist, in dem gefeierte 'Helden' sich mit allen Mitteln vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung drücken.“

Sven Giegold, Mitglied der Grünen-Fraktion im Europaparlaments, verlangt, dass Einnahmen, die aus sportlichen Leistungen folgen, in dem Land versteuert werden müssen, in dem der Profi aktiv ist. „Die Steuervermeidung der Fußballstars sind ein grobes Foulspiel am Gemeinwohl. Mit ihren Steuertricks schaden die Fußballmillionäre den Menschen, die ihnen im Stadion zujubeln. Die Fußballer verfehlen durch ihr gesellschaftsschädliches Verhalten bei weitem ihre Vorbildfunktion für viele junge Menschen.“ Die Fußballprofis nutzten laut Giegold eine besonders ausgeklügelte Steuertaktik und schleusten so ihre Einnahmen in verschiedene Steueroasen. Ein weiteres Mal seien Irland und Großbritannien beim Steuerdumping führend und brächten so andere EU-Länder um ihre Einnahmen.

Zehn Gründe, um neidisch auf CR7 zu sein
Er arbeitet hart und redet gern darüber
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Muskeln, Technik, Kraft: CR7 arbeitet sehr hart an seinem Körper und seinen fußballerischen Fähigkeiten. Dass fast jeder Profi-Fußballer auf europäischem Top-Niveau mehr Zeit auf dem Trainingsgelände verbringt als mit seiner Familie ist normal. Dass CR7 oft und gerne über sein Trainingspensum spricht, trägt hingegen nicht unbedingt zu seiner Beliebtheit bei.

Er kriegt alle hübschen Supermodels ab
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Sie war fast fünf Jahre an Cristiano Ronaldos Seite: Das russische Topmodel Irina Shayk. Im Januar diesen Jahres kam dann die Trennung. Angeblich sollen beide auch schon neue Partner haben. Und wenn nicht, ist es auch egal. Denn Ronaldo ist einer der bestbezahlten Sportler der Welt und hat den Luxus, jedes hübsche Supermodel der Welt zu erobern.

Verträge mit einigen der meist gehassten Vereine
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2003 spielte Cristiano Ronaldo bei den „Red Devils“, dort gewann er sofort die Herzen der United-Fans. Manchester United wird geliebt und gehasst zugleich. Und das gilt auch für Real Madrid in Spanien. Der Portugiese ist eindeutig ein Gewinner-Typ. Kein Wunder also, dass er für die erfolgreichsten Vereine der Welt spielt. Nach dem teuersten Transfer der Fußballgeschichte (94 Millionen Euro) ist „CR7“ seit Sommer 2009 bei Real Madrid unter Vertrag.

Der bestbezahlte Fußballer der Welt
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Laut Forbes ist Cristiano Ronaldo der bestbezahlteste Fußballer der Welt. Allein im vergangenen Jahr hat Real Madrid 52 Millionen Dollar auf Ronaldos Konto überwiesen. Insgesamt verdiente der Fußballstar 80 Millionen Dollar (61,8 Millionen Euro). Zusätzliche 28 Millionen kommen von seinen Werbepartnern, und von denen gibt es viele.

Er ist einfach ein fantastischer Spieler
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Er schießt Tore, spielt Traumpässe, zirkelt traumhafte Freistöße ins Tor: es gibt viele Gründe den Fußballer CR7 zu lieben. Deswegen gibt es auch kaum jemanden, der etwas an Cristiano Ronaldos fußballerischen Qualitäten auszusetzen hat. Trotzdem: Wenn er bei der gegnerischen Mannschaft spielt, schlägt die Bewunderung in Hass um.

Er gewinnt zu viele Ballon d'Ors
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Weltfußballer wird Cristiano Ronaldo. Das scheint mittlerweile ein ungeschriebenes Gesetz der Wahlen zum Ballon d'Or zu sein. Bereits zum dritten Mal erhielt die Trophäe des Weltfußballers des Jahres. Zweimal gewann er die Auszeichnung zu Europas Fußballer des Jahres. Grund genug für viele Ronaldo zu hassen.

Er ist attraktiv
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CR7 um Smoking mit Fliege: Bei Frauen kommt Ronaldo gut an. Seine Gel-Haare, das sonnengebräunte Gesicht und die rasierten Augenbrauen sorgen aber auch für Häme. Vielerorts muss er sich deswegen bei Auswärtsspielen seines Vereins Real Madrid homophobe Beschimpfungen durch die gegnerischen Fans anhören.

Die Steuertricks zeigten erneut, dass der Steuerwettbewerb in Europa mit gemeinsamen Mindeststeuersätzen für Unternehmen eingedämmt werden müsse. Die EU-Kommission müsse hier mit einem Gesetzesvorschlag nachlegen. Giegold: „Wir dürfen Steueroasen innerhalb der europäischen Gemeinschaft nicht länger dulden. Fairplay gilt nur nicht nur auf dem Spielfeld, sondern umso mehr beim Steuern zahlen.“

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