Reaktionen in England „Hitz out“ als Pioniertat

Das Mutterland des Fußballs lobt Thomas Hitzlspergers „übermenschliche Tapferkeit“, selbst Premier David Cameron drückt seine Bewunderung aus. Doch der Kampf gegen Homophobie im Sport hat gerade erst begonnen.
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Hitzlsperger outet sich öffentlich als schwul

London„Aber wo bleibt David Cameron? Er ist doch Aston-Villa-Fan“, witzelte Thomas Hitzlsperger, als ihn der „Guardian“ im Interview auf die Flut von guten Wünschen hinwies, die sein Coming-out auch in England begleitete.

Der ließ sich nicht lange bitten und twitterte am Mittwochabend: „Ich habe immer bewundert, was Thomas Hitzlsperger auf dem Feld geleistet hat – aber heute bewundere ich ihn noch mehr“, so der britische Premier.

Auch die Parteichefs Nick Clegg (Liberdaldemokraten) und Ed Miliband (Labour) waren unter denen, die den Mut des Fußballers rühmten, eines der letzten Tabus im Fußball zu brechen. Über die Sportseiten hinaus befassten sich Leitartikel in den Zeitungen mit dem Thema „Hitz out“.

Die „Sun“ nennt ihn einen Sieger, räumt aber ein, dass es „übermenschlicher Tapferkeit bedürfe, sich als Homosexueller zu outen, so lange man noch in der Premier League spielt“. Ähnliches moniert der

„Guardian“: Während der geringste rassistische Zwischenruf eines Fans von den Rängen eines Fußballspiels heute in England scharf geahndet werde, brauche es noch lange, bis Schiedsrichter Spottrufe wie „Queers and faggots“ so scharf ahnden würden.

Was allen auffiel: Offiziell gibt es unter den rund 5000 professionellen Fußballern im englischen Fußball keinen einzigen Schwulen – trotz nicht unbeträchtlicher offizieller Anstrengungen. Es gibt ein „Gay Football Supporters’ Network“, in dem sich schwule Fans organisiert haben, um Homophobie im Fußball zu bekämpfen.

Ihr Vorsitzender, Chris Basiurski, begrüßte Hitzlspergers Entscheidung. „Sie zeigt, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind beim Schaffen einer Atmosphäre, in der Spieler aller Klassen sich outen können, wenn sie es wollen, sicher und ohne Diskriminierung“.

„Kick it Out“, die Kampagne gegen den hartnäckigen Rassismus der Fans gegen schwarze und asiatische Spieler in Großbritannien, hat sich inzwischen auch der Homophobie angenommen. „Stonewall“, eine Organisation, die sich für Gleichberechtigung von Homosexuellen einsetzt, legte 2009 einen Bericht zur Homophobie im Fußball vor.

Während nur zehn Prozent der befragten Fans Rassismus für ein Problem im Fußball hielten, gab ein Viertel der Fans zu, dass es im englischen Fußball massive Vorurteile gegen Homosexualität gibt.  „Wenn Fußballer als schwul gelten, werden sie weniger respektiert und von den Fans und Spielern der gegnerischen Teams attackiert“, erklärte Alex, ein Sheffield-Wednesday-Anhänger.

„Fußballer wollen keine schwulen Spieler in ihrer Mitte“
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11 Kommentare zu "Reaktionen in England: „Hitz out“ als Pioniertat"

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  • Natürlich muß es künftig eine Schwulen-Quote in der Nationalmannschaft geben !

  • Ich möchte mich hier outen:
    Ich bin nicht schwul.
    Hoffentlich werde ich in dieser schwulen Gesellschaft nicht weiter diskriminiert.

  • Ich denke eine solche Meldung gehört nicht ins HB.
    Wie jemand Sexuell tickt ist seine Privat Angelegenheit. Warum meldet er sich zu Wort, nach neun Jahren mit einer tollen Frau? Was bewog ihn, sich jetzt zu melden er stehe auf Männer? Ist es der Wunsch wider in der Öffentlichkeit für kurze Zeit zu stehen?
    Oder wurde ihm für diese Äußerung Geld geboten?
    Ein Schelm, der Böses denkt.

  • "Homophobie" -
    Würde zu gerne wissen, wer diesen nahezu allgegenwärtigen Begriff in die Welt gesetzt hat.

  • Sicherlich eine wichtige Debatte welche Herr Hitzlsperger hier angestoßen hat. Wichtig? Wirklich? Für wen? Ich habe im Alltag nicht mehr das Gefühl dass homosexuelle Partnerschaften grundsätzlich diskriminiert werden. Dieses mag im Fußball als eines der letzten archaischen Rückzugsgebiete vielleicht noch anders sein. Oder vielleicht auf dem Lande, wenngleich die Bewohner dort oftmals in vielen Dingen aufgeklärter sind als in den Ballungsräumen und oft verkannt werden. In der belebten Umgebung einer Großstadt ist zumindest das Schwulsein mittlerweile nicht mehr problematisch.
    Eine andere Frage ist ob diese Entwicklung wirklich gut ist. Natürlich sollte und darf jeder nach seiner eigenen Auffassung die Glückseeligkeit suchen dürfen. Dieses jedoch zu einem absoluten Mantra zu erklären und die Heterosexualität fast als eine unnormalen Sache aufzufassen kann jedoch auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Manchmal kommt es mir so vor als ob man sich dafür entschuldigen müsste dass man "normal" ist. Ja, ich schreibe bewusst normal weil die Heterosexualität für mich der Normalfall und die Homosexualität eben nicht normal ist. Das ist keine im Allgemeinen wertende Aussage, aber ein Denkverbot in dieser Richtung darf es doch auch keinesfalls geben. Und es kann ja jeder halten wie er möchte. Von der beständigen Nivellierungswelle insbesondere auch der Presse fühle ich mich jedoch mittlerweile schon fast belästigt. Der Regelfall sollte und muss doch die eheliche Gemeinschaft und der Wunsch nach eigenen und leiblichen Nachkommen sein. Wie soll eine Gesellschaft ansonsten langfristig funktionieren? Nur so kann doch auch eine gewisse Ordnung entstehen welche alles zusammenhält. Wer wenn nicht unsere Nachkommen soll für all den Wohlstand aufkommen welchen wir uns im Alter leisten wollen? Oder wir dürfen uns eben nicht über Migration und Migrantenkinder beschweren welche unsere Gesellschaft dann in Zukunft aufrechterhalten werden. Das wäre auch eine andere Alternative...

  • Nein, eine Heldentat hätte er vollbracht, wenn die überraschende Meldung noch während seiner aktiven Laufbahn erschienen wäre! "Hitz" war kein überragender Spieler, kann aber national und international solche Erfolge nachweisen, dass man ihn einfach kennen muss! Mit Hilfe seiner Freunde von „Zeit-online“ hat dieser
    „Scharfschütze“ kurz vor den "Olympischen Spielen" genau richtigen Zeitpunkt nochmals einen fetten Schuss abgefeuert und sorgte damit in der Öffentlichkeit für mehr Aufsehen als für die nachhaltigsten Aktionen in seiner sportlichen Vergangenheit!
    Mit dem nachträglichen Outen seiner Homosexualität war Hitzelspergers Anliegen, bestimmt sich nicht unbedingt als erster (Ex-) Fußballer dazu bekennen zu wollen und zu äußern, sondern wollte einfach das schon jahrelang selbst miterlebte „Brodeln“ endlich zum Ausbruch bringen.

    Diese Art ist bekanntlich nur eine von verschiedenen sexuellen Orientierungen, die entsprechend ausgelebt werden können und irgendwann auch von allen Bevölkerungsschichten als Normalität Akzeptanz finden, obwohl es Niemanden etwas angeht! Dieser für bis in die Regierungsspitzen verschiedener Länder für Aufsehen sorgende Meldung werden sich garantiert bald noch andere „Gleichgesinnte“ (auch noch Aktive(!) anschließen und zukünftig für völlig andere Szenen in den Stadien sorgen, an die sich die Zuschauer allerdings noch gewöhnen müssen……

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es scheint mir als jemand, der in Grossbritannien lebt, dass die britische Entspanntheit und der humoristische Umgang mit Stereotypen ein Gefuehl der Akzeptanz erzeugt, in welchem ein outing moeglich ist. Man muss allerdings auch auf die "lange" Tradition der gesellschaftlichen Anerkennung von "Homosexuellen" hinweisen, die England bereits in den 70ern begann und intensiv in der Pop-Kultur gewirkt hat.
    Es nimmt also nicht Wunder, dass Hitzlsperger erst jahrelang in England spielen musste, damit ein solches Coming-out moeglich wurde.
    Fuer Deutschland ist das noch in weiter Ferne, wie auch dieser Panorama-Beitrag beweist: Er nimmt nur auf das Ausland Bezug und in einer Weise, die durch die deutsche Sichtweise gepraegt ist. Als Beispiel wurde in England und Frankreich naemlich nicht die Schwulenehe eingefuehrt, sondern die Ehe fuer Schwule und Lesben geoeffnet. Das ist ein spektakulaeres Missverstaendnis, hervorgerufen durch eben diese Sichtweise. Es ist eben keine zivile Partnerschaft oder irgendein Sonderding sondern es ist Ehe - fuer alle.

  • Ich verstehe diesen Hype auch nicht.
    Die übermenschliche Tapferkeit wäre doch gewesen, wenn er sich in der aktiven Spielzeit geoutet hätte, wo er noch mit den anderen Spielern gemeinsam unter der Dusche gestanden hat. Das wäre auch dumm von ihm gewesen sich vorher zu outen.
    Schliesslich wird es ihm nicht ausgesprochen unangenehm gewesen sein, beim Anblick schöner Männerkörper.
    Wenn ich mir aussuchen könnte ob ich mit 10 Männern oder 10 Frauen duschen möchte, hätte ich mich entsprechend meiner sexuellen Veranlagung natürlich für die Frauen entschieden.
    Von darher ist Herr Hitzelperger kein mutiger Held, sondern eher ein stiller Genießer.

  • Hey Pioneer,
    zu deinem Zitat
    [[.. Wenn schon nur unterdurchschnittlicher Fußballer, dann jetzt wenigsten noch mal der ganz große Hype als Schwuler...]

    So unterdurchschnittlich kann er ja nicht gewesen sein (über 50x Nationalmannschaft und 10 Jahre lang in Europas Spitzenliga (Aston, Everton, Rom, Stuttgart, Wolfsburg). Bist wohl neidisch...

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