Reaktionen und mögliche Folgen Bundesliga diskutiert über Phantom-Tor

Nach dem Phantom-Tor von Hoffenheim dreht sich die Diskussion hauptsächlich um ein mögliches Wiederholungsspiel. Doch viele fordern auch endlich technische Unterstützung in der Bundesliga – doch das kann noch dauern.
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Der Ball ist im Tor – doch der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Das Spielgerät suchte sich seinen Weg über das Außennetz ins Gehäuse der Hoffenheimer. Quelle: AFP

Der Ball ist im Tor – doch der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Das Spielgerät suchte sich seinen Weg über das Außennetz ins Gehäuse der Hoffenheimer.

(Foto: AFP)

Zu einem Skandal braucht es im Fußball nicht viele Zutaten. In Hoffenheim reichte ein Riss im Tornetz, um die Fußballrepublik zu empören. Durch eben jenes Loch fiel nämlich ein eigentlich irregulärer Treffer für Leverkusen: Stürmer Stefan Kießling erzielte am Freitag per Kopf durch das Außennetz einen Treffer, der beim 2:1 der Werkself in Sinsheim entscheidend zum Sieg beitrug. Seitdem diskutiert Fußballdeutschland über das Phantom-Tor. Nicht nur die Rechtmäßigkeit des Treffers steht dabei im Fokus, sondern auch Fairplay im Fußball, ein mögliches Wiederholungsspiel – und der Einsatz von Videotechnik.

Die Reaktion aus Hoffenheim auf das Phantom-Tor kam postwendend: Die Mannschaft legte Einspruch gegen das Ergebnis ein und fordert eine Wiederholung des Spiels. Alles andere wäre „ein Witz“, sagte 1899-Trainer Markus Gisdol unmittelbar nach dem Abpfiff. Er berief sich auf den Fall Thomas Helmer. Der Nationalspieler hatte 1994 beim 2:1 des FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg ebenfalls ein Phantom-Tor erzielt. Das Spiel wurde wiederholt, anschließend gewannen die Bayern 5:0 und wurden Meister. Nach diesem Urteil des DFB-Sportgerichts gab es damals heftigen Zoff mit der FIFA.

Die Chancen auf eine Wiederholung sind noch völlig offen. Nach der Bundesliga-Spielordnung sind drei Schritte entscheidend für eine Neuauflage des Spiels: Erstens muss der Einspruch innerhalb zwei Tagen nach der Partie erfolgen. Das ist bereits passiert. Als sachlicher Grund kann etwa ein „Regelverstoß des Schiedsrichters“ angegeben werden, wenn dieser Verstoß die Wertung „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ beeinflusst hat. Im zweiten Schritt entscheidet das Sportgericht in erster Instanz über eine Wiederholung, in der Berufungsinstanz geht der Fall vor das Bundesgericht. Wenn dies eine Neuauflage ansetzt, wird die Entscheidung im dritten Schritt zur „abschließenden Beurteilung“ der FIFA vorgelegt.

Die Meinungen zu einer Wiederholung gehen auseinander. DFB-Vize Rainer Koch räumt einer solchen Entscheidung nur eine winzige Chance ein. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr gering, dass es zu einer Wiederholung komme, sagte Koch in der Montagsausgabe der „Bild“. Er hofft, dass die FIFA eine schnelle Bewertung des Vorfalls abgibt. „Es ist aber wohl so, dass man einen Regelverstoß konstruieren müsste, damit der Einspruch berechtigt ist“, fügte Koch hinzu. Und man wisse aus der Vergangenheit auch, wie sehr die FIFA die Tatsachenentscheidung eines Schiedsrichters schütze, so Koch.

In Hoffenheim sieht man dies naturgemäß anders. „Wenn Schiedsrichter Brych Zweifel hat, muss er weiterlaufen lassen oder seinen Assistenten befragen. Hat er nicht. Ein Regelverstoß“, sagte Hoffenheims Anwalt Markus Schütz der „Bild“.

Auch in Leverkusen erkennen die Verantwortlichen zwar an, dass Kießlings Tor nicht hätte zählen dürfen. Allerdings zieht Bayer daraus andere Schlüsse. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler etwa forderte, nur die letzten 22 Minuten des Spiels zu wiederholen – schließlich habe die Mannschaft von Sami Hyypiä bis zur 70. Minute geführt. Das sei die „fairste Lösung“, so Völler. „Wir haben ganz korrekt 1:0 geführt. Wenn es jetzt ein Wiederholungsspie gibt, gibt es nur einen Gewinner: Das sind die Hoffenheimer.“

Rückendeckung erhielt Völler von Ex-Bayer-Profi Michael Ballack. Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hält Leverkusen ebenfalls für „klar benachteiligt“, wenn das Spiel wieder bei 0:0 beginnen würde.

„Kießling ist eine ehrliche Haut“
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