Sportjahr 2015 Und raus bist du!

Der Fifa-Präsident weg, der Uefa-Präsident weg, der DFB-Präsident weg. Klingt schlimm? ist es aber nicht. Einige gute Gründe, warum das Sportjahr 2015 das größte seit langer Zeit war.
Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v. r. n. l.), Noch-Uefa-Präsident Michel Platini und Noch-Fifa-Präsident Sepp Blatter: Ihre Karrieren als Fußballfunktionäre dürften vorbei sein. Quelle: dpa
Die dreisten Drei

Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v. r. n. l.), Noch-Uefa-Präsident Michel Platini und Noch-Fifa-Präsident Sepp Blatter: Ihre Karrieren als Fußballfunktionäre dürften vorbei sein.

(Foto: dpa)

HamburgEs war ein großes Sportjahr, dieses 2015. Das größte seit Langem. Nicht weil der FC Barcelona die Champions League gewann. Auch nicht weil Serena Williams bei drei Grand Slams siegte oder Usain Bolt dreifacher Weltmeister wurde. Seine wichtigsten Szenen hatte das Sportjahr abseits der Spielfelder und Tartanbahnen.

Dort ging es den Sportmafiosi an den Kragen. Der Fifa-Präsident Sepp Blatter auf Jahre gesperrt, sein Ziehsohn Michel Platini ebenfalls, Franz Beckenbauer als Firlefranz entlarvt. Einer der schönsten Hattricks der Fußballgeschichte. Außerdem: Staatsdoping in Russland aufgedeckt, der Leichtathletik-Präsident abgesetzt, Hamburg hat Olympische Spiele abgelehnt. Ein Traumtor nach dem anderen.

Manche meinen, 2015 habe vor allem gezeigt, wie verkommen der Spitzensport ist. Man kann dieses Jahr aber auch als Zeitenwende deuten. Die Spielregeln haben sich geändert: Schweizer Beamte verhafteten im Morgengrauen Fifa-Funktionäre in ihrem Luxushotel. Die Fifa-Ethikkommission sperrte den eigenen Präsidenten. Journalisten deckten Dopingskandale auf. Der Bundestag beschließt ein strenges Anti-Doping-Gesetz. Bis vor Kurzem alles noch unvorstellbar.

Wen die Fifa-Ethikhüter durchleuchten und abstrafen
Franz Beckenbauer
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Nach der Anklage der Ermittler um den Schweizer Cornel Borbely wird nun das Urteil der rechtsprechenden Kammer erwartet. Beckenbauer musste wie alle Mitglieder, die bei der WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt waren, vor der Ethikkommission aussagen. Dies hatte er zunächst verweigert und war deshalb im Sommer 2014 vorläufig gesperrt worden. Dieser Bann wurde aufgehoben, die Ermittlungen liefen aber weiter.

Franz Beckenbauer
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Um Interessenkonflikte zu vermeiden, wird nicht der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert das zeitnah erwartete Urteil über Beckenbauer fällen. Dem 70-Jährigen droht im Extremfall eine Sperre für alle Fußball-Aktivitäten, es gibt aber Anzeichen für eine mildere Strafe.
Die Vorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland beschäftigen die Ethik-Kommission allerdings noch nicht.

Michel Platini und Sepp Blatter
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Auch nach den 90-Tage-Sperren gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter (rechts) und UEFA-Chef Michel Platini gehen die Ermittlungen in diesem Fall unter Hochdruck weiter. Erstmals bestätigten die Ethikhüter, dass die Untersuchungen im Zusammenhang mit einer Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken von der FIFA an Platini stehen. Die beiden Top-Funktionäre haben gegen die Suspendierung Berufung eingelegt, ihnen droht eine mehrjährige Sperre.

Michel Platini und Sepp Blatter
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Auch angesichts der bevorstehenden Wahl eines Nachfolgers des scheidenden Weltverbands-Präsidenten Blatter (Mitte) am 26. Februar 2016 wird mit schnellen endgültigen Urteilen gerechnet. Rechtzeitig vor der Strafe hatte Platini (rechts) noch seine offizielle Bewerbung eingereicht.

Jérôme Valcke
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Der FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke (rechts) ist ebenfalls für 90 Tage verbannt. Dem Franzosen wird offiziell „der Missbrauch von Geldern und andere Verletzungen gegen die Regeln und Regularien der FIFA“ zur Last gelegt. Gegen Valcke waren Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten laut geworden.

Ángel María Villar Llona
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Wie im Fall Beckenbauer sind auch die Untersuchungen gegen den spanischen FIFA-Vizepräsidenten Ángel María Villar Llona abgeschlossen. In seiner Funktion als Vize der Europäischen Fußball-Union ist er nach dem Bann gegen Platini aktuell ranghöchster UEFA-Funktionär. Villar Llona war zudem erst am Dienstag bei der FIFA zum Vorsitzenden des WM-Organisationskomitee ernannt worden.

Ex-Exkomitglieder
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Die FIFA-Ethikkommission nannte noch weitere sechs frühere Mitglieder der Weltverbands-Regierung, gegen die ermittelt wird. Die früheren Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln, im Bild) und Eugenio Figueredo (Uruguay) waren ebenso wie Nicolas Leoz (Paraguay) nach Ermittlungen durch die US-Justiz vorläufig gesperrt worden.

Zu gut geölt lief die große Sportmaschinerie jahrzehntelang, das System aus Abhängigkeiten und Hinterzimmerdeals. Korrupte, unsportliche Männer in teuren Anzügen haben den Sport verkauft, haben sich gesundgestoßen an der Leidenschaft von Millionen Fans. Ihnen ging es nur um Fünf-Sterne-Hotels, Erste-Klasse-Flüge, Schampus und Macht. Sepp Blatter sagte einmal, er sei der einzige Mensch der Welt, der in jedem Land auftauchen könne und vom Staatschef empfangen werde. Hybris, Habsucht, Heuchelei. So sehr hatte man sich daran gewöhnt, dass fast nur Resignation blieb.

Doch dann kam 2015. Was für einen Unterschied ein Jahr macht. Es sieht so aus, als ob der milliardenschwere Spitzensport gerade Opfer seiner eigenen Größe wird. Und die Sportganoven Opfer ihrer eigenen Gier.

In den vergangenen Jahrzehnten öffnete sich etwa der Fußball neuen Gesellschaftsschichten. In den achtziger Jahren gab man in intellektuellen Kreisen noch etwas kleinlaut zu, zum Fußball zu gehen, diesem Proletensport. Mittlerweile gehört ein Stadionbesuch zum guten Ton. Der Sport wurde gesellschaftlich überhöht, mit Bedeutung aufgepumpt. Spätestens nach der WM 2006 war der Fußball durchfeuilletonisiert.
Plötzlich werden Fragen gestellt

Einige fingen plötzlich an, Fragen zu stellen
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