Sportrechtehändler Infront verkauft Günter Netzer arbeitet nun für Chinesen

Die Wanda-Gruppe übernimmt den Sportrechtevermarkter Infront. Günter Netzer ist dort Geschäftsführer, Sepp Blatters Neffe CEO. Die Schweizer sollen chinesische Bewerbungen für Sport-Großereignisse „aktiv unterstützen“.
Update: 10.02.2015 - 13:17 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Fußballstar ist Geschäftsführer beim Sportrechtevermarkter Infront in der Schweiz. Quelle: Reuters

Der ehemalige Fußballstar ist Geschäftsführer beim Sportrechtevermarkter Infront in der Schweiz.

(Foto: Reuters)

PekingEiner der größten Sportrechtehändler der Welt ist künftig in chinesischer Hand. Die Schweizer Infront Sports & Media, die die Fußball-Weltmeisterschaft und mehrere große Wintersportveranstaltungen vermarktet, gehört künftig Chinas größtem Immobilienkonzern Dalian Wanda, wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten.

Verkäufer ist der europäische Finanzinvestor Bridgepoint, der Infront 2011 für rund 550 Millionen Euro einschließlich Schulden übernommen hatte und nun im Rahmen einer 1,05 Milliarden Euro schweren Transaktion aussteigt. Dalian Wanda kauft 68,2 Prozent der Anteile, drei weitere ungenannte Investoren übernehmen den Rest, wie Reuters aus Kreisen des chinesischen Konzerns erfuhr. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Infront einen Umsatz von 800 Millionen Euro.

Philippe Blatter, CEO des Sportvermarkters Infront, erklärt seine Pläne nach der Wanda-Übernahme. Quelle: AFP
Die sportlichen Ambitionen der Chinesen

Philippe Blatter, CEO des Sportvermarkters Infront, erklärt seine Pläne nach der Wanda-Übernahme.

(Foto: AFP)

Chef von Infront ist Philippe Blatter, ein Neffe des umstrittenen Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa, Sepp Blatter. Zum Top-Management des Rechtehändlers gehört auch der Sport-Kommentator und frühere Profi-Fußballer Günter Netzer. Er ist Executive Director und Mitglied der Geschäftsführung. Die derzeitige Führungsriege soll nach dem Verkauf beibehalten werden.

Das im Schweizer Steuerparadies Zug ansässige Unternehmen vermarktet unter anderem Fernsehrechte der Fifa, der Fußballverbände von Deutschland und Italien, der Clubs Werder Bremen, 1. FC Köln sowie AC Mailand und Inter Mailand. So wird beispielsweise erwartet, dass Infront allein durch die Turniere in Russland und Katar mehrere hundert Millionen Dollar einheimst.

Wanda-Chef Wang Jianlin erklärte, Infront sei „bestens positioniert“, um China bei seinen Bewerbungen für Sport-Großereignisse „aktiv zu unterstützen“. Peking bewirbt sich unter anderem um die Olympischen Winterspiele im Jahr 2022. Zudem trage der Zukauf von Infront dazu bei, die Entwicklung des chinesischen Sports zu fördern, erklärte Wang.

Dalian Wanda betätigt sich im Geschäft mit Gewerbeimmobilien, Unterhaltung und Tourismus, Internethandel und Finanzdienstleistungen. Der Konzern, der auch Chinas größte Kinokette betreibt, will seine Expansion im Ausland vorantreiben und damit seine Umsätze binnen fünf Jahren auf 163 Milliarden Dollar steigern. In der Sportbranche stiegen die Chinesen vor Kurzem bei dem spanischen Fußballclub Atletico Madrid ein.

  • rtr
  • sid
  • afp
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