Testspiel gegen England Löw sieht Niederlage als „gute Lehrstunde“ für die Nationalelf

Der Start ins EM-Jahr missglückt dem Weltmeister. Die verspielte 2:0-Führung ärgert auch den Bundestrainer. Löw verspricht vor der Italien-Kraftprobe eine Analyse – und Thomas Müller erkennt ein Mentalitätsproblem.
„Mit Italien kommt ein wirklich sehr starker Gegner auf uns zu“, so der Bundestrainer. Quelle: dpa
Löw mahnt Vorbereitung an

„Mit Italien kommt ein wirklich sehr starker Gegner auf uns zu“, so der Bundestrainer.

(Foto: dpa)

BerlinDer lehrreiche Fehlstart ins EM-Jahr wurmte auch Joachim Löw. „Man ärgert sich schon“, gestand der Bundestrainer. Aber in ernsthafte Zweifel für die bevorstehende Titelmission bei der Fußball-Europameisterschaft stürzte das unnötige 2:3 nach 2:0-Führung gegen die jungen, wilden englischen Fußballer den Weltmeistercoach nicht. „So eine Niederlage in einem Testspiel ist nicht ganz so schwer zu verkraften. Wir werden das Spiel analysieren, aber auch damit können wir mal leben“, erklärte Löw bemerkenswert gelassen.

Zu analysieren gibt es einiges für den Trainerstab. Überzeugende Lösungen und rasche Verbesserungen sind notwendig, um am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in München gegen Turnier-Angstgegner Italien so kurz vor der Tour de France im Sommer keinen weiteren Stimmungsdämpfer zu erleben. „Gegen Italien kommt ein wirklich sehr starker Gegner auf uns zu“, sagte Löw, bevor er die Mannschaft am Ostersonntag in einen freien Tag entließ. Besserung tut Not. „Für uns ist es schon nochmal wichtig, dass wir in die Vorbereitung gehen können mit einem Sieg. Dementsprechend wollen wir auch auftreten“, betonte Mario Gomez.

Der Torjäger lieferte Löw die positive Erkenntnis des friedlichen Fußballabends im Berliner Olympiastadion. „Er hat wieder das Näschen für Tore“, sagte der Bundestrainer über den 30 Jahre alten Angreifer, der sich als klassischer Neuner mit Nachdruck für eine EM-Hauptrolle empfehlen konnte. Nach dem 1:0 von Toni Kroos (43.) demonstrierte Gomez seine wiederentdeckten Torjäger-Qualitäten mit einem feinen Kopfballtreffer (57.).

Es droht die EM ohne Zuschauer
Die konkrete Bedrohung
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Nach den Terroranschlägen von Brüssel ist das für kommenden Dienstag geplante Test-Länderspiel der belgischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal abgesagt worden. Sicherheitserwägungen hätten zu dieser Vorsichtsmaßnahme geführt, teilte der belgische Verband am Mittwoch mit. Die Stadt Brüssel habe um die Absage des Spiels gebeten. Die Partie sollte ursprünglich in der belgischen Hauptstadt ausgetragen werden, als Spielstätte war das König-Baudouin-Stadion vorgesehen. Es wird immer klarer: Die Sicherheitslage für die Europameisterschaft ist ein kritisches wie dringliches Thema.

Die Ausgangslage
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Frankreichs Behörden wollen jedem Zweifel entgegentreten: Die Fußball-Europameisterschaft findet statt - und es wird alles getan, um Spieler und Fans zu beschützen. Sportminister Patrick Kanner wiederholt wie ein Mantra, dass kein Sportereignis dieser Größenordnung Frankreich jemals so stark geschützt worden sei.

Steht die EM jetzt infrage?
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Die Gastgeber sagen Nein. „Das wäre eine Niederlage, damit würde man den Terroristen einen Sieg geben“, sagte Premierminister Manuel Valls dem Radiosender Europe 1. Frankreich habe mit der UN-Klimakonferenz wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bewiesen, dass es solche Großereignisse stemmen kann. „Wir wiederholen es seit mehreren Monaten, die terroristische Bedrohung war von Anfang an Teil unserer Überlegungen“, erklärte Sport-Staatssekretär Thierry Braillard der Zeitung „L'Équipe“.

Wird es eine EM ohne Zuschauer geben?
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Immer wieder wird darüber gesprochen, ob Spiele notfalls vor leeren Rängen stattfinden könnten. EM-Chef Jacques Lambert hatte Anfang März gesagt, diese Option werde nicht in Erwägung gezogen. Nun fachte UEFA-Vizepräsident Giancarlo Abete die Debatte neu an. „Das Risiko von Partien hinter verschlossenen Türen existiert immer, weil es um einen Wettbewerb geht, der um jeden Preis stattfinden soll“, sagte er nach den Brüsseler Anschlägen dem italienischen Sender Radio 24. „Man kann keine Spiele auf andere Tage verschieben, weil in einem Turnier alles davon abhängt, dass festgelegte Daten eingehalten werden.“ Lambert schloss nun nicht aus, dass solche Szenarien für den Notfall existieren. Er betonte jedoch in einem Interview, dies sei absolut nicht das Ziel - „das wäre eine offenkundige Absurdität“.

Wie ist die Sicherheitslage in Frankreich?
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Das Land steht noch immer unter dem Eindruck der blutigen Terroranschläge des vergangenen Jahres. Die Behörden warnen, die Bedrohung sei noch nie so hoch gewesen. Nach wie vor gilt der Ausnahmezustand, der den Behörden Sonderrechte gibt. Im Alltag zeigt sich die Alarmstufe vor allem durch mehr Polizeipräsenz zum Beispiel in Bahnhöfen, in Paris auch durch die Militärpatrouillen an gefährdeten Orten wie dem Eiffelturm und strengere Kontrollen an öffentlichen Gebäuden - ansonsten herrscht aber Normalität.

Werden die EM-Stadien zur Festung?
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In jedem Fall müssen Fans Geduld mitbringen: Jeder Zuschauer soll durchsucht werden. Die Stadien sollen konsequent abgeriegelt werden, nach einem Bericht von „L'Équipe“ könnten Metalldetektoren und Drohnen genutzt werden. Die Polizei hat demnach Urlaubssperre. Die UEFA will 10 000 private Sicherheitsleute engagieren. Einen Vorgeschmack gab es, wie hier, schon beim Rugby.

Strenge Kontrollen, gelassene Fans
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Das Spiel zwischen Frankreich und Italien im Februar war die erste Sportveranstaltung im Stade de France, seitdem sich am 13. November während des Fußballspiels zwischen Frankreich und Deutschland drei Selbstmordattentäter nahe des Stadions in die Luft gesprengt hatten. Fans sollten frühzeitig zum Stadion kommen, die Zahl der Polizisten wurde verdreifacht, beim Sicherheitsdienst standen statt sonst 750 etwa 900 Mitarbeiter bereit, Spürhunde und Scharfschützen wachten am Stadion.

Danach kam jedoch ein Totaleinbruch der deutschen Mannschaft. Harry Kane (61.), Jamie Vardy (74.) und Eric Dier (90.+1) sorgten für ein rasantes Comeback der Youngster-Truppe von Roy Hodgson. „Dass wir nach einem 0:2 so zurückgekommen sind, zeigt Charakter“, schwärmte Englands Auswahlcoach.

„Bei der EURO bedeutet so ein Spiele die Heimreise“, mahnte Gomez: „Aber ich glaube, dass einer deutschen Mannschaft bei der Euro so ein Spiel nicht passiert.“ Die unerfahrene Abwehr um den für den angeschlagenen Mats Hummels eingewechselten Neuling Jonathan Tah (20) und Antonio Rüdiger (23) bot ein willkommenes Alibi. Auffällig war aber auch, dass gerade etliche etablierte Kräfte wie Thomas Müller oder Marco Reus zu sehr im Sparmodus agierten.

„Heute wurden uns wieder einmal die Augen geöffnet“
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