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Wer stürzt Blatter? Nur TV-Sender können die Fifa lahm legen

Wie ist dem von Korruption durchtriebenen Fifa-System beizukommen? Politik: praktisch ohne Einfluss. Sponsoren: zu zementierte Verträge. Fans: schwer zu vereinen. Bleiben nur die großen Geldgeber der Fifa. Ein Kommentar.
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Die Arbeit von Sepp Blatter ist nur schwer zu kontrollieren – und die der Fifa erst recht. Die neuen Korruptionsvorwürfe stellen Blatters Arbeit einmal mehr in Frage. Sponsoren und Fans sind besorgt, doch die Wiederwahl Blatters ist wahrscheinlich. Quelle: dpa
Sepp Blatter

Die Arbeit von Sepp Blatter ist nur schwer zu kontrollieren – und die der Fifa erst recht. Die neuen Korruptionsvorwürfe stellen Blatters Arbeit einmal mehr in Frage. Sponsoren und Fans sind besorgt, doch die Wiederwahl Blatters ist wahrscheinlich.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Fifa ist korrupt – so viel darf man trotz Unschuldsvermutung voraussetzen. Das System ist durchtrieben von Machterhalt und Geldgier. Und bei der Frage, wie all dem im Sinne des Fußballs beizukommen ist, stößt man schnell an Grenzen. Einen Aufsichtsrat gibt es nicht. Präsident Joseph Blatter kann schalten und walten wie er will – denn selbst nach diesem Skandal dürfte er wiedergewählt werden.

Sponsoren wie Coca-Cola, Adidas und Visa sind durch mehrjährige Verträge an die Fifa gebunden und ohnehin austauschbar. Die Politik hat keinen Einfluss. Und wenn sich die nationalen Verbände einig wären, hätten wir das Problem ja nicht. Und der Fan? Der müsste doch eigentlich die Macht in Händen halten, oder? Doch will man von ihm wirklich erwarten, dass er die Weltmeisterschaft 2018 in Russland boykottiert, also den Fernseher auslässt?

„Blatter wie Osama bin Laden“
Spiegel Online
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Joseph Blatter rauft sich die schüttere Stirn: Mit diesem Bild illustriert Spiegel Online die Analyse des gestrigen Tages. „Für den Fifa-Präsidenten könnte es nach den Festnahmen in Zürich und dem Boykottaufruf der Uefa tatsächlich brenzlig werden“, schreibt der Onlinedienst des Magazins. Das Warten auf seine fünfte Amtszeit habe sich Blatter wohl anders vorgestellt.

(Foto: Screenshot)
Zeit Online
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„Läuft nicht ganz rund“: Süffisant betitelt Zeit Online einen Bericht zum Korruptionsskandal bei der Fifa. Im Artikel heißt es: „Die Fifa verdient immer mehr Geld mit jeder WM. Denn sie hat den Wettbewerb zwischen den Austragenden geschürt.“ Das lade auch zum Missbrauch ein.

(Foto: Screenshot)
Bild
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Auf der Titelseite der Bild-Zeitung prangt in Großbuchstaben der Aufruf an Fifa-Chef Joseph Blatter: „Hau ab!“ Die Fifa liege in Trümmern, aber Blatter tue so, als sei nichts gewesen. „Treten Sie endlich zurück, Herr Blatter“, lautet die unmissverständliche Empfehlung der Zeitung.

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Süddeutsche Zeitung
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Ironisch nimmt der Onlinedienst der Süddeutschen Zeitung den Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio auf die Schippe. Der Fifa-Sprecher hatte am Mittwoch über den Gemütszustand von Präsident Blatter gesagt: „Er tanzt natürlich nicht in seinem Büro.“ Der Zugriff der Justiz hätte für Blatter „nicht ungünstiger kommen können“, meint die Zeitung.

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Neue Zürcher Zeitung
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Die Neue Zürcher Zeitung schreibt am Donnerstag zur Festnahme führender Fifa-Funktionäre:„Auch wenn die Fifa versuchen wird, ihren Kongress am jüngsten Aufruhr vorbeizunavigieren, werden leere Stühle von den Festnahmen zeugen. Die Fifa wird sich um einen ruhigen Kongress bemühen und vermutlich den Präsidenten Joseph Blatter im Amt bestätigten.“ Ihre dunklen Geister werde sie aber so schnell nicht los.

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Blick Online
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„Wildwest im Nobelhotel Baur au Lac. Die Welt schaut auf die Schweiz. Und schüttelt ungläubig den Kopf“, schreibt der Online-Dienst der Schweizer Boulevardzeitung Blick. Der Weltfußballverband werde „durchgeschüttelt wie noch nie in seiner Geschichte“. Wenn die Wahl zum Präsidenten tatsächlich stattfinde, werde Blatter im Amt bestätigt. „Es gibt momentan und in dieser Krisensituation keine überzeugende Alternative“, heißt es in dem Bericht weiter.

(Foto: Screenshot)
The Guardian
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Der britische Guardian kommentiert die Korruptionsermittlungen lakonisch: „Blatter sitzt ganz oben auf diesem dampfenden Haufen von Bestechung. Er mag äußerlich ruhig wirken, aber er ist am Ende. Entweder er geht, oder die Fifa bricht zusammen.“ Ohne grundlegende Erneuerung sei zu bezweifeln, „dass der internationale Fußball und sogar die Fußball-Weltmeisterschaft überleben werden“. 

(Foto: Screenshot)

Doch wer gibt der Fifa eigentlich das meiste Geld? Dass sind die TV-Sender rund um die Welt. 425 Dollar warfen US-Anstalten der Fifa in den Rachen für die Übertragungsrechte an den kommenden Weltmeisterschaften. Hier in Deutschland zahlen ARD und ZDF 218 Millionen Euro für die WM in Russland 2018 und 214 Millionen Euro für den Event in Katar 2022. Sie machen die Fifa reich. Sie hätten seit Jahren als einzige die Macht, Veränderungen zu provozieren.

Doch was passierte tatsächlich? Die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland schlossen den Vertrag mit der Fifa für die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaft in Katar bereits vor gut einem Jahr ab. Das ist zwar verständlich, weil die Rechte extrem begehrt sind. Es wirkt jedoch nun voreilig, weil da noch gar nicht die Ergebnisse des Berichts von Fifa-Chefermittler Michael J. Garcia vorlagen. Der frühere US-Bundesanwalt forschte ja wie noch niemand zuvor nach Beweisen für Korruption im Rahmen der Vergabe der WM nach Russland und Katar. 

Man muss ja nicht gleich Absicht unterstellen. Aber kann man von Anstalten wir ARD und ZDF und dessen Aufsichtsgremien nicht ein wenig mehr Umsicht erwarten? Wo auch damals doch schon jeder wusste, dass der Fluss der Gebührengelder nicht zu kontrollieren ist, wenn sie erst mal bei der Fifa angekommen sind? Die TV-Sender rund um die Welt, aber besonders die öffentlich-rechtlichen wie ARD und ZDF, müssen aufpassen, sich keiner Heuchelei hinzugeben.

So manches erinnert an die Tour de France, als öffentlich wurde, dass praktisch alle Top-Fahrer Doping nehmen. Auch hier taten die übertragenden Sender so, als hätten sie von nichts gewusst. ARD und ZDF transportieren den Fußball zu den Fans. Dafür bekommen sie Gebühren. Es ist ein Riesengeschäft, keine Frage. Und Vertrag ist Vertrag.

Aber wer hätte denn sonst Einfluss, wenn nicht eine geschlossene, länderübergreifende Front von TV-Sendern? Von denen, die der Fifa ihr Geld geben und den Fußball zu den Milliarden Fans bringen.

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