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Wirtschaftsfaktor Bundesliga Am Profifußball hängen 110 000 Jobs

Die Deutsche Fußball Liga lässt sich von McKinsey ihre ökonomische Bedeutung attestieren: Jeder 500. Euro wird mit dem Profifußball erwirtschaftet, 110 000 Jobs hängen an den Ligen.
  • Andreas Schulte
Bringt dem Staat hohe Einnahmen: Der deutsche Profifußball. Quelle: dpa

Bringt dem Staat hohe Einnahmen: Der deutsche Profifußball.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Die Stollenschuhe der Bundesligakicker hinterlassen auch volkswirtschaftlich gesehen einen beträchtlichen Fußabdruck: Mit einer jährlichen Wertschöpfung von 5,1 Mrd. Euro sorge der deutsche Profifußball für 110 000 Jobs, heißt es in der am Dienstag vorgestellten Studie "Wirtschaftsfaktor Fußball". Außerdem leiste der Profifußball jährlich Steuern und Abgaben in Höhe von netto 1,5 Mrd. Euro.

Die Untersuchung wurde von der Unternehmensberatung McKinsey gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) finanziert. "Die Größe der Zahlen hat uns selbst überrascht, wir hatten mit deutlich weniger gerechnet", sagte McKinsey-Studienleiter Thomas Netzer. Für die Analyse nahmen die Berater die Daten der Spielzeit 2007/08 unter die Lupe.

Daraus errechneten sie die Wirtschaftskraft der ersten und zweiten Bundesliga sowie die wirtschaftlichen Verbindungen und Zahlungsströme in andere Branchen und resultierende Beschäftigungseffekte. Berücksichtigt wurden nicht nur direkte und indirekte Geldströme bei Klubs und Zulieferern, sondern auch "induzierte" - etwa wenn sich ein Profi einen neuen Sportwagen kauft.

Immerhin 0,2 Prozent steuerte der Berechnung zufolge der Kick der 36 Topvereine mitsamt aller Effekte zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei. Aus 100 Euro Wertschöpfung im Profifußball entstehen demnach 240 Euro in anderen Branchen.

Besonders die Bekleidungsbranche profitiert - hier sorgt der Fußball für bis zu drei Prozent der Wertschöpfung. Dort hängen auch drei Prozent der Arbeitsplätze allein am Fußball. "Die Klubs dürfen stolz sein auf die Zahlen", kommentierte Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL. Er folgert: "Man sollte an den Rahmenbedingungen des Profifußballs nicht viel ändern."

Rollt der Ball, freut sich der Wirt

Viele der Jobs, die durch den Fußball entstehen, sind jedoch zeitlich befristet. Die insgesamt 110 000 Beschäftigungsverhältnisse entsprechen 70 000 Vollzeitjobs, davon 10 000 in der Gastronomie. Weniger als zehn Prozent aller Arbeitsplätze entfallen auf den Profifußball selbst. Und auch die Millionensaläre der Profis fallen im Durchschnitt kaum noch auf: Das Nettojahreseinkommen eines vom Fußball geschaffenen Jobs liegt im Schnitt bei rund 25 000 Euro.

Auch als Financier öffentlicher Aufgaben macht sich der beliebteste deutsche Sport nützlich: "Egal ob Kommune, Land oder Bund, jeder bekommt vom Fußball mehr, als er gibt", sagte Netzer. Laut Studie fließen 1,7 Mrd. Euro durch Steuern und Abgaben an den Staat. Dem stünden 200 Mio. Euro an Aufwendungen gegenüber, die der Profifußball von der öffentlichen Hand erhält. Allein 150 Mio. Euro davon entfallen auf Polizeieinsätze. Als Basis für diese Zahl dienten Angaben der Polizeigewerkschaft.

Die Zahlen sind auch Nahrung für eine schwelende Diskussion: DFL-Chef Seifert erteilte gut eine Woche vor dem Runden Tisch zum Thema Sicherheit Forderungen nach einer Kostenbeteiligung eine klare Absage: "Es gibt verfassungsrechtlich keine Grundlage dafür, dass wir für Polizeieinsätze zahlen." Zudem entfalle nur ein halbes Prozent aller Polizeieinsatzstunden auf den Fußball. Nach den Ausschreitungen der Fans von Bundesligist Hertha BSC Berlin Mitte März waren erneut Stimmen aus der Politik laut geworden, die eine Kostenbeteiligung der Klubs fordern.

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