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„Wollen Erster werden“ Klinsmänner bereit zur Kür

Die Pflicht ist erfüllt, jetzt kommt die Kür. Nach dem vorzeitigen Einzug ins Halbfinale des Confederations Cups ist die vom größten Druck befreite deutsche Nationalmannschaft heiß auf den Gruppensieg.
Medizin-Talk Quelle: dpa

Oliver Kahn (r) spricht beim Training mit Mannschaftsarzt Müller-Wohlfart.

(Foto: dpa)

dpa KöLN/NüRNBERG. Die Pflicht ist erfüllt, jetzt kommt die Kür. Nach dem vorzeitigen Einzug ins Halbfinale des Confederations Cups ist die vom größten Druck befreite deutsche Nationalmannschaft heiß auf den Gruppensieg.

Das Team freut sich auf die Reifeprüfungen gegen die besten Fußball-Teams der Welt. "Argentinien ist natürlich ein anderes Kaliber. Aber jetzt wollen wir auch versuchen, Erster zu werden", sagte Kapitän Michael Ballack nach dem 3:0 gegen Tunesien.

Jürgen Klinsmann versprach vor der kurzen Flugreise von Köln nach Nürnberg, im Frankenstadion kein B-Team aufzubieten: "Wir werden nicht die halbe Mannschaft auswechseln. Argentinien ist ein Highlight und stellt derzeit vielleicht die Top-Mannschaft in der Welt. Unser Ziel ist es zu gewinnen und Gruppensieger zu werden."

Nach dem energischen Endspurt gegen den Afrika-Meister reicht bereits ein Unentschieden gegen den punktgleichen Titelkandidaten für Platz eins, mit dem die DFB-Auswahl vermutlich einem Halbfinale gegen Brasilien aus dem Weg gehen könnte. Nachdem mit den Pflichtsiegen gegen Australien und Tunesien "die Fesseln gelöst wurden" (Ballack), trauen sich die jungen Klinsmänner gegen die Argentinier mehr zu als vor vier Monaten beim Test in Düsseldorf. "Wir haben damals nur 2:2 gespielt und wollen dieses Mal gegen eine große Mannschaft gewinnen", sagte Kevin Kuranyi angesichts der fast fünfjährigen Sieglosigkeit gegen eine Top-Nation. Ein Freundschaftsspiel schloss Torsten Frings zumindest für den Gastgeber aus: "Wir können es uns nicht erlauben, in Deutschland ein schlechtes Länderspiel zu machen."

"Jetzt kommen die richtig guten Mannschaften, jetzt müssen wir Gas geben", forderte Oliver Kahn, dessen Einsatz wegen Rückenproblemen fraglich ist, obwohl er am Tag nach dem Tunesien-Spiel wieder trainierte. Klinsmann wollte noch nicht verraten, wen er gegen die "Gauchos" ins Tor stellt - Kahn, Jens Lehmann oder sogar Timo Hildebrand. Nur eine Umstellung kündigte er angesichts der Gelb-Sperre von Arne Friedrich an. Rechts hinten wird Patrick Owomoyela oder Andreas Hinkel spielen.

Bis gegen Tunesien das Torfestival los ging, mussten die 44 377 Zuschauer im Rheinenergy-Stadion Geduld aufbringen. Erst nach einem "Abnützungskampf" (Frings) schlug die deutsche Mannschaft in einer mitreißenden Schlussphase durch Michael Ballack (74./Foulelfmeter), Bastian Schweinsteiger (80.) und den eingewechselten Tor-Debütanten Mike Hanke (88.) drei Mal zu. "Der Elfmeter war der Knackpunkt", kommentierte Tunesiens Trainer Roger Lemerre. "Wir haben uns drei Wochen gut vorbereitet, das hat man heute gesehen", hob dagegen Lukas Podolski den Fitness-Aspekt als entscheidend hervor. Der umjubelte Lokalmatador bereitete nach der belebenden Einwechslung von Kevin Kuranyi für den schwachen Gerald Asamoah das 1:0 und 2:0 vor.

Klinsmann nutzte die Fakten - zweiter Sieg, drei Tore, hinten zu Null und konditionelle Überlegenheit - dazu, seiner Irritation über teilweise fehlenden öffentlichen Kredit für sein unerfahrenes Team kund zu tun. Statt Kritik an der Abwehr hätte er sich schon nach dem 4:3 gegen Australien angesichts von "12:4 oder 13:5 Chancen" Lob für den risikofreudigen Stil gewünscht. "Welches Chancenverhältnis hättet Ihr gerne, 4:1 oder 12:4?", fragte Klinsmann die Reporter.

Der Bundestrainer fordert Unterstützung für seine Azubis, die in einem Jahr bei der Weltmeisterschaft den Titel holen sollen. "Den 20- , 21-jährigen Spielern muss man auf die Schulter klopfen. Man muss ihnen helfen", sagte der 40-Jährige, der sein Konzept auch gegen Widerstände durchhalten will: "Wir werden noch einige Auf und Abs erleben, aber wir werden diese kleine Achterbahn mitmachen." Auch Sebastian Deisler ließ er darum 90 Minuten durchspielen, auch wenn dem Münchner bis auf die Flanke zum Hanke-Tor kaum etwas gelang. Das Publikum hätte mit seiner Geduld die "richtige Reaktion" gezeigt, lobte Klinsmann: "Es hat ein Gespür dafür, ob eine Mannschaft nach vorne spielt, sich aufopfert und es verzeiht auch 'mal Fehler."

Am rasantesten verläuft die Berg-und-Talfahrt für die Abwehr-Youngster um den am heftigsten gescholtenen Robert Huth. Der 20- Jährige steigerte sich nach zwei folgenlosen Patzern zu Beginn und genoss die "Huth-Huth"-Rufe der Fans. "Es war einfach toll zu wissen, dass ich nicht allein dastehe", sagte der England-Legionär. Dank des fehlerfreien Lehmann im Tor stand erstmals die Null, was Klinsmanns Defensiv-Abteilung zur verbalen Offensive ermutigte. "Weniger Gegentore geht ja nicht", sagte Verteidiger Thomas Hitzlsperger.

"Für die Abwehrspieler war das ein sehr gutes Erfolgserlebnis", betonte Frings. Mitentscheidend war die veränderte Defensivarbeit im Mittelfeld, wo Kapitän Ballack in der Rückwärtsbewegung an die Seite von Frings rückte und so auf ein klassisches 4-4-2 umgestellt wurde. Die Neuausrichtung ging lange zu Lasten der Offensiv-Leistung, wie Ballack bemerkte: "Wir haben in der ersten Hälfte viel Konzentration auf die Abwehr gelegt, um gut im Raum zu stehen. In der zweiten sind wir mehr Risiko gegangen, haben das Tempo angezogen und gewonnen."

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