Le Mans Das härteste Rennen der Welt macht sich fit für neue Märkte

Für den Auftritt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans investieren Audi und Peugeot viel Geld. In Deutschland jedoch trifft das größte Motorsportevent Frankreichs nur auf wenig Resonanz. Doch die Hersteller haben ohnehin einen anderen Markt in Blick: Die Marke Le Mans soll Mittelpunkt einer eigenen Weltmeisterschaft werden – und in China populär werden.
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Benoît Tréluyer im Audi R18 TDI bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei der 79. Auflage des Klassikers sicherte das Trio Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer den Sieg. Quelle: Reuters

Benoît Tréluyer im Audi R18 TDI bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei der 79. Auflage des Klassikers sicherte das Trio Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer den Sieg.

(Foto: Reuters)

Le MansDie französischen Sicherheitsbeauftragten sind unerbittlich: Nicht einmal Sébastien Loeb darf in Le Mans in die Boxengasse. Weil der amtierende Rallye-Weltmeister keinen feuerfesten Anzug hat, verweisen ihn die Ordner auf die Zuschauerränge. „Die Sicherheitsvorschriften sind halt etwas strenger dieses Jahr“, sagt der wohl prominenteste Rennfahrer Frankreichs, als er sich in der VIP-Loge von Peugeot einfindet. Wie der Rest der rund 250.000 Zuschauer muss er von weitem beim härtesten Rennen der Welt zuschauen, das sich für eine neue Zukunft rüstet.

Dass die 24 Stunden von Le Mans die Sicherheitsstandards verschärfen, hat seinen Grund. Ab nächstem Jahr ist das größte Motorsportevent Frankreichs Mittelpunkt einer neuen Langstrecken-Weltmeisterschaft. Der Veranstalter L'Automobile Club de l'Ouest (ACO) hat sich mit dem Automobil-Weltverband Fia auf eine sechs Rennen umfassende Kooperation geeinigt. Um die Partnerschaft zu besiegeln, durfte Fia-Präsident Jean Todt am vergangenen Samstag in Le Mans sogar den Startschuss geben.

Der WM-Status soll der Vermarktung auf die Sprünge helfen – und in Asien neue Märkte erschließen. Xavier Peugeot, der Marketingchef des Herstellers, macht aus der Strategie keinen Hehl: Es geht um China – wo die Automobilhersteller derzeit das größte Wachstum verzeichnen. „Wir bringen dort jedes Jahr mindestens ein neues Modell auf den Markt“, sagt Peugeot. „Die 24 Stunden von Le Mans sind als renommiertestes Rennen der Welt ideal, um das Image der Marke zu verbessern.“

Schon im vergangenen Jahr veranstaltete der ACO im chinesischen Zhuhai ein Rennen, das erstmals Teil des sogenannten International Le Mans Cup war – ein Vorläufer der WM. Der Sieg von Peugeot sei für die Vermarktung wichtig gewesen, sagt Xavier Peugeot: „Früher lagen unsere Imagewerte in China unter dem Mittelwert, jetzt sind wir bereits darüber.“ Der Sport soll die Marke im oberen Segment weiter etablieren. Als Glückstreffer habe sich das Sponsoring der French Open erwiesen, sagt Peugeot. Fast 100 Millionen Chinesen verfolgten dieses Jahr im Fernsehen, wie mit Li Na erstmals eine Landsfrau das Turnier gewann. Die Bilder, bei denen die Tennisspielerin mit der Siegestrophäe vor dem Eiffelturm posierte, erschienen auf den Titelseiten der großen Zeitschriften – ungewöhnlich für eine Sportart, die im Reich der Mitte früher der Elite vorbehalten war.

Wie die Werksteams in Le Mans investieren

In den Startlöchern: Mike Rockenfeller (Audi) und Stephane Sarrazin (Peugeot) warten in Le Mans, dass die berühmt-berüchtigten 24 Stunden gestartet werden. Ihre Rennställe wollen zukünftig wirtschaftlich durchstarten und investieren hohe Millionenbeträge. Quelle: Reuters

In den Startlöchern: Mike Rockenfeller (Audi) und Stephane Sarrazin (Peugeot) warten in Le Mans, dass die berühmt-berüchtigten 24 Stunden gestartet werden. Ihre Rennställe wollen zukünftig wirtschaftlich durchstarten und investieren hohe Millionenbeträge.

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Auf die gleiche Öffentlichkeit hofft nun der Motorsport – und setzt dabei auf die Marke Le Mans. Dank der Expansion in Asien spielt nun sogar Porsche mit dem Gedanken, nächstes Jahr wieder mit einem Werksteam in der Serie einzusteigen. China ist zum zweitgrößten Absatzmarkt des Herstellers aufgestiegen. 2002 verkaufte Porsche dort 27 Autos – im vergangenen Jahr waren es fast 14.000. Und nichts transportiert das Image besser als die 24 Stunden von Le Mans: Porsche ist hier Rekordsieger, sogar eine Kurve ist nach dem Autohersteller benannt.

Wegen der hohen Kosten tritt derzeit jedoch kein Werksteam mehr an, das um den Gesamtsieg mitfahren könnte. Stattdessen sind reiche Kunden mit getunten Wagen auf der Strecke unterwegs. Porsche selbst ist nur mit 15 Mitarbeitern vor Ort – sie unterstützen mit technischem Rat, einem Ersatzteilservice und bei der Pressearbeit. Um den prestigeträchtigen Gesamtsieg können die Kundenteams nicht mitfahren: Am Ende rangiert der beste Porsche gerade auf Rang 16, zuvor ist er 43 Mal überrundet worden.

Es ändert wenig, dass der AOC eigene Kategorien für die schwächeren Wagen führt und der schnellste Porsche zumindest in der Klasse „GTEPro“ Platz drei erreicht. Die großen Medien interessieren sich nur für den Gesamtsieg – und den trägt in diesem Jahr Audi davon. Es ist der zehnte Sieg der Ingolstädter in den vergangenen zwölf Jahren. Diesmal jedoch reichte es nur knapp: Nach 24 Stunden, während der die Hälfte der 56 gestarteten Autos ausgefallen sind, beträgt der Vorsprung des einzig verbliebenen Audis vor den vier Peugeots nur ganze 13 Sekunden.

Mit den hochgerüsteten Werksteams kann in Le Mans niemand mithalten. Die beiden Autohersteller lassen sich ihr Engagement Schätzungen zufolge zwischen 50 und 100 Millionen Euro kosten – das würde sogar für einen Einstieg in der Formel 1 ausreichen. Audi und Peugeot schlachten ihr Engagement weidlich aus: 1700 Gäste haben die Franzosen eingeladen, rund 1200 die Ingolstädter. Dass Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn und der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler dem Rennen beiwohnen, gilt als selbstverständlich. Die Logos sind allgegenwärtig – nicht nur auf Banden und Werbebannern, sondern auch auf den Shuttles, die Geschäftspartner und Kunden zwischen den Hospitality-Plätzen hin- und hertransportieren. Allein die Betreuung der Gäste koste bis zu zwei Millionen Euro, sagt einer der Organisatoren in der Peugeot-Lounge.

Auch die Zulieferer zeigen ihr Können: Bosch rüstet mehr als die Hälfte der Fahrzeuge aus und schaltet in französischen Zeitungen ganzseitige Anzeigen, auf denen Le-Mans-Rennwagen zu sehen sind. Bernhard Bihr, Geschäftsführer der Bosch Engineering GmbH, traut den Mannschaften der Werksteams zu, innerhalb von einem Jahr auch einen passablen Formel-1-Wagen aufzustellen. „Le Mans ist eines der größten Rennen der Welt“, sagt er. „Und wegen der 24 Stunden Dauer ist es von allen das härteste. Es ist schade, dass die deutschen Medien so wenig davon berichten.“

Das mediale Potenzial des Mythos

In Reih' und Glied: die drei Audi R18 TDI in der Boxengasse. Quelle: Reuters

In Reih' und Glied: die drei Audi R18 TDI in der Boxengasse.

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Tatsächlich ist der Medieneffekt in Deutschland marginal: Obwohl Fahrer und Teams aus der Bundesrepublik regelmäßig gewinnen, zeigt das Fernsehen kaum Interesse. Zwar übertrug in diesem Jahr nicht nur der Spartensender Eurosport, sondern auch Sat 1 zumindest die Höhepunkte des Rennens. Doch wirklich bekannt ist die Veranstaltung vor allem in Frankreich selbst. Hier berichtet das öffentlich-rechtliche Fernsehen seit jeher ausgiebig. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen: Bei guten Ergebnissen könnten die Verkäufe im Inland um fünf bis zehn Prozent im Juni anziehen, sagt Olivier Veyrier, Direktor von Peugeot Frankreich.

Der Mythos Le Mans blickt in Frankreich auf eine lange Tradition zurück: Schon als Kind habe er das Rennen vor dem Fernseher verfolgt, sagt Veyrier, „und dabei gab es damals nur drei Sender“.

Dass in Deutschland sogar das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) auf ein größeres Interesse stoße, verstehe in Frankreich kaum jemand. „Man sagt hier, die DTM sei die einzige Veranstaltung, wo die Zuschauer die Namen der Fahrer kennen, und die Fahrer die Namen der Zuschauer – auch wenn das natürlich nicht der Wahrheit entspricht“, sagt er.

Verstecken braucht sich Le Mans nicht. Die 250.000 Zuschauer in diesem Jahr bedeuten eine Steigerung von rund fünf Prozent zum Vorjahr. Besonders beliebt ist das Rennen bei Motorsportfans aus England – rot-weiße Flaggen finden sich überall an der Rennstrecke. Auch hier spielt die Historie eine Rolle: Fahrer und Hersteller aus Großbritannien mischten in früheren Zeiten kräftig beim 24-Stunden-Rennen mit. Heute dominieren jedoch die Deutschen und Franzosen.

Geht es nach den Fia-Marketingstrategen, wird vielleicht bald auch ein Chinese ein Cockpit steuern. Oder Michael Schumacher kehrt zurück – das würde bei der Vermarktung in Deutschland helfen. Bei einem Auftritt in Le Mans im Jahr 1991 belegte der Kerpener schon einmal den fünften Platz. Doch ein baldiges Comeback ist wenig wahrscheinlich: Schumacher knüpft gerade in der Formel 1 an erfolgreiche Zeiten an: Am Wochenende wurde er beim Großen Preis von Kanada gar Vierter. RTL berichtete in Deutschland live, sieben Millionen Zuschauer schalteten ein. Marketingexperten würden das wohl die bessere Werbeplattform nennen.

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  • Ingmar Höhmann
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2 Kommentare zu "Le Mans: Das härteste Rennen der Welt macht sich fit für neue Märkte"

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  • Das 24-Stunden-Rennen könnte auch in Deutschland größere Resonanz erfahren, nur müßte da mal ARD oder ZDF das Rennen auch übertragen, man könnte dann im Gegenzug einige dieser stink langweiligen Kochsendungen streichen.

  • Schuhmacher wurde 4ter!!!

    dreass

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