Mercedes ohne Plan B Wer kommt nach Rosberg?

Das Formel-1-Team von Mercedes steht vor einem Dilemma: Nach dem Rücktritt von Nico Rosberg gibt es keinen plausiblen Nachfolger für das Cockpit des Weltmeisters. Die meisten Kandidaten sind schon vertraglich gebunden.
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Nico Rosberg tritt ab

WienNach dem unerwarteten Rücktritt von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg steht das Mercedes-Team vor der schwierigen Suche nach einem Nachfolger. „Wir beginnen am Montag, uns das anzuschauen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Warum trifft Rosbergs Entscheidung Mercedes so unvorbereitet?

Rosberg hatte erst im Juli einen neuen Vertrag bis Ende 2018 beim Silberpfeil-Team unterschrieben, für das er bereits seit 2010 fuhr. „Ich bin superhappy, nochmal zwei Jahre in meinem Traumteam zu verlängern“, hatte er damals gesagt. Von den zuletzt immer konkreteren Gedanken an einen Rücktritt im Fall eines Titelgewinns hatte er die Teamspitze nicht informiert. „Er hat uns am falschen Fuß erwischt“, sagte Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda dem Fachmagazin „Auto, Motor und Sport“.

Die Karriere eines verdienten Weltmeisters
Das Renndebüt
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12. März 2006, Sachir, Bahrain. Rosberg (2. v. r.) schafft es als Siebter in die WM-Punkte und fährt die schnellste Rennrunde. Da ist selbst Vater Keke baff: „Die schnellste Runde im ersten Formel-1-Rennen zu schaffen, ist nicht gerade normal.“ Und was sagt der Sohn? „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich gleich am ersten Rennwochenende so sehr freuen kann. Es ist toll.“ Dabei ist der damals 20-Jährige mit seinem Williams in der ersten Runde noch ins Heck des BMW-Sauber von Landsmann Nick Heidfeld (r.) gefahren. „Nach der ersten Kurve dachte ich, es ist gelaufen“, meint Rosberg.

Das Podiumsdebüt
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16. März 2008, Melbourne, Australien. Mit 22 Jahren schafft es Rosberg (r.) erstmals aufs Podest eines Formel-1-Rennens. „Das ist der Wahnsinn, hier oben zu stehen auf dem Podium. Ich freue mich tierisch“, sagt Rosberg. Er wird Dritter. Schneller sind nur der spätere Weltmeister 2008 und jetzige Mercedes-Stallrivale Lewis Hamilton (M.) im McLaren sowie Heidfeld.

Der Wechsel
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Nach vier Jahren bei Williams unterschreibt Rosberg bei Mercedes, Anfang 2010 geht es los. Der deutsche Autobauer stellt nach Jahrzehnten wieder ein Werksteam – und Rosberg ist zunächst der deutsche Starfahrer. Bis zum 23. Dezember 2009. An diesem Tag verkündet Mercedes das Comeback des erfolgreichsten Piloten in der Formel-1-Historie: Michael Schumacher. Jahre später gibt Rosberg zu: „Ein Schock“ sei es gewesen, als ihm mitgeteilt wurde, wer da sein neuer Teamkollege würde.

Das Poledebüt
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14. April 2012, Shanghai, China. Er fährt erstmals den besten Startplatz raus. Nicht Schumacher, sondern Rosberg verschafft auch Mercedes einen historischen Moment mit der ersten Pole seit dem Comeback als Werksteam. Rosberg: „Das ist der absolute Hammer, ein gigantisches Gefühl.“ Die bis dato letzte Pole als Mercedes- Werksfahrer hatte am 11. September 1955 der letztlich fünfmalige Champion Juan Manuel Fangio geholt.

Das Siegdebüt
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15. April 2012, Shanghai, China. Sieg im 111. Rennen seiner Karriere. Rosberg ist 26 Jahre alt und der erste siegreiche Mercedes-Werksfahrer seit dem legendären Fangio in den 50er Jahren. „Ich bin unglaublich happy. Der Hammer“, sagt er nach dem Großen Preis von China.

Neuer Teamkollege
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Ende 2012. Mercedes gibt bekannt: Hamilton wird der neue Teamkollege von Rosberg. Das deutsche Team mit dem Hauptwerk im englischen Brackley holt einen Briten als Nachfolger für Schumacher. Und einen Weltmeister. Auch eine Ansage an Rosberg.

Erste WM-Niederlage
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23. November 2014, Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate. Rosberg führt einen aussichtslosen Kampf. Hamilton gewinnt die WM. „Es ist schwer. Die Enttäuschung sitzt schon tief. Ich muss das jetzt erst einmal verarbeiten“, sagt Rosberg. Technische Probleme an seinem Mercedes machen alle Hoffnungen zunichte. Beachtenswert: Rosberg hätte seinen maladen Wagen auch einfach abstellen können, er will dieses Rennen aber zu Ende bringen. Er will nicht aufgeben, auch wenn nur Rang 14 dabei herausspringt.

Wie schwer wird für Mercedes die Nachfolger-Suche?

Wenn ein Cockpit beim dominierenden Team der vergangenen drei Jahre frei wird, dürfte es eigentlich reihenweise Bewerbungen geben. Aber Anfang Dezember haben viele Fahrer bereits Verträge für die nächste Saison in der Tasche, gerade die Top-Piloten der Branche sind längst für die kommende Saison gebunden. Zudem steht 2017 eine Regelreform an. Das dürfte es Mercedes erschweren, dem noch reichlich unerfahrenen Pascal Wehrlein aus dem eigenen Nachwuchs den Zuschlag zu erteilen. „Wir werden uns jetzt die notwendige Zeit nehmen und alle Varianten prüfen, um dann den richtigen Weg für die Zukunft einzuschlagen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Wer sind mögliche Kandidaten für das Rosberg-Cockpit?

Pascal Wehrlein wäre die einfachste Lösung. Nach einer ordentlichen Debütsaison bei Manor ist die Zukunft des Mercedes-Youngsters noch ungeklärt. Spekuliert wird auch, dass Routinier Fernando Alonso nach zwei frustrierenden Jahren bei McLaren ein Angebot von Mercedes nicht ausschlagen würde. Ob der zweimalige Weltmeister aber die Freigabe von McLaren erhalten würde, ist fraglich. Auch mit Ferrari, Red Bull oder Williams müsste Mercedes hart verhandeln, wenn Sebastian Vettel, Max Verstappen oder Valtteri Bottas auf Rosberg folgen sollen. Weitere Alternativen wären die Veteranen Jenson Button und Felipe Massa, die gerade erst zurückgetreten sind, aber mit der Aussicht auf Siege vielleicht ein schnelles Comeback prüfen würden. Es gebe „keinen Plan B“ für einen solchen Fall, sagte Wolff.

Welche Rolle spielt Mercedes-Superstar Lewis Hamilton bei der Entscheidung?

Hamilton versichert, er werde keinen Einfluss auf die Entscheidung über seinen neuen Teamkollegen nehmen. „Ich erwarte nur, dass wir die gleichen Rechte haben. So lange wir fair behandelt, ist es egal, wer neben dir fährt“, sagte der Brite. Eine Präferenz wollte der 31-Jährige nicht äußern. „Ich habe nie einen Teamkollegen gebraucht, um mich anzutreiben. Je besser der Fahrer, umso besser ist es, wenn ich vor ihm ins Ziel komme“, sagte der dreimalige Weltmeister.

Das Verhältnis zum früheren Kartkumpel Rosberg war zuletzt vergiftet. Die Teamspitze dürfte darauf bedacht sein, eine solche Situation künftig zu vermeiden. Das könnte gegen Alonso sprechen, mit dem sich Hamilton einst ein bitterböses Duell bei McLaren lieferte, das 2007 beide den Titel kostete.

  • dpa
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