US-Wüstenrennserie Die Wüste bebt

Mit modernster High-Tech und Leichtbauweise rollt das AGM-Team um den deutschen Rallye-Profi Armin Schwarz seit Jahren die US-Offroadszene auf. Jetzt beginnt die Jagd auf die Königsklasse, die Trophy-Trucks.
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Mit Leichtbau gegen die Schwergewichte
Fertigmachen für den Höllentrip. Sicherheit wird beim Offroad-Rennen groß geschrieben, es kommr immer wieder zu schweren Unfällen.
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Fertigmachen für den Höllentrip. Sicherheit wird beim Offroad-Rennen groß geschrieben, es kommt immer wieder zu schweren Unfällen.

Von links: Martin Christensen, Armin Schwarz, Axel Postinett
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Von links: Martin Christensen, Rennenthusiast, Chef des AGM-Racingteams und Chef des größten herstellerunabhängigen Autohändlers für deutsche Marken in Kalifornien. Mitte: Armin Schwarz, Ex-Rallye-Europameister aus Bayern. Rechts: Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett.

Mit Full-Speed durch die Wüste. Der AGM Trophy Truck bringt 725 PS auf den Sand und 760 Newtonmeter Drehmoment. Mit gut zwei Tonnen Gesamtgewicht ist der Leichtbautruck deutlich leichter als die Konkurrenz.
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Mit Full-Speed durch die Wüste. Der AGM Trophy Truck bringt 725 PS auf den Sand und 760 Newtonmeter Drehmoment. Mit gut zwei Tonnen Gesamtgewicht ist der Leichtbautruck deutlich leichter als die Konkurrenz.

Der Sandkasten für Erwachsene: Rau, unwirtlich und fast grenzenlos. Die Wüste bei Las Vegas, ein ideales Testfeld, für Offroad-Renner.
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Der Sandkasten für Erwachsene: Rau, unwirtlich und fast grenzenlos. Die Wüste bei Las Vegas, ein ideales Testfeld für Offroad-Renner.

Breitgeklopfter BMW X6? Optisch nimmt der AGM Jimco X6 Trophy Truck deutliche Anleihen bei dem Vorbild aus Bayern. Aber im Inneren des Monster-Renners ist von BMW-Technik nichts zu finden.
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Breitgeklopfter BMW X6? Optisch nimmt der AGM Jimco X6 Trophy Truck deutliche Anleihen bei dem Vorbild aus Bayern. Aber im Inneren des Monster-Renners ist von BMW-Technik nichts zu finden.

Noch lacht er: Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett vor dem ersten Ausritt mit der Höllenmaschine an der Seite von Rallye-Profi Armin Schwarz in die Wüste von Nevada.
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Noch lacht er: Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett vor dem ersten Ausritt mit der Höllenmaschine an der Seite von Rallye-Profi Armin Schwarz in die Wüste von Nevada.

Schrecksekunde: Plötzlicher Abfall des Öldrucks im Danzio-V8. Die AGM-Techniker grübeln, was das Problem sein könnte. Im Rennen darf das nicht wieder passieren.
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Schrecksekunde: Plötzlicher Abfall des Öldrucks im Danzio-V8. Die AGM-Techniker grübeln, was das Problem sein könnte. Im Rennen darf das nicht wieder passieren.

Las VegasDie Straße ist längst zu einem staubigen Feldweg verkommen, von Schlaglöchern übersäht, die Stadt ist weit weg und Mobilfunkempfang gibt es schon lange nicht mehr. Trotz der strahlenden Sonne ist es beißend kalt an diesem Morgen in der Wüste von Nevada. Schuld ist der eisige Wind, der von den kahlen Berghängen über die endlose sandige Geröllsteppe pfeift.  Ab und zu trägt er das leise Geräusch eines trockenen „Tack-Tack-Tack“ herüber, das von einer Gruppe Pick-Ups rund hundert Meter entfernt kommt. Ein paar Waffennarren jagen aus ihren vollautomatischen Schnellfeuergewehren eine Salve nach der anderen in die menschenleere Einöde und bauen noch Maschinengewehr und Grill auf. Welcome to America - Es ist Wochenende in Las Vegas.

Plötzlich zerreißt ein infernalisches Brüllen die Stille rund dreißig Kilometer außerhalb der Spielerstadt. Kaum belastet von unnötigen Schalldämpfern erwacht der 725 PS starke V8-Motor des schwarzen AGM-Jimco X6 SCORE Trophy-Trucks zum Leben. Armin Schwarz, früherer Rallye-Europameister und langjähriger Werksfahrer, nutzt mit dem Team von All German Motor (AGM) des Dänen Martin Christensen die Abgeschiedenheit, um an dem Offroad-Renner letzte Abstimmungsarbeiten vorzunehmen. Am Samstag (14. Januar) startet in Laughlin die Desert Challenge, das erste Rennen des Jahres der US-Weltmeisterschaftsserie SCORE (Southern California Off Road Experience). Es wird der erste richtige Einsatz des amerikanischen Boliden mit teutonischem Einschlag. Und die Konkurrenz schaut aufmerksam zu. In den Jahren zuvor hatten sich AGM und Schwarz zur allgemeinen Überraschung mit ihrem Klasse1-Buggy von Null in die Top-Liga der Meisterschaftsserie katapultiert. 2010 holte der mit 600 PS „untermotorisierte“ Wüstenkäfer in der San Felipe 250 sogar den Gesamtsieg noch vor dem besten Trophy-Monstertruck, die eigentlich mit ihren bis zu 800 PS weit überlegen sein sollten.

Der AGM-Truck mit dem grobstolligen Reifen im Lastwagenformat sieht aus wie ein aufgeblasener und breitgeklopfter BMW X6 SUV und das ist kein Zufall. Durch die Anlehnung an den beliebten BMW-Luxusgeländewagen will sich das Team schon optisch von den traditionellen Trophy-Trucks amerikanischer Bauweise abheben. Die empfinden die klassischen Pick-Up-Trucks der großen US-Hersteller nach, massive Rohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl, Federwege von 760 mm und mehr sind Standard, ohne V8-Maschine und weniger als 700 PS braucht ein Fahrer heute gar nicht mehr anzutreten, die Top-Teams knacken die 800er-Marke. Die US-Rennställe setzen überwiegend auf Höchstgeschwindigkeit und lange Radstände, um auf den endlosen Geraden vieler Wüstenkurse mit langen Bodenwellen das Optimum herauszuholen. Dann liegen die schweren Trucks wie ein Brett auf der Piste.

Das deutsch-amerikanische Team hält mit Rallye-Erfahrung und extremem Leichtbau dagegen. „Unser Truck ist bis zu eine Tonne leichter als der Schnitt der US-Konkurrenz“, sagt Schwarz. Er ist wesentlich agiler mit seinen zwei Tonnen Gesamtgewicht und das sollte zusammen mit 340 Litern Sprit und etwas weniger Verbrauch fehlende PS und geringere Höchstgeschwindigkeit auf langen Geraden zu den Top-Teams ausgleichen.

Aber Zahlen und Fakten sind das eine. Da kann man kann viel schreiben und stundenlang fachsimpeln oder Videos anschauen. Erleben ist das andere. Der Mittel-Frontmotor des AGM-Trucks strahlt seine Hitze erbarmungslos in das Cockpit des Chassis aus Gitterrohrrahmen. Die Hosenträgergurt lassen kaum Luft zum Atmen, sie fixieren den Körper wie mit Stahlbändern im ergonomisch geformten Schalensitz. Alles andere wäre Selbstmord. Den Kopf schützt ein schwerer Integralhelm mit eingebautem Mikrophon – normale Kommunikation ist zum Fahrer nur im Stand möglich.

Mit 100 km/h durch knietiefe Schlaglöcher
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