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Nach WM-Aus Joachim Löw lässt seine Zukunft offen – ist ein Neuanfang noch möglich?

Lange Zeit war Bundestrainer Joachim Löw unanfechtbar. Doch auch er weiß, dass das Aus bei der WM in Russland Konsequenzen haben muss.
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Der Bundestrainer gibt zu, dass auch er Fehler gemacht hat. Quelle: dpa
Joachim Löw

Der Bundestrainer gibt zu, dass auch er Fehler gemacht hat.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Bis jetzt lebte Joachim Löw sehr gut im Paradies. Ein paar Mal im Jahr tauchte er in der Öffentlichkeit auf, spielte mit der deutschen Nationalelf gegen mehr oder weniger erfolgreiche Konkurrenten. Und siegte fast immer. Danach verschwand er wieder, früher in den Schwarzwald, mittlerweile häufiger auch nach Berlin.

Große Probleme? Gab es kaum. Nachwuchssorgen? Hatte er nicht. Seine Reputation? Stieg unaufhörlich.

Es war eigentlich auch egal, welche Spieler Löw zu seinen Tests oder Turnieren einlud – sie waren alle hochbegabt, sehr gut ausgebildet. Sie sind mit dem sportlichen Erfolg aufgewachsen, sind ihn gewöhnt. Für viele gehörte ein Champions-League-Finale zum jährlichen Pflichtprogramm, 2016 standen sie im Halbfinale der Europameisterschaft, 2014 gewannen 2014 den Weltmeistertitel. Mehr geht nicht.

Weniger aber auch nicht.

Löw und seine Mannschaft sind am Mittwoch Abend kurzerhand aus dem Paradies vertrieben worden. Sie sind bei der WM in Russland in der Vorrunde ausgeschieden. Vier Jahre nach dem größten Triumph in ihrer Karriere folgte die größte Niederlage.

Vor allem für den Trainer. Löw, 58 Jahre alt, weiß noch nicht, ob er nach diesem historischen Debakel zurück treten wird. „Jetzt brauchen wir Zeit und ein paar Gespräche, dann werden wir klare Antworten geben“, sagte Löw am Donnerstag bei der Rückkehr der Mannschaft in Frankfurt.
Doch wie könnte ein Neuanfang mit Löw aussehen? Der Mann, der bis vor zwei Tagen der Heilsbringer des deutschen Fußballs war, ist mit Weltklasse-Spielern grandios gescheitert. Mit einer Mannschaft, aus der viele Spieler 2017 noch den Confed-Cup, quasi die WM-Generalprobe, gewann. Und keiner weiß so recht, warum.

Löw gab nach dem Abpfiff zu, dass der „Mannschaft die Leichtigkeit, die spielerische Qualität, die Dynamik gefehlt hat“. Und zwar nicht nur bei der Niederlage gegen Südkorea. Von „Selbstherrlichkeit“ war die Rede, die auch ihn selbst betreffe. Am Donnerstag klang er schon positiver, von „klaren Veränderungen“ war da die Rede, von Neuanfang, davon, dass er sich selbst hinterfragen müsse.

Dabei gab es schon vor dem Turnier ausreichend negative Vorzeichen: Die schlechten Ergebnisse in der Vorbereitung gehörten da ebenso dazu wie Verletzungspech, Formschwächen, aber auch die mangelhafte Aufarbeitung der peinlichen Özil-Gündogan-Erdogan-Affäre.

Löw ist seit 2006 Bundestrainer. Er hat mit seiner ruhigen und sachlichen Art – und zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff – den deutschen Fußball umgekrempelt, ihn weiter entwickelt, aus Individuen ein Team geformt. Er hat „die Mannschaft“ zu einer Marke gemacht.

Löw: „Wir brauchen jetzt etwas Zeit“

Mit einer Strahlkraft bis ganz nach oben. Löw trifft sich gerne mit Kanzlerin Angela Merkel, sie essen dann Cordon bleu zusammen, mit Bratkartoffeln. Joachim Löw, der „Bundes-Jogi“, ein Visionär, der die Massen eint. Bei seiner ersten Vertragsverlängerung gab es noch Diskussionen beim DFB. Es ging ums Gehalt, um Einfluss und Macht, es war auch ein Gerangel um Kompetenzen.

Danach zweifelte keiner mehr. Erst kurz vor der WM sprach der DFB Löw erneut sein Vertrauen aus, der Vertrag läuft bis zur WM 2022 in Katar. Löw, der als Fußballer zwar in der 1. Bundesliga spielte, aber kein einziges A-Länderspiel bestritt, soll der am längsten amtierende Bundestrainer werden. So wünscht es sich der DFB.

Zweifel an der Person Löw waren nicht erlaubt. Bis jetzt. In nur 70 Tagen beginnt in München mit dem Spiel gegen Frankreich der nächste Wettbewerb, die neue Nationenliga. Ob Löw dann noch an der Seitenlinie stehen wird, ist noch nicht entschieden.

Der Weg zurück ins Paradies wird nicht einfach.

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