Olympia in Sotschi Die Welt zu Gast bei Feinden

Korruption, Kostenexplosion, Diskriminierungen – die Olympischen Winterspiele stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Russlands Präsident Putin kann es egal sein – er profitiert von dem Großereignis wie kein Politiker vor ihm.
41 Kommentare
Russlands Präsident Wladimir Putin im Skigebiet Krasnaya Polyana bei Sotschi. Quelle: AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin im Skigebiet Krasnaya Polyana bei Sotschi.

DüsseldorfAuf der Fahrt in einem Geländewagen will Wladimir Putin die Idee gehabt haben. Er war noch jung im Amt des Präsidenten und kurvte durch die Schwarzmeerregion. Dann der Einfall: Russlands erste Olympische Winterspiele, im schönen Sotschi direkt am Meer, Pisten mit Blick auf den Palmenstrand, das wär's doch. Und so reifte vor mehr als zehn Jahren der Entschluss, von Sotschi aus ein neues Russland aufzubauen. „Es ist besonders schön zu sehen, was hier passiert, weil ich den Ort selbst gewählt habe“, sagte Putin, als er die Geschichte nun in einem Beitrag des Staatsfernsehsenders Rossija erzählte.

In vier Tagen beginnt ein Sportspektakel der Superlative: Rund 2800 Athleten kämpfen vom 7. bis 23. Februar um Gold, Silber und Bronze, so viele wie nie zuvor. 98 Medaillen-Entscheidungen stehen an, mehr als je zuvor. 37,5 Milliarden Euro stecken in Sportanlagen, Infrastruktur und neuen Luxushotels, so viel wie noch nie. Und noch ein Rekord fehlt in der Aufzählung der Veranstalter nie: Rund 50 Staats- und Regierungschefs werden während der Spiele in Sotschi erwartet – mehr als in Vancouver und 2006 in Turin, wie die Regierung betont.

Das ist ganz nach Putins Geschmack. Nicht von ungefähr betont er regelmäßig, dass die Olympischen Spiele kein „Wettkampf der Politiker“ sei. Diese Ansicht vertritt auch das Internationale Olympische Komitee. IOC-Präsident Thomas Bach versucht jedenfalls eine Grenze zu ziehen zwischen den nationalen Belangen Russlands und der Mission von Olympia. Von Putin-Spielen könne keine Rede sein. „Es sind Olympische Spiele in Russland“, sagte Bach in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Man dürfe nicht den Fehler machen, „die politische Meinung über ein Land auf die Spiele zu übertragen.“ Der Sport dürfe nicht als Knüppel der Politik missbraucht werden.

„Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden.“

Doch die Dauerkritik der vergangenen Wochen in den vornehmlich westlichen Medien an den Hochglanzspielen von Sotschi hat Spuren hinterlassen: Die Berichte handeln von Korruption, ausgebeuteten Wanderarbeitern, Umweltzerstörung, der Diskriminierung von Homosexuellen, einem Demonstrationsverbot, das mittlerweile wieder aufgeweicht wurde. Die Angst vor Terroranschlägen und die enormen Sicherheitsvorkehrungen werden häufiger thematisiert als die Schwierigkeiten der Abfahrtsstrecke oder die Schönheit der Schwarzmeerregion. Konsequenz: Sportler sind verunsichert, Politiker sagen ihre Besuche ab.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Putins erstklassige PR-Abteilung
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Olympia in Sotschi - Die Welt zu Gast bei Feinden

41 Kommentare zu "Olympia in Sotschi: Die Welt zu Gast bei Feinden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • HB

    Wenn man keine Argumente hat, bedient man sich der Löschkeule....?

    Lachnummer !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Medien-Lügenpropaganda muss unbedingt ein Feindbild aufbauen:
    Putin = der Böse (das "Monster" > siehe heute im der Welt)
    Obama = der Gute
    Warum das so ist, habe ich Ihnen neulich bei dem Beitrag zu der "Flucht der Türken in den Dollar" geantwortet: das betrügerische zerstörerische Schuldgeldsystem mit dem USD als LEIDwährung, das das US-Imperium am Leben hält, darf nicht in den Focus der Öffentlichkeit geraten - aus tatsächlich böse wird gut.
    Nichts anderes als ein perfider Trick, auf den allerdings die Meisten hereinfallen - hoffentlich wenigstens Sie nicht mehr...


  • Also:
    1. Ganz kurz: was Korruption, hier insbesondere Steuergeldverschwendung, anbelangt, so sollte die EU mal ganz fix ihre Klappe halten! Sonst wird es sehr schnell peinlich!

    2. Es gibt kein Anti-Schwulen Gesetz in Russland. Es gibt ein Gesetz, dass "Homosexuelle Propaganda" in Anwesenheit von Minderjährigen unter Strafe stellt. Das ist gewiss keine Errungenschaft in Sachen Toleranz, aber nunmal Gesetz in diesem Land. Das deckt sich aber anscheinend mit dem Empfinden des Großteils der dortigen Bevölkerung. Klar kann man das schlimm finden. Das Frauen in bestimmten archaischen Kulturkreisen einem bestimmten Dresscode verpflichtet sind, finde ich auch schlimm. Muss ich mir trotzdem fast jeden Tag auf den Straßen hier antun. Zudem war das hier bei uns bezüglich Homosexueller vor wenigen Jahrzehnten auch nicht viel was anders. Die Äußerung "Ich bin schwul und das ist gut so", wären hier zu Lande im Jahre 1960 sicher die mutigsten, aber auch bestimmt die letzten Worte eines Bürgermeisters in seinem Amt gewesen. Ist jetzt nicht so, dass in Westeuropa die Gleichberechtigung für Homos bereits in die Magna Carta nieder geschrieben wurde.



  • Ja, jetzt fehlt nur noch der Spruch mit der lupenreinen Demokratie.

    Ich halte den Spruch von Schröder auch nicht für gekonnt, aber der, der Deutschland für einen Rechtsstaat hält, der sollte einmal kritisch nachfragen. Schnell erfährt er Beispiele, dass es damit nicht so weit her ist.

    Man ist geneigt, gleich auf den Fall Mollath zu kommen. Aber das ist nur der Fall, der so drastisch und bekannt wurde.

    Schauen Sie sich nur einmal an wie schwer sich unser Rechtsstaat tut, erfahrenes Unrecht wieder "gerade zu ziehen".

    Wenn man nichts genaues weiß, sollte man schweigen. Das ist man denjenigen gegenüber schuldig, denen seitens unseres "Rechtsstaates" böses widerfahren ist.

  • Niveau der Boulevardzeitung. Ich erwarte von HB sachliche Betrachtung und nicht provokative Unterstellung! Echt Schade, dass über Russland immer nur geschimpft wird. Nicht ein mal habe ich in den letzten Monaten über mein Heimatland eine positive Berichterstattung gelesen. Für mich fast beleidigender Titel, von Artikel ganz zu schweigen.

  • Gib uns täglich unser Russland-Bashing!
    Dabei ist die EU selbst ein korruptes Land. Da hilft auch nicht die tägliche Ablenkung.
    Bitte, berichtet nicht über die olympischen Spiele, das wäre dann sehr verlogen.

  • Die bösen Russen, die bösen Promis, die bösen "Unter-Nehmer", die bösen Reichen, die bösen Männer, die bösen Geländewagenfahrer. Liebe Handelsblatt-Schreiberlinge, jeder 70er Jodelschinken ist mit weniger Klischees ausgekommen. By the way: Kennt jemand eine gute Zeitung?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%