Olympia 2016 Ryan Lochte erzürnt Brasilien mit Lügen

Michael Phelps trat als großer Held von der Olympia-Bühne ab, der Rio-Abschied von Ryan Lochte geriet aus dem Ruder. Die Party-Tour mit den Staffelkollegen beschäftigt die Behörden. Nun kommt heraus: Alles nur erfunden.

Ryan Lochte und Co. sollen sich Überfall ausgedacht haben

Rio de JaneiroVon den olympischen Wettbewerben verabschiedete sich Ryan Lochte eher still, die letzten Stunden des US-Schwimmstars in Rio dagegen sorgen für mächtig Wirbel. Es geht um eine Nacht im Herzen der brasilianischen Metropole, Lochte berichtete von einem Überfall mit Waffeneinsatz. Alles erfunden, sagt Rios Polizei - und der US-Verband muss das Stunden später im Wesentlichen zugeben und sich hochnotpeinlich bei den Gastgebern entschuldigen.

Sicher ist: So hatte sich der sechsmalige Olympiasieger Lochte sein vermutliches Ende auf der ganz großen Bühne bestimmt nicht vorgestellt. Sechsmal gewann er bei vier verschiedenen Olympischen Spielen Gold. Insgesamt weist seine Vita zwölf olympische Plaketten auf. Mit 39 WM-Titeln auf Kurz- und Langbahn liegt er sogar weit vor Michael Phelps (27), der allerdings Kurzbahn-Wettkämpfe fast immer ausließ. In so ziemlich jeder Schwimm-Nation wäre Lochte damit der größte Star; vielleicht wäre er es zu einer anderen Zeit sogar in den USA gewesen. Aber seine Generation hatte eben diesen Michael Phelps.

„Wir schwimmen seit 2004 gegeneinander, haben eine gute Rivalität und eine gute Freundschaft entwickelt“, sagte Lochte während der Wettkämpfe im Olympic Aquatics Stadium, bei denen er einmal Gold gewann. Auffällig war Lochte dort mit seiner demonstrativen Gelassenheit und den durch das Chlorwasser von grün-blau nach grau gefärbten Haaren - letzteres diesmal als Accessoire anstelle von Brillanten-Deko im Mund.

Salto ins Segler-Glück
Vor dem Triple-Triple
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Teil zwei der Rio-Show von Usain Bolt. Der Jamaikaner gewann souverän auch über 200 Meter - sein zweites Gold nach seinem Erfolg über 100 Meter. Noch ein Sieg, und er hat sein großes Ziel erreicht: bei drei aufeinanderfolgende Olympischen Spielen jeweils dreimal Gold zu holen - das Triple-Triple.

In der Weltklasse angekommen
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Die deutschen Leichtathleten blieben hingegen erneut ohne Medaillen. Zehnkämpfer Kai Kazmirek kam Edelmetall noch am nächsten und erzielte als Vierter mit 8580 Punkten immerhin persönliche Bestleistung. Der amerikanische Weltrekordler Ashton Eaton wiederholte mit 8893 Punkten seinen Erfolg von 2012 und stellte den olympischen Rekord ein.

Enttäuschtes Trio
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Die deutschen Speerwerferinnen hatten mit der Medaillenvergabe nichts zu tun. Die frühere Weltmeisterin Christina Obergföll war als Achte mit 62,92 Metern noch Beste des viel höher eingeschätzten deutschen Trios. Linda Stahl wurde Elfte, Christin Hussong Zwölfte. Gold gewann die Kroatin Sara Kolak mit 66,18 Metern.

Ein Abend zum vergessen
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Auch der ehemalige Weltmeister David Storl enttäuschte als Siebter mit der Kugel. Mit 20,64 Metern lag er fast zwei Meter hinter dem neuen Olympiasieger Ryan Crouser. Der Amerikaner gewann mit 22,52 Metern und olympischem Rekord.

Deutschland-Bezwinger siegt
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Argentiniens Herren sind erstmals Olympiasieger. Der Panamerika-Meister setzte sich im Finale mit 4:2 gegen Belgien durch.

Gold mit Ansage
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Die deutsche Ausbeute des 13. Rio-Tages: Die Kanuten lieferten erneut Gold. Im Kajak-Zweier über 1000 Meter siegten Max Rendschmidt (l.) und Marcus Groß - fast schon erwartungsgemäß.

Bronze-Salto
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Nach acht Jahren durften auch die Segler wieder einmal jubeln. Die 49er-Crew Erik Heil (l.) und Thomas Plößel (r.) sicherte sich Bronze – und jubelte auf, nun ja, ungewöhnliche Weise.

In Rio musste sich Lochte - wie eigentlich immer - beim einzigen Einzelstart über 200 Meter Lagen als Fünfter dem Olympiasieger Phelps geschlagen geben. Nur einmal konnte Lochte den Rekordchampion bei einem großen Wettkampf überhaupt bezwingen: 2011 bei den Weltmeisterschaften in Shanghai verwies er Phelps über 200 Meter Lagen in Weltrekordzeit auf Rang zwei.

Auch in Phelps' Karriere gibt es genug Eskapaden, alleine zweimal wurde der 23-malige Olympiasieger wegen einer Fahrt unter Alkoholeinfluss zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Doch nun bestimmt die Party-Nacht von Lochte mit den Staffel-Olympiasiegern Jack Conger, Gunnar Bentz und Jimmy Feigen die Schlagzeilen.

Die Affäre wird nicht ohne Folgen bleiben, der US-Verband will über Strafen entscheiden. Conger und Bentz wurden sogar vor der geplanten Abreise noch aus dem Flieger geholt, um vor den Behörden in Rio auszusagen. Erst danach durften sie Brasilien verlassen. Lochte war da schon in der Heimat.

Die brasilianische Polizei will nun das FBI um Mithilfe bitten, um weitere Informationen von Lochte zu bekommen. Zwar äußerte Rio-Sprecher Mario Andrada Verständnis für die „Burschen“ und deren Party-Nacht. Aber diesen Ärger um Sicherheit und Gewalt im Zeitraum der Spiele hätten sich die Organisatoren gerne erspart.

Der Fall dürfte die Beteiligten noch weiter beschäftigen. Und auch Lochte kann mit Rio noch nicht abschließen. Erst einmal müsse er körperlich und mental nach den Spielen etwas runterfahren, sagte der 32-Jährige. Er ließ seine weitere Karriereplanung offen. „Ich kann nicht sagen, dass es vorbei ist“, sagte der lässige Leistungssportler. „Aber es sind eine Menge Sachen, die ich in den nächsten vier Jahren ändern muss, wenn ich in den Sport zurückkommen will.“ Erst einmal hat er aber eine ganze Menge Ärger am Hals.

  • dpa
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