Rio 2016 Fabian Hambüchen erkämpft Gold am Reck

Zum vierten Mal stand Fabian Hambüchen in einem olympischen Reck-Finale. Nun gelang dem Hessen in den letzten 45 Sekunden seiner Erfolgs-Karriere die Krönung: Olympiasieg in Rio.

Der perfekte Tag: Hambüchen erturnt Gold

Rio de JaneiroErst entlud sich die ganze Anspannung in einem gewaltigen Urschrei, dann stieß Fabian Hambüchen die rechte Faust in der Luft. Der deutsche Ausnahme-Turner hat seine große Karriere am Dienstag mit der Goldmedaille am Reck bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gekrönt. Als Erster ging er in seinem letzten internationalen Wettkampf ans Gerät und setzte der Konkurrenz nach perfekter Show mit 15,766 Punkten eine Note vor, die von keinem Rivalen mehr übertroffen werden konnte.

Es war das erste Gold für einen deutschen Turner seit dem Sieg des Berliners Andreas Wecker in Atlanta 1996. Glücklich lag Hambüchen seinem Vater in den Armen, als die quälend lange Warterei auf die Übungen der Konkurrenz und deren Wertungen zu Ende war. Hambüchen hüllte sich in die deutsche Fahne und brüllte immer wieder Freudenschreie ins Publikum.

Der deutsche Vorturner vervollkommnete vor 10 000 Zuschauern in der Olympic Arena seinen olympischen Medaillensatz nach Bronze in Peking und Silber in London. Insgesamt 27 Medaillen hat der Student der Sporthochschule Köln damit in seiner langen Laufbahn bei internationalen Meisterschaften der Senioren erreicht.

Macken, Marotten und Merkwürdigkeiten
Macken und Marotten: Christina Schwanitz
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Den rechten Arm mit der Kugel in die Höhe, den geflochtenen Zopf mit der linken Hand auf die Seite: Die Vorbereitung auf einen Stoß ist bei Weltmeisterin Christina Schwanitz immer gleich. „Es ist mein Ritual geworden und dient der Konzentration.“ Reichte diesmal aber nicht für eine Medaille.

Laura Siegemund
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Die im Viertelfinale ausgeschiedene Tennisspielerin Laura Siegemund läuft nach fast jedem Punkt zum Handtuch, um sich den Schweiß abzuwischen. Und verbreitet auch sonst ganz schön Hektik auf dem Platz. Taktik? „Sie nervt ja alle, die anderen sind alle gereizt“, erklärt Bundestrainerin Barbara Rittner schmunzelnd.

Isabell Werth
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Isabell Werth reitet mit uralten Stiefeln, in Rio sogar zum sechsten Olympia-Gold. „Die trage ich seit 1991“, sagt die 47-Jährige, die die erfolgreichste Reiterin der olympischen Geschichte ist. Die Vorzüge: „Die sind außen hart und innen weich.“

Laura Vargas-Koch
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Laura Vargas-Koch, Bronzemedaillen-Gewinnerin im Judo, muss vor jedem Kampf erstmal richtig Bodenhaftung haben: „Ich streife mit den Füßen über die Matte und springe dann hoch. Ich kann dadurch die Matte besser spüren.“

Frank Stäbler
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Ringer-Weltmeister Frank Stäbler (r.) schwört nach dem Wiegen am Tag vor dem Wettkampf immer auf die Fleischbrühe seiner Mama. Immerhin muss er insgesamt acht Kilo Gewicht machen. „Da die Reise nach Rio so lang ist, wird meine Mama vor Ort einkaufen und die Suppe hier kochen.“

Merkwürdigkeiten: Die Tischtennis-Spieler
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Die Tischtennis-Spieler sind die Meister Proper des Sports: Ständig wischen sie mit dem Handtuch und der Hand über den Tisch. Weil schon ein einziger Schweißtropfen die Flugbahn des Balles verändern könnte. Und weil es einfach ein Ritual ist, das die Konzentration erhöht - und die Nerven beruhigt.

Die Golfspieler
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Bei Golfspielern sind Trainingshosen und Sportshirts verpönt. „In unseren Regeln steht halt drin, dass wir immer ein Polohemd tragen müssen - ein Shirt mit Kragen“, erklärte der deutsche Spitzenspieler Martin Kaymer. „Aber du kannst auch mit Shorts spielen, nur bei uns Profis vielleicht nicht.“

Top-Favorit und London-Olympiasieger Epke Zonderland aus den Niederlanden riskierte zuviel und stürzte ebenso ab wie der Ukrainer Oleg Wernjajew. Fabian Hambüchen nahm sich die Zeit, die beiden Konkurrenten im Athletenbereich zu trösten. Sichtbar angespannt registrierte der Hesse die Übungen der anderen Konkurrenten. Silber ging an den US-Amerikaner Danell Leyva vor dem Briten Nile Wilson.

Der 28-jährige Hambüchen war schon als Vorkampfbester in das Finale eingezogen, steigerte sich im Team-Finale und kam schließlich in der Stunde der Entscheidung trotz eines kleine Schritts nach der Landung zu seiner besten Note in Rio.

Im Finale vor 11 000 Zuschauern wurde er erstmals in Rio von seinem Vater Wolfgang betreut, der als „Personal Coach“ eine Sondergenehmigung erhalten hatte. Hambüchen musste aber gleich als Erster ans Gerät und stand damit unter besonderem Druck. Schon zuvor hatte er das „Pro und Kontra“ abgewogen. „Gut ist, dass ich was vorlegen kann. Zudem bleibt nicht viel Zeit, noch mal kalt zu werden. Aber der Nachteil ist, dass sich die Kampfrichter noch Luft nach oben lassen.“

Der Sechs-Meter-Brasilianer begeistert Rio
Brasiliens neuer Superstar
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Überraschend ist der Brasilianer Thiago da Silva neuer Stabhochsprung-Olympiasieger. Mit 6,03 Metern verwies er im Finale den favorisierten Franzosen Renaud Lavillenie auf den Silber-Rang. Der Kenianer David Rudisha holte sich wie vor vier Jahren in London Gold über 800 Meter. Die deutschen Diskuswerferinnen um Julia Fischer überstanden die Qualifikation und kämpfen ab 16.20 Uhr MESZ um Medaillen.

Schifferstädter Jubelschrei
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Denis Kudla hat die erste Medaille für die deutschen Ringer gewonnen. Im kleinen Finale der Kategorie bis 85 Kilogramm im griechisch-römischen Stil bezwang der 21-jährige Debütant aus Schifferstadt den WM-Dritten von 2013, den Ungarn Viktor Lorincz, sensationell durch die letzte Wertung. Der andere Griechisch-Römisch-Spezialist, Superschwergewichtler Eduard Popp, verlor dagegen das kleine Olympia-Finale gegen den Aserbaidschaner Sabah Shariati nach einer Schulterniederlage vorzeitig.

Halbfinal-Aus an der Platte
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Es nicht gereicht für Timo Boll (r.): Der Tischtennis-Star winkte noch einmal den Fans zu, dann schlichen er seine Kollegen mit hängenden Köpfen davon. Durch das ernüchternde 1:3 im Halbfinale gegen Japan verpasste Deutschland das Finale. Nun geht es am Mittwoch um Bronze gegen Südkorea.

Fahrrad-Mehrkampf
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Roger Kluge hat bei den Bahnrad-Wettbewerben im Omnium eine Medaille verfehlt. Der Olympia-Zweite von Peking belegte nach Abschluss der sechs Disziplinen den sechsten Platz. Gold gewann der Italiener Elia Viviani vor dem britischen Superstar Mark Cavendish.

Deutsche springen weiter
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Die deutschen Wasserspringer haben es in einer windumtosten Qualifikation vom Drei-Meter-Brett sicher ins Halbfinale geschafft. Beim großen Favoritenstraucheln wurde Rekord-Europameister Patrick Hausding (Foto) aus Berlin Sechster. Der Leipziger Stephan Feck kam bei zwischenzeitlich grenzwertigen Bedingungen auf Platz neun.

Jetzt können sie heiraten
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Dieser Moment wird in Erinnerung bleiben: Schon wieder sorgte ein Heiratsantrag für einen romantischen Moment. Dean Golding allerdings musste lange warten, ehe seine Liebste ihn endlich erhörte. Als die Britin Charlotte Dujardin auf Valegro zu ihrem insgesamt dritten olympischen Dressur-Gold ritt, fieberte er auf der Tribüne mit. Vor seinem Bauch hielt Golding ein Schild: „Können wir jetzt heiraten?“ Er habe sie schon nach ihrem Doppel-Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London gefragt, erzählte Dujardin später. Nun will sie mit ihm vor den Altar treten.

20 Medaillen für Deutschland
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Die deutsche Ausbeute des zehnten Rio-Tages: Kein Gold, aber einmal Silber und zweimal Bronze. Hinter der Britin Charlotte Dujardin auf Valegro holte Isabell Werth (l.) mit Weihegold in der Dressur-Kür Silber, Bronze ging an Kristina Bröring-Sprehe (r.) mit Desperados. Überraschend kam der Bronze-Erfolg von Ringer Denis Kudla in der Kategorie bis 85 Kilogramm im griechisch-römischen Stil. Das deutsche Olympia-Team hat nunmehr 20 Olympia-Medaillen.

Sein Auftritt von exakt 45 Sekunden war der Schlusspunkt unter eine große Karriere. Mit fünf Jahren war Fabian erstmals unter den Fittichen seines Vaters an die Geräte gegangen, schon als Junior gehörte er zu den besten deutschen Turnern. Sechsmals stand er bei Weltmeisterschaften im Reck-Finale und holte 2007 beim Heimspektakel in Stuttgart Gold. Dank sechs EM-Titeln und 40 nationalen Meisterschaften ist er der erfolgreichste deutsche Turner der Geschichte.

Im Training ging er stets seinen eigenen Weg, setzte auf den „Hambüchen-Clan“ mit dem Vater als Trainer, dem Onkel Bruno als Mentalcoach und Mutter Beate als Organisatorin. Ein Konzept, dass sich bewährte, aber wohl einzigartig im deutschen Sport bleiben wird.

  • dpa
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