Zeitmessung in Rio Wenn jede Millisekunde zählt

Bei den Wettkämpfen in Rio entscheiden Bruchteile von Sekunden über Niederlage und Sieg. Eine Schweizer Firma verantwortet die Zeitmessung - und hat dafür tonnenweise Material nach Rio geschafft.
Wer hier gewinnt, ist recht klar (Michael Phelps, in der Mitte). Wenn die Unterschiede knapper werden, kommt es auf Bruchteile von Sekunden an - und darauf, dass diese richtig gemessen werden. Quelle: AP
Jede Sekunde zählt

Wer hier gewinnt, ist recht klar (Michael Phelps, in der Mitte). Wenn die Unterschiede knapper werden, kommt es auf Bruchteile von Sekunden an - und darauf, dass diese richtig gemessen werden.

(Foto: AP)

Rio de JaneiroAn die Verlässlichkeit der olympischen Zeitmessung glaubt Milorad Cavic wahrscheinlich noch immer nicht. Acht Jahre ist es her, dass er sich von ihr betrogen fühlte. Das war in Peking 2008 - damals war war Superstar Michael Phelps über die 100 Meter Schmetterling 1/100 Sekunden schneller gewesen als der Serbe. Ein Irrtum, fand Cavic. Doch der Protest der serbischen Delegation lief ins Leere: Phelps behielt Gold, Cavic blieb Zweiter.

Alle vier Jahre kommt es ganz besonders auf die elektronische Zeitmessung an. Sie entscheidet über Goldhoffnungen, zeigt Weltrekorde an, kann Träume zerstören. Cavic war nicht der Erste, der das erfahren musste. Bei den Sommerspielen 1972 in München beispielsweise gewann der Schwede Gunnar Larsson die 400 Meter Lagen gegen den Amerikaner Tim McKee mit 2/1000 Sekunden Vorsprung. Vielleicht ist die Technik gerade deshalb so gnadenlos, weil sie so ehrlich ist. Daran zumindest glaubt der Schweizer Alain Zobrist. Denn die moderne Technologie „macht uns extrem präzise in all dem, was wir tun.“

Zobrist ist der Zeitchef der Spiele und arbeitet für den Luxusuhren-Herstellers, der in Rio für die Zeitmessung in 28 Sportarten verantwortlich ist. Er sitzt neben dem Rand des Olympia-Schwimmbeckens, der 33-Jährige erlebt gerade intensive Tage. Allein im Schwimmen sind in den ersten Rio-Tagen bereits etliche Weltrekorde aufgestellt worden. 450 Tonnen Material hat Omega nach Brasilien transportieren lassen, damit diese auch korrekt angezeigt werden. 480 Zeitmesser sind für das Schweizer Unternehmen in Rio im Einsatz.

Was die Athleten in Rio de Janeiro erwartet
Olympia-ABC
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Rio ist bereit. Die Stadt scheint weitgehend sicher, die Sportstätten sind fertig, am Freitag findet die Eröffnungsfeier im legendären Maracanã-Stadion statt. Nach jahrelangen Bauarbeiten, Planungen, Hindernissen und Konflikten sollen dann die Athleten im Mittelpunkt stehen. Dennoch werden trotz großer sportlicher Strahlkraft Probleme bleiben. Einige Aspekte rund um die Spiele.

Quelle: dpa

Athleten
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Mehr als 10.000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt nehmen an den Olympischen Spielen teil. Einige von ihnen sind zum ersten Mal dabei, so wie die 13 Jahre alte Schwimmerin Gaurika Singh aus Nepal – die jüngste Teilnehmerin bei den diesjährigen Spielen. Die älteste Rio-Athletin ist die 61 Jahre alte Reiterin Mary Hanna aus Australien, die bereits dreifache Großmutter ist.

Barra
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In Rios Stadtteil Barra schlägt das Herz der Spiele. Dort befindet sich nicht nur der riesige Olympiapark mit zahlreichen Sportstätten, sondern auch das Olympische Dorf. Zahlreiche Familien mussten umziehen, damit das riesige Gelände aus Beton und Stahl entstehen konnte. Aus den 31 Hochhäusern des Olympiadorfes sollen nach Olympia Luxusapartments für wohlhabende Touristen werden.

Doping
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Noch immer ist nicht für alle Sportarten abschließend entschieden, welche Russen nun an Olympia teilnehmen dürfen und welche nicht. Sicher ist bisher nur, dass die Leichtathleten und Gewichtheber wegen des staatlichen Doping-Systems in Russland nicht in Rio antreten dürfen. Eine abschließende Entscheidung soll nun eine dreiköpfiges IOC-Gremium möglichst bis zur Eröffnungsfeier treffen.

Eröffnungsfeier
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Die bunte Fete im legendären Maracanã-Stadion wird der erste Gradmesser für den Olympia-Veranstalter. Brasilien wird das zeigen, was es auszeichnet: Lebensfreude, Buntheit, Musik, Schönheit. Die großartige Natur wird eine Rolle spielen, aber auch Probleme wie die Herausforderungen durch den Klimawandel. Wer das Olympische Feuer entzündet, soll bis zum Schluss geheim gehalten werden. Brasiliens Fußball-Legende Pelé wird als heißer Favorit gehandelt.

Kondome
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Das ist neuer Olympischer Rekord: 450.000 Gratiskondome werden den Sportlern zur Verfügung gestellt, das sind etwa dreimal so viele wie in London 2012 – und ungefähr 42 pro Athlet.

Megastars
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Die Olympischen Spiele sind immer auch die Spiele zahlreicher Superstars. Usain Bolt wird vermutlich zum letzten Mal bei Olympia starten, Rekord-Olympiasieger Michael Phelps wird nach Rio laut eigener Aussage definitiv nicht mehr in ein olympisches Schwimmbecken springen. Neben Bolt und Phelps sind noch weitere Top-Athleten wie Tennisspieler Novak Djokovic, Basketballer Kevin Durant oder Fußball-Superstar Neymar dabei.

„Wir brauchen diesen großen Aufwand, um in all den verschiedenen Sportarten unsere Leistungen zu erbringen“, sagt der 33-jährige Zobrist. „Wir haben 28 Sportstätten. Das ist für uns so, als würde man 28 Weltmeisterschaften in zwei Wochen durchführen.“ Was bedeuten soll: Zobrist und sein Team haben während der Spiele viel zu tun. Und sie haben eine ziemlich große Verantwortung.

Denn was passieren würde, wenn beispielsweise im 100-Meter-Finale der Männer plötzlich die Zeitmessung ausfallen sollte, ist nur schwer vorstellbar. Aber auch ziemlich unwahrscheinlich. „Wir haben Backups, das ist sehr wichtig“, sagt Zobrist. „Außerdem haben wir Batterien. Selbst wenn es Stromausfälle gibt, können wir weiterhin die Resultate der verschiedenen Wettkämpfe liefern.“

Am Freitag steht im olympischen Schwimmbad von Rio de Janeiro übrigens wieder ein Finale über 100 Meter Schmetterling an. Rekord-Olympiasieger Phelps will seine nächste Goldmedaille holen, Cavic ist in Rio nicht am Start. Dennoch könnte es auch so viele Jahre nach Peking wieder extrem eng werden. Wie eng genau, wird die Zeit zeigen.

  • dpa
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