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Amanns WM-Check Der Fisch stinkt am Kopf

Rick Amann fordert angesichts der überwiegend enttäuschenden WM-Auftritte der deutschen Eishockey-Cracks bei der WM endlich ein klares Förderkonzept für das deutsche Eishockey - und einen Führungswechsel in den Chefetagen bei DEB und DEL.

Liebe Handelsblatt.com-Leser,

nach dem erbärmlichen Auftritt gegen die Schweiz, den ich mir nicht bis zum Ende angucken wollte, habe ich mich entschieden das erste Spiel in der Relegation gegen Österreich nicht alleine anzuschauen. Der Grund? Ganz einfach: Elend schreit nach Zweisamkeit!

Deshalb habe ich einen Ex-Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und einen der besten deutschen Verteidiger angerufen: Uli Hiemer. Er wusste nicht, dass das Poss-Team um 16:15 Uhr spielte und auch nicht, wer der Gegner ist. Als ich bei ihm ankam, erklärte ich ihm alles, während ich den Fernseher anschaltete.

Warum erzählt er uns das, werden sie nun vielleicht denken. Ich sage es ihnen: Weil es ein fades Licht auf den deutschen Eishockey-Sport wirft. Und es wirft die Frage auf: Warum haben die ganz großen ehemaligen Nationalspieler wie Hiemer, Truntschka, Kiesling absolut nichts mit dem DEB oder der DEL zu tun? Sie waren alle Nationalmannschaftskapitäne und große Spielerpersönlichkeiten. Warum sind sie nicht involviert, wenn es darum geht, eine Lösung für das deutsche "Problem-Eishockey" zu finden? Die Antwort aus meiner Sicht: Die wirklichen Probleme liegen nicht beim deutschen Eishockey als solchem, sondern woanders - zum Beispiel beim DEB selbst.

Doch es ist am einfachsten, der Mannschaft und dem Trainer die Schuld zu geben - so hält es offenbar auch die Führungsriege des Verbandes. Haben sie nicht gerade erst Hans Zach gefeuert, weil er das Team nicht nach vorne gebracht hat? Haben nicht die selben Leute Greg Poss verpflichtet um das deutsche Spiel offensiver und interessanter zu machen? All dies ist erst vor einem Jahr passiert - und schon jetzt zeigen sie wieder mit dem erhobenen Finger in Richtung Team und Trainer.

Doch der Fisch stinkt am Kopf: Ich denke am Ende zeigt sich, dass es einen großen Mangel an Führungsstärke in der ersten Reihe des DEB gibt, die ohne Konzept und klare Richtung versucht, das deutsche Eishockey zu verbessern. Die DEL wird immer dafür gescholten, dass sie jungen deutschen Spielern kaum eine Chance gibt. Warum spielen denn dann momentan so viele junge deutsche Spieler wie noch nie in der NHL? Hecht, Sturm, Goc, Ehrhoff, Schubert, um nur einige zu nennen. All diese Spieler können der DEL danken, über sie in die NHL gekommen zu sein und so auch viel Geld verdient zu haben.

Diese Spieler sind jedoch die Ausnahmen, von denen wir mehr brauchen. Das deutsche Eishockey kann jedoch nur mehr junge Spieler wie die genannten herausbringen, wenn es ein klares Förderkonzept gibt, das die Talente fördert und das individuelle Können verbessert. Davon kann derzeit keine Rede sein. Stattdessen lernen die Akteure, wie man defensiv und taktisch einfallslos Eishockey spielt. Sie werden darauf gedrillt so zu spielen, dass man ein Spiel nicht verliert - statt ihnen beizubringen, wie man ein Spiel gewinnt! Hier muss dringend ein Umdenken einsetzen.

Teil eines dringend notwendigen Förderkonzepts ist es auch, dass die jungen Spieler auch eine faire Chance bekommen, sich weiter zu entwickeln. Hier ist vor allem die DEL gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Es müssen Regeländerungen her, etwa dass noch mehr junge deutsche Spieler eingesetzt werden müssen. Dies sind auch die Basis-Fragen, die Spieler wie Hiemer & Co. beantworten könnten. Aber in der gegenwärtigen Konstellation beim DEB und bei der DEL scheint das kaum denkbar. Für mich bleibt deshalb nur eine Schlussfolgerung: Die Zeit für neue Führungsriegen im deutschen Eishockey ist gekommen!

All the best, and take care

Rick Amann

Rick Amann war selbst Spieler der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und arbeitet seit dem Ende seiner Karriere unter anderem als Kolumnist und Experte für verschiedene Medien. Er absolvierte nach seinem Karriereende ein Wirtschaftsstudium an der University of British Columbia in Vancouver. In seiner sehr erfolgreichen Karriere gewann Amann mit der Düsseldorfer DEG viermal die deutsche Meisterschaft und spielte 43 Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Der am 30. Dezember 1960 in Kanada geborene Eishockey-Crack konnte für die DEB-Auswahl spielen, da seine Großeltern aus dem Schwarzwald stammen.

Redaktion: Bastian Timm



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