Angelique Kerber Mit Tipps von Steffi Graf wieder erfolgreich

Ihr Aufstieg vor vier Jahren war kometenhaft. Doch dann folgte die Krise. Nun wandte sich Angelique Kerber an die deutsche Tennis-Legende schlechthin, Steffi Graf. Und das wirkte.
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Tennisspielerin Angelique Kerber holte sich Tipps von Steffi Graf. Quelle: dpa
Jubel

Tennisspielerin Angelique Kerber holte sich Tipps von Steffi Graf.

(Foto: dpa)

StuttgartIn Las Vegas trainierte die Kielerin einige Tage mit Steffi Graf - und ist seitdem nicht mehr wiederzuerkennen. «Es ist immer inspirierend, mit ihr ein paar Bälle zu schlagen», berichtete Kerber. «Sie spielt immer noch richtig gutes Tennis.»

Richtig gutes Tennis - das zeigt auch Kerber wieder, seit sie sich Rat bei der 22-maligen Grand-Slam-Turnier-Gewinnerin gesucht hat. Nach der Stippvisite bei der «Gräfin» wollte es bei den Turnieren in Indian Wells und Miami zwar noch nicht sofort klappen, doch inzwischen hat es klick gemacht.

Zunächst holte sich Kerber Anfang des Monats in Charleston den vierten Titel ihrer Karriere, am Sonntag dann gewann sie das Heimturnier in Stuttgart im Finale gegen die Dänin Caroline Wozniacki. «Das ist bestimmt der schönste Erfolg und der, der immer in meinem Herzen bleiben wird», sagte die 27-Jährige nach dem 3:6, 6:1, 7:5 gegen die ehemalige Nummer eins der Welt.

Die deutschen Könige von Wimbledon
Cilly Aussem (1931)
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Sie war die erste deutsche Wimbledon-Siegerin – auch wenn das heute kaum noch jemand weiß. Cilly Aussem, geboren am 4. Januar 1909 in Köln, war in den zwanziger und dreißiger Jahren eine der besten Tennisspielerinnen der Welt. Damals war Tennis noch eine Sportart für höhere Töchter, die Reisen zu den großen Turnieren in aller Welt konnten sich nicht viele leisten. Doch für Cilly Aussems Vater, Generalvertreter für Gervais-Käse, war das kein Problem. Er konnte ihr auch das regelmäßige Training an der Riviera finanzieren. Dort trainierte Aussem mit Bill Tilden, der damaligen Nummer eins der Tennis-Welt. Zusammen gewannen sie auch das Mixed-Doppel in Paris 1930. Ein Jahr später feierte sie beim selben Turnier auch den Titel im Einzel. Doch der ganz große Triumph folgte erst kurz darauf.

Cilly Aussem (1931)
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Am 3. Juli 1931 trat die damals 23-jährige Cilly Aussem im rein deutschen Wimbledon-Finale gegen die gleichaltrige Hilde Krahwinkel aus Essen an - und war erfolgreich. 7:5 und 6:2 hieß es am Ende für die Kölnerin. Bis dahin hatten die beiden Damen das deutsche Tennis bereits in ein neues Zeitalter geführt. Mit ihrem dynamischen Stil verliehen sie auch dem damaligen neuen Frauenbild ein dynamisches, erfrischendes Aushängeschild. Sie waren die ersten, die Aufschläge über dem Kopf ausführten und nicht mehr von unten, wie es damals für Frauen üblich war. Das brachte ihnen auch Kritik ein. Verbandsfunktionäre beklagten die zunehmende „Vermännlichung“ des Damentennis.

Im Jahr 1931 gewann Cilly Aussem neben Wimbledon und Paris auch noch die internationalen Turniere von Deutschland und Österreich, so das sie am Jahresende wie bereits im Vorjahr die Nummer zwei der Tenniswelt war – hinter der überragenden Amerikanerin Helen Wills Moody.

Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-09475 / CC-BY-SA

Cilly Aussem (1931)
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Doch noch im Jahr 1931 erlitt Cilly Aussem auf einer Südamerika-Reise eine schwere Lebererkrankung – die wurde später auch der Grund für ihr schnelles Karriereende. Schon vorher hatte Aussem mit körperlichen Strapazen zu kämpfen. Im Wimbledon-Halbfinale 1930 stürzte sie schwer und musste ohnmächtig vom Platz getragen werden. Darüber hinaus hatte sie sehr empfindliche Augen, stets konnte sie nur mit einem Blendschutz spielen. Nach den Matches musste sie schnell einen dunklen Raum zur Regeneration aufsuchen. Nach langen Pausen schaffte sie 1934 noch einmal ein Comeback, 1935 war sie wieder die erste der deutschen Rangliste. Doch die vielen Krankheiten hatten ihre Spuren hinterlassen. Nach einem frühen Ausscheiden in Wimbledon beendete sie ihre Karriere endgültig. 1936 heiratete sie den italienischen Grafen Fermi Murari dalla Corte Brà und zog mit ihm nach Somalia – wo sie an Malaria erkrankte. Bereits 1963, im Alter von nur 54 Jahren, starb die erste deutsche Wimbledon-Siegerin fast komplett erblindet unter dem Namen Gräfin Cäcilie Editha Murari dalla Corte Brà in Portofino, Italien. 2008 wurde Cilly Aussem in die neugegründete Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Boris Becker (1985, 1986, 1989)
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54 Jahre dauerte es, bis wieder ein Deutscher in Wimbledon gewinnen konnte. 1985 gewann Boris Becker sein Finale gegen den Südafrikaner Kevin Curren mit 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4. Damit war der damals 17-Jährige der erste männliche Deutsche, der erste ungesetzte Spieler und der jüngste Spieler überhaupt, der das Turnier auf dem „heiligen Rasen“ gewinnen konnte. Danach startete Becker zu einer der erfolgreichsten Karrieren der deutschen Sportgeschichte. Bereits im darauffolgenden Jahr konnte er seinen Erfolg bei den All England Championships im Finale gegen den Tschechen Ivan Lendl wiederholen. Durch seine Erfolge avancierte Tennis in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zum beliebtesten Zuschauer-Sport hinter dem Fußball. Durch seine emotionale Spielweise wurde Becker weltweit beliebt. Seine Jubel-Geste nach Big Points, die „Becker-Faust“, wurde zu einem seiner zahlreichen Markenzeichen.

Boris Becker (1985, 1986, 1989)
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Die Spielweise von „Bumm Bumm Boris“ war stark auf die Offensive ausgelegt. Seine schnellen Aufschläge paarte Becker mit einem hervorragenden Netzspiel, was ihn zu einem der besten Serve-and-Volley-Spieler seiner Zeit machte. Legendär ist auch sein „Becker-Hecht“, ein im Hechtsprung geschlagener Volley. Sein druckvolles Spiel konnte der Leimener vor allem auf schnellen Belegen wie Teppich und eben Rasen erfolgreich einsetzen. Neben seinen drei Siegen (den letzten feierte er 1989 gegen Stefan Edberg) konnte Becker auch noch weitere Male das Finale in Wimbledon erreichen. 1990 unterlag er gegen Stefan Edberg, 1991 gegen seinen Dauerrivalen Michael Stich. Sein letztes Wimbledon-Finale verlor Becker 1995 gegen Pete Sampras.

Steffi Graf (1988, 1989, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996)
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Sieben Mal (!) konnte Steffi Graf das Turnier von Wimbledon gewinnen. Den ersten sicherte sich die damals 19-Jährige 1988 gegen Martina Navrátilová in drei Sätzen mit 5:7, 6:2 und 6:1. Im selben Jahr schrieb die Mannheimerin Geschichte. Bis heute ist sie die einzige Tennisspielerin, die in einem Kalenderjahr sowohl bei allen vier Grand-Slam-Turnieren als auch bei den Olympischen Spielen den Titel holen konnte. Somit errang sie den sogenannten „Golden Slam“. Danach startete sie zu einer der erfolgreichsten Karrieren der Tennis-Geschichte. Insgesamt feierte sie bei 22 Grand-Slam-Turnieren den Titel. Mit 377 Wochen auf Platz 1 der Weltranglisten hält sie bis heute den Rekord.

Steffi Graf (1988, 1989, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996)
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Ab 1996 bekam es die „Tennis-Gräfin“ aber immer häufiger mit Verletzungen zu tun. Im Jahr 1997 konnte sie nur 19 Machtes bei fünf Turnieren bestreiten – von den 19 Spielen gewann sie allerdings 16 (alle drei Niederlagen gegen die Südafrikanerin Amanda Coetzer). Am 8. Juni 1998 fiel sie durch eine zwölfmonatige Pause das erste Mal seit 1983 aus der Weltrangliste.

Doch Steffi Graf kämpfte sich noch einmal zurück. Im Jahr 1999 gewann sie gegen die 18-jährige Martina Hingis die French Open. Die Schweizerin hatte vor dem Finale schon getönt, ihr Sieg im Finale würde den Generationswechsel endgültig vollziehen. Im zweiten Satz sah Hingis dann tatsächlich schon wie die sichere Siegerin aus, ihr fehlten nur noch drei Punkte zum Triumph. Doch Graf drehte das Spiel noch einmal und gewann. Später nannte sie den Erfolg gegen Hingis „den schönsten ihrer Karriere“.

In ihrer Siegesrede auf dem Centre Court überschlugen sich die Worte der sonst eher zurückhaltenden Norddeutschen förmlich. Man merkte, hier ist jemand von einer Zentnerlast befreit und mit sich und der Welt endlich wieder im Reinen.

«Angie ist endgültig wieder zurück», sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Sie hielt auch nach all den Rückschlägen mit frühen Niederlagen bei den Australian Open, in Doha, Dubai und Brüssel zu Kerber, genauso wie ihr Trainer Torben Beltz, zu dem sie nach der Trennung von Benjamin Ebrahimzade zurückgekehrt war. «Ich bin Torben sehr dankbar. Er kennt mich einfach am besten und weiß, was er an und mit mir hat», sagte Kerber.

Seitdem sie wieder mit ihrem alten Coach arbeitet, schafft es Kerber, ihre Trainingsleistungen auch in den Spielen abzurufen. «Ich habe wieder Spaß auf dem Court und auch bei allem, was ich abseits des Platzes mache.» Erst einmal bis zu den French Open in Paris wollen beide Seiten zusammenarbeiten, danach will Kerber neu entscheiden.

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