Handball-WM in Katar Sport im Schatten von Luxus und Korruption

Die Handball-WM in Katar ist gestartet. Das Mega-Event gilt als Testlauf für die Fußball-WM in sieben Jahren. Das Turnier ist so skandalverseucht wie das große Vorbild. Das stört weder Funktionäre noch Fußballer.
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Paläste für eine Weltmeisterschaft in der Wüste
2015 Handball World Championship - Feature
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Hier treffen Welten aufeinander: In Katar bekommt man durchaus auch in der Hauptstadt Doha noch Kamele zu sehen, die von ihren Hirten auf einen Vorplatz der Stadt geführt werden. Gleichzeitig protzt das Land mit neusten, modernsten Bauwerken – auch zur Handball-WM 2015.

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Das Land ist im Handballfieber – das soll diese Statue vor der Lusail Multipurpose Hall in Doha wohl suggerieren. Doch das dürfte wohl eher auf die Politiker und die Sportfunktionäre zutreffen. Ausländische Beobachter vor Ort berichteten etwa im Deutschlandfunk von Gruppen, die extra zum Applaus und zum Jubeln in die Hallen beordert würden, um für die entsprechende Kulisse zu sorgen. Mit wahrer Fanliebe scheint das wenig zu tun zu haben.

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Doch die Spielstätten sollen eine ganz besondere Atmosphäre suggerieren und Glamour ausstrahlen, weshalb beim Bau keine Kosten gescheut wurden. Die „Ali Bin Hamad Al-Attiya Arena“ in Doha ist ein Beispiel, sie liegt wie alle drei Spielstätten in oder nahe der Hauptstadt, im Umkreis von nur 25 Quadratkilometern findet das Turnier auf engstem Raum statt. Die Handball-WM gilt als erster Testlauf für die Fußball-Weltmeisterschaft in sieben Jahren.

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Die Halle kann 7700 Besucher fassen und ist die Spielstätte, die innerhalb Dohas am zentralsten liegt. Hier werden die Spiele der Vorrunde, Achtelfinals, Viertelfinals sowie Platzierungsspiele ausgetragen. Ein besonderes Gimmick: Die Energiezufuhr soll durch Solarzellen auf dem Dach laufen, die starke Sonneneinstrahlung vor Ort wird also genutzt.

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Ein Blick auf die Duhail Handball Sports Hall in Doha. Sie ist die kleinste von drei Hallen, in denen die Handball-WM in Katar stattfindet.

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Die Duhail Handball Sports Hall wurde bereits im September vor ihrem großen Auftritt getestet: Damals fand hier die Vereins-Weltmeisterschaft der Handballmänner statt, an der unter anderem die SG Flensburg Handewitt teilnahm (Champions-League-Sieger).

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Hier finden 5580 Zuschauer Platz, doch nicht nur das Spiel direkt steht im Mittelpunkt, sondern auch das Rahmenprogramm: Anliegend warten 60 Hotelbetten auf Gäste und katarische Sport-Funktionäre. Denn die Halle soll trotz ihres begrenzten Fassungsvermögens nach Ende der WM zum Hauptsitz des katarischen Handballbundes werden. Neben den normalen Spielhallen, vor denen diese beiden französischen Freestyle-Artisten ihre Kunst präsentieren, umfasst der Komplex auch zwei Trainingshallen, ein Schwimmbad, Fitnessstudios und ein medizinisches Zentrum.

DüsseldorfIn sieben Jahren erst startet die Fußball-WM in Katar, über die bisher kaum jemand ein positives Wort verloren hat. Im Gegenteil: Skandale um Korruption und nicht eingehaltene Menschenrechte umwehen das Turnier, dessen Starttermin nach unendlichen Querelen noch immer nicht feststeht. Dabei ist fast untergegangen, dass in Katar bereits heute ein Skandal-Turnier gestartet wurde: die Handball-Weltmeisterschaft 2015.

Auch bei der Vergabe der Handball-WM vor vier Jahren war der Aufschrei groß – viele witterten Betrug. Vor allem in Frankreich, dessen Verband bei der Vergabe leer ausging, regte man sich tierisch auf. Nicht zu Unrecht: Im Gegenzug für die Vergabe nach Katar kaufte der Sender BeIn Sports, ein Ableger des Staatssenders al-Dschasira, dem Weltverband IHF für 100 Millionen Schweizer Franken die Übertragungsrechte der WM-Turniere bis 2017 ab – die WM in Katar hat den Verband reich gemacht.

An BeIn Sports liegt es auch, dass die Weltmeisterschaft in Deutschland nicht im Free-TV läuft. Der Staatssender wollte die Rechte an die interessierten ARD und ZDF nur unter der Bedingung verkaufen, dass die beiden Öffentlich-Rechtlichen ihr Satellitensignal im Ausland blockieren. Darauf wollte man sich bei den Sendern nicht einlassen.

Auch Verhandlungen über die Zweitverwertungsrechte scheiterten, der Bildschirm in Deutschland drohte ganz schwarz zu bleiben. Am Ende erbarmte sich der Pay-TV-Sender Sky, der das Turnier nun exklusiv im deutschen Fernsehen ausstrahlt. Das ist auch ein Schlag für den deutschen Handballbund (DHB), denn die geringere Reichweite bedeutet auch geringere Sponsoreneinnahmen.

Die Handball-WM im Wüstenstaat sprengt alle bisher dagewesenen Dimensionen. Drei supermoderne Hallen wurden für das Turnier neu gebaut, die größte in Lusail bietet Platz für 15.000 Zuschauer. 220 Millionen Euro lässt sich Katar das alles kosten. Zum Vergleich: das ist zehnmal mehr als die WM 2007 in Deutschland verschlungen hat.

„Katar will die Messlatte für alles höher legen, was wir organisieren“, sagte Saoud Bin Abdulrahman Al-Thani, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees. Dafür ist die Arena in der Reißbrett-Stadt Lusail im Norden Dohas das beste Beispiel. Die nagelneue Final-Arena spiegelt mit ihrem geschwungenen Glasdach das Streben des Emirats nach einer Rolle einer Sport-Großmacht.

Katars Großoffensive im Sport
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