IOC-Entscheidung Russland geht nach Olympia-Ausschluss in Isolation

Olympia 2018 findet ohne Russland statt: Das IOC sieht systematischen Dopingmissbrauch während der Spiele 2014 in Sotschi als erwiesen an. Saubere Athleten dürfen zwar starten, doch nicht unter russischer Flagge.
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Dopingskandal: Putin weißt Beteiligung der Regierung zurück

MoskauHarte Maßnahmen im Dopingskandal: Das Internationale Olympische Komitee sieht systematischen Dopingmissbrauch während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi durch russische Athleten als erwiesen an und hat das Nationale Olympische Komitee (NOK) ab sofort gesperrt. Das heißt, dass Russland keine Nationalmannschaft zu den Winterspielen 2018 in Pyeongchang schicken kann.

Saubere russische Athleten dürfen unter neutraler Flagge an den Spielen teilnehmen. Bei der Siegerehrung wird allerdings nicht die russische Nationalhymne gespielt. Russische Offizielle werden nicht akkreditiert. Der für Sport zuständige Vizepremier Witali Mutko und sein langjähriger Vize Juri Nagornych wurden lebenslang für Olympia gesperrt, Russlands NOK-Präsident Alexander Schukow (ebenfalls Vizepremier) aus dem IOC ausgeschlossen. Zudem muss das NOK die Kosten der Doping-Kommission übernehmen: 15 Millionen Dollar.

IOC-Präsident Thomas Bach sprach bei der Urteilsbegründung von einer „noch nie dagewesenen Attacke auf die Integrität der Olympischen Spiele“. Zuvor hatte der Schweizer Samuel Schmid, der eine der Untersuchungskommissionen zum Dopingmissbrauch der Sbornaja leitete, „systemische Manipulationen der Antidopingregeln“ seitens Russland beklagt.

In Moskau sieht man das völlig anders. Die gesamte Dopingaffäre wird seit Beginn als Verschwörung des Westens gedeutet, um ein Erstarken Russlands zu verhindern. Dementsprechend fielen auch die ersten Reaktionen aus: Gekränkt und verbittert. Der Vizechef der Duma Iwan Melnikow sprach sich für einen Boykott der Spiele aus. „Die Politik der totalen Verfolgung russischer Sportler zielt darauf ab, Russland und unser ganzes Volk zu erniedrigen… Darum ist es unserer Meinung nach unmöglich, unter neutraler Flagge zu starten. Dies wäre zudem gegenüber den Sportlern unfair, die ohne Untersuchung und Beweise nicht nur von den Spielen, sondern auch vom Sport ausgeschlossen wurden“, sagte er.

Die staatliche russische Rundfunkanstalt WGTRK hat bereits bekanntgegeben wegen des Startverbots der Sbornaja auf eine Übertragung der Spiele zu verzichten. Dass der ebenfalls von den IOC-Sanktionen betroffene Generaldirektor von Gazprom-Media Dmitri Tschernyschenko auf seinen Kanälen überträgt, scheint ebenfalls ausgeschlossen.
Noch ist natürlich keine endgültige Entscheidung über einen Boykott gefallen.

Skisprungchef Dmitri Dubrowski sprach sich für einen Start der russischen Athleten in Pyeongchang aus. Auch der zweifache Biathlon-Olympiasieger Sergej Tschepikow bat um Unterstützung für russische Sportler, die bereit seien unter neutraler Flagge zu starten. „Wir wissen, dass sie Russen sind und unsere Unterstützung brauchen“, sagte er.

Die russischen Offiziellen sperrten am Abend die ausländische Presse aus. Vor russischen Journalisten sagte Schukow, dass nun die russische Sportwelt gemeinsam entscheiden müsse, ob sie die Bedingungen für die Teilnahme annehme. Doch die Entscheidung liegt natürlich bei einem Mann: Wladimir Putin wird am Mittwoch in Moskau beim Allrussischen Freiwilligen-Kongress Russlands Position zu dem Thema kundtun. Einiges deutet darauf hin, dass er die harte Boykott-Variante wählt.

Für den Kreml ist dies die bequemste Lösung: Im März stehen Präsidentenwahlen an. Die staatlichen Medien haben Russland seit Monaten als Opfer einer Sport-Intrige dargestellt, Kronzeuge Grigori Rodtschenkow gilt als Hochverräter, insofern wäre ein Olympia-Verzicht nur folgerichtig. Putin könnte damit Stärke demonstrieren. Die Mehrheit der Russen würde diesen Schritt abnicken.

Für die sauberen russischen Sportler wäre der Boykott eine Tragödie: Ihnen würde die Chance auf eine Medaille genommen. Für die meisten Athleten eine einmalige Möglichkeit. Auf das russische Leistungssportsystem kommen in jedem Fall nun drastische Umwälzungen zu. Das Fördersystem ist womöglich noch mehr als in anderen Ländern auf gute Statistiken fixiert. Bei einem Boykott gibt es keine Medaillen, ohne Edelmetall drohen massive Kürzungen für den Wintersport.

Die berühmte russische Eiskunstlaufschule oder das ohnehin kommerziell erfolgreiche russische Eishockey werden davon nicht untergehen, aber andere Sportarten können ohne staatliche Finanzierung nur schwer überleben. Die selbst gewählte Isolation bedeutet zudem, dass russische Athleten auch künftig keine Möglichkeit haben an Wettkämpfen teilzunehmen. Der russische Leistungssport wäre damit auf Jahre geschwächt.

Die zweite Möglichkeit ist ein Einlenken des Kremls und das Eingeständnis von Fehlern. Auch dies würde eine Kurskorrektur für das russische Sportsystem und potenziell zunächst ein paar Medaillen weniger bedeuten. Stärkere Kontrolle und Transparenz bieten aber auch die Chance auf einen Neuanfang und die Rückkehr in die olympische Bewegung.

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7 Kommentare zu "IOC-Entscheidung: Russland geht nach Olympia-Ausschluss in Isolation"

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  • FRAGE an Handelsblatt, ihre Artikeln ähneln sehr der Süddeutschen Zeitung, der Welt, ... haben sie abgeschrieben oder wurde der Text von "irgendwoher" vorgegeben?

  • Interessant, hat sich der Journalist von Handelsblatt die Begründung der Sperrung durchgelesen? Hat es überhaupt jemand getan?
    ... da wir keine konkreten Beweise für das Doping gefunden haben, ist es ein deutliches Zeichen für uns, dass hier systematisch auf hoher Ebene gedopt wurde ... So ungefähr das Wortlaut der Begründung!!!

    Das Zweite ist, der einziger Zeuge ist der genannte Rodschenkow. Der in Russland für Anti-Doping zuständig war. Dort für Dopingverteilung unter Sportlern (teilweise Verteilung ohne Wissen der Sportler) beschuldigt wurde, nach USA geflüchtet ist und tritt dort jetzt als einzige Zeuge auf.

    Das Dritte ist, wenn es tatsächlich mal sein sollte. Mal angenommen ...
    Nicht die Russen haben die Sportler auf Doping geprüft, sondern die WADA, die IOC, ... also die Agenturen selbst!!! Somit verlief es unter anderem unter deren Deckung! Wer von denen übernimmt jetzt die Verantwortung für das Handeln?

  • ...
    Und geht auf die Barrikaden, wenn das staatliche Fernsehen weiterhin diesen Schurken eure Gebühren-Millionen/Milliarden hinterherwirft! Boykottiert die Sponsoren, solange sie diese unwürdigen Spiele unterstützen! Und: spielt lieber Pokémon Go!
    Postfaktische Welt?
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
    Viel Spaß beim Anhören!

    Und im übrigen: IOC- und FIFA/UEFA-Top-Funktionäre erfüllen nicht einmal die selbst gestellten ethischen Anforderungen!

    Wie kann es weitergehen? Z.B. durch Neuaufbau entsprechender alternativer Sportverbände, die sich wieder auf sportliche Ideale und olympische Traditionen besinnen! Das könnte auch heißen, dem Amateursport wieder breiteren Raum einzuräumen. Ein weites Feld für innovative, motivierte und idealisierte Sportler und Sportbegeisterte! Ob sich Politik, Medien (ARD und ZDF), Sponsoren darauf einlassen? Skepsis ist angebracht!

  • Ob FIFA, UEFA oder IOC, Geld regiert auch die Sport-Welt, juchhe! Insofern hätte ich es begrüßt, wenn ARD und ZDF diese mafiösen Organisationen nicht mehr unterstützen würden. Leider war das ein Trugschluß!
    Die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports in Verbindung mit der Hofierung schlimmster Despoten und allen daraus resultierenden Auswüchsen (Korruption, Bestechung, Schiebung, Doping,...) wie z.B. dem Fall des illegalen Tickethandels des IOC-Funktionärs Patrick Hickey oder auch den "ahnungslosen" Geldflüssen rund um das Fußball-Sommermärchen in Deutschland ist ein unumkehrbarer Prozess. Das hat schon der Philosoph Sloterdijk richtig analysiert! Und dementsprechend schreitet die Gigantomanie munter voran: Ausdehnung der Fußball-WM auf 48 Mannschaften, Ausweitung der Spieltermine in der deutschen Fußball-Bundesliga zu Lasten der Amateurvereine,... Offensichtlich wird hier das Motto "schneller, höher, weiter" umgemünzt in "mehr $, mehr €, mehr Macht".
    Ansonsten waren die letzten Olympischen Spiele:
    Unsportlich! Dann lieber Pokémon Go!
    Durchsichtige Politik des Aussitzens! Null Toleranz mit heuchlerischen Funktionären!
    Die Heuchel-Sportler und die Heuchel-Sport-Funktionäre haben jeglichen moralischen Maßstab verloren. Dem Fass schlägt den Boden aus, dass sich die Funktionärselite auch noch als "härtest mögliche Aufklärer" gebärdet! Aber die Doping-Whistle-Blowerin Julia Stepanowa von den Olympischen Sommer-Spielen 2016 ausschließen! Und Russland bei den Winter-Spielen weiterhin zulassen, wenn auch nicht unter russischer Flagge. Und dies als humanitären Akt für die "sauberen" russischen Sportler verkaufen!
    Diese Sportfunktionärselite ist höchstens noch als Vorbilder für Drogenabhängige, Drogendealer und Mafiosi geeignet.
    Entlarvend, dass sich die Politik nicht vehement distanziert! Bleibt nur, dass sich die anständigen Bürger angewidert abwenden! Boykottiert die olympischen Spiele und die nächsten Fußball-Weltmeisterschaften im Fernsehen! Und geht auf ...

  • Gewonnen hat bei dieser Politische die Westliche Pharmaindustrie.
    Denn GEDOPPT SIND HEUTZUTAGE ALLE SPORTLER, die Frage ist nur, welche Doppingmittel nachweisbar sind und welche nicht.

  • Jetzt greifen die Verbrecher auch noch in die Sportwelt ein. Die Völkerverständigung durch den Sport wird unterbunden.
    Man stellt sich hin und verurteilt ein Land mit seinen Sportlern und tut so als wenn es nur in Russland Doping ohne jeglichen konkreten Nachweis gibt.
    Noch schlimmer finde ich dass sich in dieser Sache auch Spitzensportler positiv zu dem Ausschluss bekennen, wo Sie genau wissen wo gedopt wird. Sie lassen sich vor den Karren der politischen Eliten spannen und merken nicht wie Sie benutzt werden.
    Diese Sportler verachte ich auf das schärfste.
    Fragen wir doch mal den Amstrong oder die Williams wie Sie die Verurteilung des russischen Sport sehen.

  • >> Für die sauberen russischen Sportler wäre der Boykott eine Tragödie: Ihnen würde die Chance auf eine Medaille genommen. >>

    Wer DEFINIERT denn, wer SAUBER ist und wer nicht ? Wer hat denn DEFINIERT, wer in Sotschi SAUBER war und wer NICHT ?

    KEINER !

    Also hat man das ganze Land ausgeschlossen !

    Wer hat ANDERE Sportler aus anderen Ländern untersucht ?

    KEINER !

    Stalin läßt grüßen !

    POLITABSCHAUM !

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