Lebenstraum des 71-Jährigen ist in Gefahr Mayer-Vorfelder gerät unter Druck

Am 9. Juli 2006 will Gerhard Mayer-Vorfelder in Berlin nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaften zusammen mit der deutschen Mannschaft auf dem Podium stehen und den Himmel auf Erden erleben.

HB STUTTGART. So sieht sein Lebenstraum aus, doch der ist zur Zeit jeden Tag mehr gefährdet. Im Schiedsrichter-Skandal macht der DFB - Präsident keine gute Figur: Der 71-Jährige muss sich immer schärferer Angriffe erwehren, und als Krisenmanager bewährt sich eher der Geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger als der "Affärenprofi" aus Stuttgart.

Der Knackpunkt der Kritik an Mayer-Vorfelder: Das Schreiben des staatlichen Wettanbieters Oddset vom 23. August, in dem auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei zwei von Robert Hoyzer geleiteten Spielen hingewiesen wurde, löste beim DFB nicht gerade Aktionismus aus. Mayer-Vorfelder war zu diesem Zeitpunkt noch alleiniger Verbandschef und hatte aufreibende Wochen mit der Suche nach einem neuen Bundestrainer hinter sich.

"MV hat damals von diesem Brief nichts gewusst", verteidigte Zwanziger seinen Amtskollegen. Warum nicht, blieb bislang unbeantwortet. Für Verwirrung sorgte Mayer-Vorfelder, als er am Sonntagabend in der ARD sagte: "Dass Oddset uns gewarnt hat, das stimmt nicht." Tags darauf versuchte der DFB zu korrigieren. Die Aussagen Mayer-Vorfelders seien "im Gesamtzusammenhang" nicht richtig wiedergegeben worden.

Nun prüft der DFB laut Zwanziger rechtliche Schritte gegen Medien, die ihm und Mayer-Vorfelder vorgeworfen haben, sie hätten die frühzeitigen Hinweise des Wettanbieters Oddset auf Unregelmäßigkeiten geleugnet oder verschleiern wollen. Gegen die Lawine an Kritik, die auf Mayer-Vorfelder zurollt, kann sich der Jurist mit diesen Warnungen nicht wehren.

"Tatenloser DFB: Niemand knöpfte sich Hoyzer vor", titelte am Mittwoch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Und "Bild" schrieb über "DFB-Boss Mayer-Vorgestern": "Er hat seinen Laden nicht mehr im Griff." Bei den Pressekonferenzen in den letzten Tagen in der DFB - Zentrale in Frankfurt/Main hatte Zwanziger das Zepter in die Hand. Er sowie die "Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen" bilden in erster Linie das Krisenmanagement.

Mayer-Vorfelder sieht sich ohnehin lieber als der "Global Player" des DFB: Er ist Mitglied der Exekutivkomitees der FIFA und UEFA sowie Aufsichtsratsvorsitzender des WM-Organisationskomitees und hat seine Karriereplanung ganz auf die WM 2006 ausgerichtet. Doch beim Blick auf das Weltereignis stolpert der einstige Multi-Funktionär nun über die Fußfallen, die er möglicherweise vor der eigenen Haustür hat liegen lassen.

Als Fußball-Funktionär, CDU-Politiker und baden-württembergischer Finanzminister hat Mayer-Vorfelder wie kaum ein anderer Negativ- Schlagzeilen geprägt - und in seinen Ämtern überlebt: die Toto-Lotto- Affäre, den Steuerskandal um Steffi Graf, den Kokainfall um Christoph Daum. Wenn er kurz vor der WM im eigenen Lande sein Amt beim größten Sportfachverband der Welt verlieren würde, wäre dies seine größte Niederlage.

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