Olympia

Die Winterspiele sind bei europäischen Städten und Standorten in der aktuellen Form unbeliebt.

(Foto: AFP)

Olympia ohne Europa So unbeliebt waren Winterspiele noch nie

Die Bevölkerung in den klassischen Wintersportregionen der Alpen und Skandinaviens wollte von Olympia zuletzt nichts mehr wissen. Frühestens 2026 könnten die Spiele wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren.
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MünchenE kam, wie es kommen musste. Es standen nur zwei Kandidaten auf dem Wahlzettel, als die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) zuletzt über den Austragungsort der Winterspiele 2022 zu entscheiden hatten: Almaty und Peking. Zwei asiatische Millionenstädte, in denen kein Politiker auf die Idee käme, die Leute zu befragen, ob sie die Spiele vor der Haustüre mögen oder nicht. Die zwei Hauptstädte sind aber auch tausende Kilometer entfernt von jenen Orten in Europa, an denen sich die weltbesten Skifahrer und Rodler, Biathleten und Langläufer heimisch fühlen.

Letztlich setzte sich in der Abstimmung im IOK Peking durch. So oder so war klar, dass die Winterspiele nach Pyeongchang zum zweiten Mal in Folge in Asien stattfinden würden. Zum bislang letzten Mal in Europa war Turin 2006 Ausrichter der Winterspiele. München scheiterte mit der Bewerbung für 2018 an Pyeongchang. Die ersten Winterspiele fanden 1924 im französischen Chamonix statt. Nun wird Olympia in der kalten Jahreszeit frühestens 2026 wieder zu seinen Wurzeln in Europa zurückkehren – allerdings nur, falls die Wähler bald umdenken.

Noch nie waren die Olympischen Winterspiele so unbeliebt. Sei es nun im Schweizer Bergkanton Graubünden, im benachbarten Tirol, in Oslo oder München. In den klassischen Wintersportregionen Europas hat sich die Bevölkerung allerorten in den vergangenen Jahren gegen das Sportspektakel ausgesprochen.

„Wir haben ein Imageproblem“, klagte gerade René Fasel, IOK-Mitglied und Präsident des Internationalen Eishockeyverbands in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Zuletzt hatten sich die Menschen in Tirol im Herbst gegen eine Bewerbung für die Spiele 2026 entschieden. „Das tut weh“, bekannte der Schweizer Funktionär. Gerade Tirol, jene Keimzelle des Wintersports, Ausrichter der Spiele 1964 und 1976, Heimat des spektakulärsten Skirennens der Welt in Kitzbühel.

Die weit verbreitete Skepsis ist nicht überraschend angesichts der gewaltigen Dimensionen, die Olympia angenommen hat. Mehr als zehn Milliarden Euro haben sich die Südkoreaner die Veranstaltung in Pyeongchang kosten lassen. 30 Jahre nach den Sommerspielen von Seoul sollen die Investitionen aus der Region in der Provinz Gangwon ein Wintersport-Mekka machen. Eine riesige Summe und doch wenig im Vergleich zu den 50 Milliarden, die Russland für die Winterspiele in Sotschi 2014 ausgab.

„Olympia stirbt“, warnte denn auch jüngst Wolfgang Maier, der Alpinchef des Deutschen Skiverbands. Jede Weltmeisterschaft sei besser organisiert als die Olympischen Spiele. Zudem gebe es in Asien kein Interesse an den meisten Wintersportarten. Die Zahlen geben ihm Recht: Zwei Tage vor der Eröffnung war noch knapp ein Viertel der Eintrittskarten für die Wettbewerbe zu haben. Nicht gerade imagefördernd war dieses Jahr im Vorfeld der Spiele zudem das Gezerre um russische Athleten, denen das IOK das Startrecht wegen gravierender Dopingverstöße in ihrem Heimatland verweigerte.

Der deutsche Skistar Felix Neureuther prangert schon lange den ausufernden Kommerz bei Olympia an. „Es kann nicht sein, dass Milliarden von Euro ausgegeben werden müssen, damit die Spiele stattfinden“, kritisierte der Athlet jüngst. Große Hoffnung auf Besserung hat der Sportler nicht, der während der Spiele in Pyeongchang verletzungsbedingt pausieren muss. „Leider ist es insgesamt schwierig, in diesem System etwas zu ändern.“

Immerhin, die Spiele werden nicht noch größer. In vier Jahren in Peking werde es keine zusätzlichen Sportarten geben, teilte das IOK diese Woche mit. „Peking hat nicht nach neuen Sportarten für das Programm gefragt“, sagte IOC-Vizepräsident Juan Antonio Samaranch junior.

In Pyeongchang ist das noch anders. Dort feiern einige zusätzliche Disziplinen Premiere: Big Air auf Snowboards und Skiern, das Massenstartrennen im Eisschnelllauf, Mixed im Curling. Der Parallel-Slalom der Snowboarder hingegen wurde gestrichen. Zuletzt war Shorttrack 1992 in Albertville hinzugekommen, Curling war 1998 nach 74 Jahren Pause wieder aufgenommen worden.

Selbst die Sportartikelindustrie, die sonst um jeden Euro Umsatz kämpft, sieht die Olympischen Spiele inzwischen kritisch. „Wir wünschen uns, dass der Sport im Vordergrund steht und nicht das Geld“, betont Kim Roether, Chef der Sporthandelskette Intersport.

Inzwischen hat das IOK erkannt, dass es nicht mehr weiter gehen kann wie bisher. Kurz vor dem Start der Spiele präsentierten die Funktionäre einen Plan mit 118 Reformpunkten, die Bewerbungen der Städte wieder attraktiver machen sollen. „Dies sind die größten Einsparungen in der Geschichte Olympischer Spiele. Es ist ein fundamentales Umdenken“, sagte IOK-Präsident Thomas Bach.

Kleinere Stadien sollen künftig reichen, die vorhandene Infrastruktur besser genutzt werden. Ob das alles bei der Bevölkerung verfängt? Der Walliser Ort Sitten will für 2026 ins Rennen gehen, auch Graz zusammen mit Schladming sowie das norwegische Telemark planen eine Kandidatur. Zudem sind Calgary in Kanada und das japanische Sapporo interessiert. Bewerbungsschluss ist der 30. März.

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