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Segelstar Jochen Schümann „Da entsteht etwas ganz Neues“

Der deutsche Segelstar Jochen Schümann will mit der neu geformten deutschen Nationalmannschaft seinen Sport wieder ins Rampenlicht rücken. Im Interview spricht er über verpasste Vermarktungschancen, unübersichtliche Wettkämpfe, neue Sponsoren und ein mögliches deutsches Team im America's Cup.
  • Ingmar Höhmann
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Jochen Schümann:

Jochen Schümann: "Wären wir im Fußball, würden wir in der Champions League spielen."

(Foto: Pressebild)

Herr Schümann, Sie sind derzeit rund ums Mittelmeer beim Audi Med Cup unterwegs - eine der wichtigsten Regatten im weltweiten Segeln. Der Laie blickt jedoch gar nicht mehr durch. Es gibt so viele Wettbewerbe: America's Cup, Volvo Ocean Race, Louis Vuitton Trophy, Audi Med Cup - hat das professionelle Segeln ein Darstellungsproblem?

Für die Vermarktung von Top-Events ist der Segelsport tatsächlich nicht gut strukturiert. Die Segelwelt müsste einmal innehalten und sich neu organisieren. Das wäre eine Aufgabe für die internationalen Verbände, doch das lässt sich kurzfristig kaum durchsetzen. Das Segeln hängt von der Marine-Industrie ab, die unendlich viele Schiffe täglich neu entwirft und verkauft. Dadurch entstehen wieder neue Schiffsklassen, in denen dann Regatten stattfinden. So wird das Durcheinander immer größer. Für die Vermarktung eines Events ist das ein Desaster. Ein einzelnes Team oder ein einzelner Sponsor ist da machtlos. Daher sind wir froh, dass Audi sich beim Med Cup engagiert. Von Hospitality bis zum Austragungsort ist alles professionell organisiert und attraktiv für die Top-Teams. So etwas brauchen heute moderne Segelevents.

Sie nennen den Med Cup die Champions League des Segelns. Lässt sich der Sport wirklich mit dem Fußball vergleichen?

Ich versuche immer, bekannte Vergleiche heranzuziehen. In Deutschland ist Fußball nun einmal gängiger als Segeln. Mein Med-Cup-Team All4One ist keine Nationalmannschaft, aber ein Profiteam im höchstmöglichen Wettbewerb unseres Sports. Wären wir im Fußball, würden wir in der Champions League spielen.

Segeln ist allerdings nicht so populär...

Es segeln schon sehr viele Leute. Es gibt Hunderte Marinas in Deutschland, die voll mit Schiffen sind - egal ob in Hamburg, München oder Berlin. Die Bandbreite im Segeln ist groß: Viele sind Windsurfer, andere segeln bei einer Regatta mit Traditionsschiffen aus Holz. Die Einstiegshürde ist generell in den vergangenen Jahrzehnten deutlich nach unten gegangen. Im Hochleistungssport ist Segeln allerdings nicht so professionell wie der Fußball organisiert. Segeln war immer ein sehr individueller Sport. Man brauchte früher ein teures Schiff und Matrosen, die es fahren. Der Aufwand macht es schwierig, daraus konsequent einen Profisport zu formen. Das funktioniert nur mit professionellen Partnern und Events. Der America's Cup hat vorgemacht, wie der Sport weltweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

Der America's Cup ist das Topevent des Segelns. Leider herrscht da ein ziemliches Durcheinander. Der letzten Austragung gingen endlose Rechtsstreitigkeiten um technische Details der Boote voraus. Gewonnen hat schließlich der exzentrische Chef des Softwarekonzerns Oracle, Larry Ellison, mit seinem Team BMW Oracle. Ist die große Zeit des America's Cup vorbei?

Der America's Cup wird nie ganz an Bedeutung verlieren, dazu hat er eine zu große Historie. Der Rechtsstreit hat dem Wettbewerb aber sicher geschadet. Es ist schwer, wenn ein so unabhängiger Mann wie Larry Ellison, mit dem Charakter, den er ab und zu zeigt, den Cup dominiert. Er tut seinem Team und seinen Sponsorpartnern auf diese Art keinen Gefallen. Letztlich gibt er zu verstehen: Ich brauche keinen Partner, ich kann das allein. Vielleicht will er auch sagen: Neben mir gibt es keine Mitwettbewerber.

Krankt der Segelsport an der Abhängigkeit von den vielen reichen Mäzenen?

Wenn es so viele wären, wäre das gut - denn dann würde es auch viele Teams geben. Aber scheinbar gibt es nur wenige Verrückte, die so viel Geld ausgeben wie Larry Ellison. Es gibt im Übrigen auch viele Deutsche, die teure Rennyachten haben und bei Regatten mitfahren. Warum soll das falsch sein?

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