Selbstverteidigung Krav Maga Tief einatmen, dann schreie ich: „Ver-piss-Dich“

Nicht ganz wohl fühlt sich die Handelsblatt-Redakteurin in einer Turnhalle nahe Köln. Alle sind zwar sehr nett. Doch schnell wird die Lage bizarr: Schreien, Treten und Schlagen ist angesagt. Beim Training von Krav Maga.
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Zwei Sportler trainieren Krav Maga. Die israelische Selbstverteidigung vereint Abwehr und Vermeidung von Gefahren. Quelle: dpa
Selbstverteidigung Krav Maga

Zwei Sportler trainieren Krav Maga. Die israelische Selbstverteidigung vereint Abwehr und Vermeidung von Gefahren.

(Foto: dpa)

Bergisch-Gladbach„Ihr schreit laut ‚verpiss Dich‘“, sagt Trainer Patrick Conee. „Dann kommt der Tritt, die zwei Schläge und zwar immer im Rhythmus. Macht dem Typen deutlich klar, was passiert, wenn er sich jetzt nicht verzieht.“ Die Trainingsgruppe aus etwa 15 Frauen und Männern legt los.

Mein leicht verunsicherter Blick trifft meinen Trainingspartner, der mich aufmunternd über das dick gepolsterte Pad hinweg ansieht und dieses nun zwischen seine Knie klemmt. Er gibt noch einen nicht ganz unwichtigen Hinweis: „Ruhig ordentlich zutreten“, und verweist auf seinen Tiefschutz.“ Jetzt zu kneifen verbiete ich mir.

Also: Tief einatmen und: „Ver-piss-Dich“, schreie ich in bestenfalls mittelprächtiger Lautstärke, konzentriere mich auf die Bewegung: Tritt, Schlag, Schlag, Wiederholung. Was mich an diesem Nachmittag in die Bergisch Gladbacher Turnhalle führt, dient sozusagen dem besseren Verständnis eines Trends: Deutschlandweit ist die Schar derjenigen, die sich in zahlreichen Kursen und Seminaren in Selbstverteidigung üben, massiv gestiegen.

Zwar mangelt es auf dem zersplitterten Markt an Gesamtzahlen, auf Nachfrage belegen aber unzählige Einzelanbieter und Kampfsportverbände wie etwa der Deutsche Karateverband eine deutlich steigende Nachfrage. „Das Thema ist seit etwa fünf Jahren in den Fokus gerückt. Seit der Silvesternacht 2015 noch stärker als zuvor“, sagt Frank Miener vom Deutschen Karateverband.

Die Entwicklung bestätigt auch Selbstverteidigungsprofi und Buchautor Carsten Draheim, bei dem ich nachfrage: „War es früher die Angst vor dunklen Ecken auf Partys oder im Wald, sind es jetzt zunehmend öffentliche Plätze wie Bahnhöfe oder öffentliche Verkehrsmittel, die als unsicher wahr genommen werden. Hinzu kommt das Gefühl, sich nicht auf die Hilfe Dritter verlassen zu können“, sagt er.

So verteidigt sich die israelische Armee
Krav Maga Trainer Carsten Draheim
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Carsten Draheim ist vom Verteidigungsministerium bestellter Nahkampfausbilder für Soldaten bei der Bundeswehr und Dienstleister in diesem Bereich für die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen.

Schmerzhaft!
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An den Haaren ziehen als Selbstverteidigung. Was wie eine Mädchendisziplin klingt, kann schmerzhaft enden. Auch die Autorin muss einstecken.

Harte Schläge gegen die Pratze
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Vor dem Zuschlagen tief einatmen und „Verpiss dich!" rufen. So wird der Angreifer verschreckt und man zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Trainer Patrick Conee zeigt neue Techniken
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Man muss dem Angreifer deutlich machen, was passiert, wenn er nicht verschwindet.

Trainingspartner
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Wenn ein Schlag sitzt und der Trainingspartner das Gesicht verzieht, tut es einem erst Leid, doch man ist auch ein wenig stolz.

Mit dem Spann zutreten
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Der Rhythmus zwischen Schlägen und Tritten muss stimmen.

90 Minuten Kraftakt
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Schnelles Laufen, Schlagen, Treten, Liegestütze - Nach dem Training ist ein Muskelkater vorprogrammiert.

Draheim ist Inhaber des Kravolution Krav Maga Instituts. Dabei kommt der für deutsche Ohren höchst ungewöhnliche Begriff „Krav Maga“ aus dem Hebräischen und bezeichnet ein israelisches Selbstverteidigungssystem, das inzwischen weltweit von immer mehr Privatpersonen, aber auch Berufsgruppen wie Polizisten, Feuerwehrmännern oder Soldaten trainiert wird.

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