Sport und Politik NBA-Profi Kanter bekennt Farbe gegen Erdogan

Enes Kanter, als bester Basketball-Spieler der Türkei ein nationales Sportidol, bediente sich Twitter, um seine Opposition in den krassesten Tönen dar zu legen. Er bezeichnete Erdogan als „Hitler“ des 21. Jahrhunderts.
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Der türkische Basketballprofi nutzt seine mediale Präsenz, um sich öffentlich gegen Erdogan zu positionieren. Quelle: AP
Enes Kanter

Der türkische Basketballprofi nutzt seine mediale Präsenz, um sich öffentlich gegen Erdogan zu positionieren.

(Foto: AP)

New YorkEnes Kanter war eigentlich viel zu gut drauf an diesem Dienstag, um über die politische Weltlage zu philosophieren, der türkisch-stämmige Basketball-Profi hatte gerade einen Vertrag bei den New York Knicks unterschrieben. Nun glühte er vor Vorfreude auf sein Leben in der großen Stadt, von Restaurants und Nachtclubs und Spielen im Madison Square Garden. Schließlich hatte Kanter gerade zwei Jahre in Oklahoma City zugebracht – nicht gerade eine Stadt, von der ein 25 Jahre junger Sportstar träumt.

Doch in diesen Tagen kommt man im US-Sport an der Politik nur schwer vorbei, Donald Trump hat den Berufsathleten das Thema vergangene Woche regelrecht aufgezwungen und die Basketball- sowie die Footballspieler haben dankend angenommen. So hielt auch Kanter nicht hinter dem Berg, als er bei seiner Begrüßungspressekonferenz in New York gefragt wurde, was er von den Protesten seiner Kollegen gegen Rassismus, Polizeigewalt und auch gegen Donald Trump hält. „Ich finde es fantastisch, dass immer mehr Sportler ihre Stimme erheben und darüber reden, was nicht stimmt in diesem Land. Jeder von uns sollte sich zu Wort melden“, sagte er.

Wenn einer wie Kanter so etwas sagt, dann hat das Gewicht. Er nutzt seine Prominenz als Sport-Ass schon lange, um politisch Farbe zu bekennen, weitaus länger, als seine amerikanischen Kollegen, die erst in den vergangenen Monaten beginnen, sich zu den Vorgängen im Land zu äußern. Und Kanter weiß wie kaum ein anderer, wie groß das Risiko als Sportler ist, sich all zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Kanter begann, sich nach dem vermeintlichen Staatsstreich gegen Erdogan in der Türkei im Sommer 2016 zu Wort zu melden. Kanter lebte zwar schon seit 2009 in den USA, er zog damals nach Kalifornien, um in einer High School das Basketball-Handwerk zu lernen. Doch der enge Kontakt zur Heimat riss nicht ab, Kanter spielte für die türkische Nationalmannschaft und verbrachte viel seiner spielfreien Zeit bei seiner Familie in Istanbul. So betrafen ihn der Coup und die Folgen ganz persönlich. Kanter war auf eine Schule des weltlichen islamischen Geistlichen Fethullah Gülen gegangen und ist bis heute ein Anhänger dessen liberaler sozialer Bewegung.

Nach dem Coup von 2016 fielen jedoch in der Türkei die Gülen-Anhänger in Ungnade. Sie wurden zu Tausenden eingesperrt und gefoltert, unter den Opfern befanden sich zahlreiche Freunde von Kanter. Kanter, als bester Basketball-Spieler des Landes ein nationales Sportidol, bediente sich damals Twitter, um seine Opposition in den krassesten Tönen dar zu legen. Er bezeichnete Erdogan als „Hitler“ des 21. Jahrhunderts und prangerte lauthals die Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland an.

Türkische Regierung schlägt zurück
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2 Kommentare zu "Sport und Politik: NBA-Profi Kanter bekennt Farbe gegen Erdogan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin schockiert und überrascht zu lesen, das die Türkei ( wenn Sie in die EU aufgenommen wäre) das ärmste Land wäre.
    Ich würde als "Handelsblatt Sport Reporter" , auch nur über Sport berichten.
    Und nicht irgendwelche unwahrheiten in die Welt zu verbreiten, vor allen nicht im Handelsblatt. Bitte überprüfen Sie noch mal Ihre aussage und fairer weise korrigieren Sie es auch. Denn das würde ich als echte und richtige Journalisten arbeit verstehen.

  • Wie um alles in der Welt kommt der Verfasser dieses Artikels darauf, dass die Gülen-Bewegung "liberal" sei?
    Die Gülen-Bewegung ist nationalistisch und stellt den Islam über den Staat.
    Peinlich, solches Unwissen in einem eigentlich so renommierten Blatt!

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