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Sport-Vermarktung TV-Anstalten lassen Exotensport links liegen

Unterwasserrugby, Kanu-Polo oder Lacrosse: Randsportarten haben kaum eine Chance, im Fernsehen gezeigt zu werden. Einige setzen deshalb auf die Übertragung im Internet - oder hoffen darauf, von TV-Showmaster Stefan Raab entdeckt zu werden. Pro Sieben hat seit 2003 immer wieder Randsportarten ins Fernsehen gebracht.
Showmaster Stefan Raab nach seinem Sieg bei einem Stock Car Rennen. Seit 2003 hat Raab immer wieder Randsportarten ins TV gebracht. Quelle: dpa

Showmaster Stefan Raab nach seinem Sieg bei einem Stock Car Rennen. Seit 2003 hat Raab immer wieder Randsportarten ins TV gebracht.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Unterwasserrugby-Spieler haben sich längst damit abgefunden: Sie werden wohl nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Ihr Sport taugt fürs Fernsehen nicht - das Gewusel unter Wasser ist zu undurchsichtig. "Wir suchen nur Sportarten, die sich im TV darstellen lassen", sagt Michael Ostermeier, Sprecher von Pro Sieben. Der Sender hat seit 2003 als einziger immer wieder Randsportarten ins Fernsehen gebracht. Dabei setzt er auf Promis, die mit ihrem Ungeschick etwa in der Sportgymnastik oder beim Eisfußball für Lacher sorgen.

Für Exoten im Sport ist das die einzige Möglichkeit, mehr Publikum für sich zu gewinnen. Denn die Medien interessieren sich neben Fußball fast ausschließlich für sportliche Großereignisse, so dass die meisten Randsportarten keine Chance auf eine Vermarktung haben. "Es drängen so viele Sportarten in die Medien, dass es Exoten schwer haben", sagt Alexander Krause, Sprecher der Kölner Sponsoringberatung Sport + Markt. "Nur wenn ein Format wie ,TV-Total? von Moderator Stefan Raab die Sportart aufgreift, kann sie schnell bekannter werden."

Einen Platz bei Raab strebt bestimmt nicht jeder Randsportler an - auch wenn die meisten sich über mehr Interesse an ihrem Sport freuen. Oft helfen sich die Spieler daher selbst. Beim Unterwasserrugby stellen sie wichtige Spiele ins Internet. Dabei sind die Regeln für Außenstehende leicht nachzuvollziehen: Ausgerüstet mit Flossen, Schnorchel und Tauchermaske müssen die Spieler den Ball so oft wie möglich in den auf dem Beckenboden stehenden Korb der gegnerischen Mannschaft versenken. Der Torwart liegt mit dem Rücken auf dem Korb, der Verteidiger positioniert sich davor. Jede Position ist zweimal besetzt, sodass ein Spieler an der Wasseroberfläche Luft holen kann, so lange der andere unten um den Ball kämpft.

Auch die Kanu-Polo-Spieler gehen eigene Wege, um mehr Anhänger für ihre Sportart zu finden. Bei der Europameisterschaft im August in Essen war zum ersten Mal ein Internet-Live-Stream verfügbar. Zuschauer sehen, wie die Spieler in Kajaks sitzen, dabei den Ball mit der Hand werfen oder mit dem Paddel schlenzen. Die Tore befinden sich an den Seiten des Spielfelds in zwei Metern Höhe.

Ohne mediale Präsenz fehlen den Sportlern finanzielle Mittel. Wegen der geringen Bekanntheit erhalten nur wenige Mannschaften von Exotensportarten Spenden oder Geld von einem Sponsor, sodass die Spieler häufig die Kosten für Ausrüstung und Fahrten zu den Partien selbst tragen müssen. Lediglich in den oberen Spielklassen können die Vereine die Sportler unterstützen.

Reinhard Schottmüller vom Tauchsportverein Malsch, wo auch Unterwasserrugby gespielt wird, sagt: "Sponsoren sind da, wo die Medien sind. Ohne bessere Medienpräsenz werden auch die Sportler und ihre Vereine nicht mehr Sponsoren finden." Peter Späth, Vorstand des Tauch-Clubs Stuttgart, ergänzt: "Ohne Mäzen fließen Sponsorgelder meist gezielt einer Marketingstrategie folgend in populäre Sportarten wie Fußball, Formel 1 oder in olympische Disziplinen."

Nicht alle Sportler sind mit ihrem Platz in der zweiten Reihe zufrieden. Einige gehen selbst auf die TV-Anstalten zu. "Wir hatten kürzlich die Anfrage, ob wir ein Format für die Übertragung der Weltmeisterschaft im Rasenmähen entwickeln können", sagt Pro-Sieben-Sprecher Ostermeier. "So etwas passiert ständig." Die Ideen für "Schlag den Raab", wo der Sender Randsportarten ein Forum bietet, stammen aber von den TV-Machern selbst. "Das sind spontane Ideen bei uns, die wir zu einem größeren Format aufbauen", sagt Ostermeier.

Ohne Fernsehen verbreiten sich Sportarten nur, wenn sie schon im Ausland populär sind. So lernen viele Studenten Exotensportarten während eines Auslandsaufenthalts in einer Hochschulmannschaft kennen. "Wenn eine Sportart bereits in einem anderen Land beliebt ist, hat sie eine bessere Chance, auch in Deutschland bekannt zu werden", sagt Sponsoring-Experte Krause.

Ein Beispiel ist das alte indianische Spiel Lacrosse, das in Kanada als Nationalsport gilt. Auch in Deutschland gibt es eine wachsende Fangemeinde. "Der Lacrosse-Stick, mit dem wir durch die Stadt gehen oder in Parks spielen, weckt oft Interesse, die Sportart auszuprobieren", sagt Christopher Humke, Sprecher der Lacrosse-Abteilung des HTC Stuttgarter Kickers. Mit einem netzartigen Schläger - dem Stick - passen und fangen die Spieler einen Hartgummiball und versuchen, ihn mit Geschick ins gegnerische Tor zu schleudern.

Doch ohne Fernseh-Übertragungen wird sich auch Lacrosse kaum als Konkurrenz zum König Fußball in Deutschland etablieren können. Für die Sportart spricht freilich, dass die Grundausstattung nur 40 Euro kostet.Beim Kanu-Polo ist die Ausrüstung hingegen deutlich teurer. "Bei uns fährt nicht immer die beste Mannschaft zu einer Meisterschaft, sondern die, die es sich leisten kann", sagt Jochen Schröder, Sprecher des Deutschen Kanu-Verbands. Kanu-Polo hat immerhin bessere Voraussetzungen, für das Fernsehen entdeckt zu werden als beispielsweise das Unterwasserrugby: Immerhin bietet ein Kajak attraktive Werbeflächen für Sponsoren.

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