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Sportler und Privatinsolvenz Pleite in der Nachspielzeit

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Fünf Millionen Euro reichen nicht

Ein Schicksal, das Pablo Thiam erspart blieb. Auch wenn der ehemalige Aktive des VfL Wolfsburg die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen haben mag, hat er es geschafft, nach der Profikarriere wieder zurück ins normale Leben zu finden. Als sportlicher Leiter der Akademie des VfL Wolfsburg versucht er, seine Erfahrungen schon früh an aufstrebende Talente weiterzugeben. Steigen die Jugendlichen in eines der Profiteams auf, werden sie oft von einem auf den anderen Tag zu Millionären. „Die haben in der Regel kein Gefühl für Geld“, sagt Thiam. Sie erliegen der Versuchung, ihr Geld für teuren aber unnötigen Luxus zu verprassen.

Seien seine Mannschaftskollegen und er früher noch mit dem Linien-Flugzeug in den Urlaub geflogen, würden Nachwuchsspieler heute gerne auch mal mit einem Privatjet auf die nächste Ferieninsel jetten, berichtet Thiam: „Viele orientieren sich dabei an den großen Stars und leben schnell über ihren eigenen Verhältnissen.“ Solange die Einnahmen hoch sind, scheint das zunächst kein Problem zu sein. Doch funktioniere das eben nur bis zum Karriereende. „Viele verstehen nicht, dass sie nach dem Fußball einen Beruf oder einen Plan brauchen“, sagt der Ex-Profi. Eine Karriere im Profisport dauert heute maximal 20 Jahre. Thiam prägt seinen jungen Talenten deswegen ein, dass ein bodenständiger Lebensstil sehr wichtig ist. Denn selbst wenn ein Sportler in der Zeit Millionengehälter kassiert, reicht das oft nicht für das ganze Leben. Klingt verrückt?

Ist aber so, sagt Rainer Zitelmann. Seit Jahren beschäftigt sich der Immobilien- und Finanzexperte mit der Leistungselite in Deutschland. Mit seiner Doktorarbeit „Psychologie der Superreichen“ hat er die erste wissenschaftliche Studie vorgelegt, die sich mit der Persönlichkeit von Bestverdienern auseinandersetzt, die ein mindestens zwei- bis dreistelliges Millionenvermögen haben.

„Fast alle Menschen überschätzen, wie viel vier oder fünf Millionen Euro sind“, sagt Zitelmann. Zwar klingt das für den Durchschnittsverdiener nach Reichtum. Denn selbst Fachkräfte und Akademiker verdienen im ganzen Leben zwischen 1,3 und zwei Millionen Euro. Was diese Einkommen jedoch meist sind: regelmäßig und gesichert. Sportler verdienen die Millionen in kaum der Hälfte der Lebensarbeitszeit. Doch ohne einen Plan versandet das Geld. Zitelmann macht folgende Rechnung auf: Legt der Profisportler seine fünf Millionen Euro konservativ an und erzielt nach Steuern und Inflation circa zwei Prozent Rendite, bleiben im Monat knapp 8.000 Euro. Das ist viel. Für den Lebensstil eines Boris Becker mit mehreren Wohnsitzen, einer Villa auf Mallorca und einem üppigen Fuhrpark aber: zu wenig.

Doch die hohen Ausgaben sind nur einer von vielen Faktoren, die Zitelmann zufolge in den Ruin führen können. Ebenfalls verheerend für die Altersvorsorge: Wenn Profisportler sich nach dem Ende ihrer Karriere als Unternehmer versuchen. Das gehe meistens schief. „Der Grund ist meist der Überoptimismus. Das wissen wir aus der wissenschaftlichen Forschung über die Persönlichkeit von Unternehmern.“

Am Ende führe dieser Optimismus meist zu falschen Einschätzungen. Das habe den ein oder anderen Profi bereits seine Altersvorsorge gekostet. Ebenfalls problematisch sind dann Steuersparfonds. Hier hätten viele Profisportler viel Geld verloren. „Die gute Nachricht ist, dass es diese Steuersparmodelle inzwischen nicht mehr gibt“, sagt Zitelmann.

Das Umfeld ist am wichtigsten
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