Tour de France Die unverwüstliche Geldmaschine

Die Tour de France geht in die entscheidende Phase, ab heute stehen die schwersten Berge auf dem Programm. Und trotz aller Skandale hat die Frankreich-Rundfahrt nichts von ihrer Faszination verloren. Auch ökonomisch zeigt sich das drittgrößte Sport-Event der Welt äußerst robust: Wo die Tour-Räder rollen, rollen auch die Euros, die Franken und die Dollar. Für Sponsoren lohnt sich das Investment in den Radsport - Doping hin, Doping her.
7 Kommentare
Begeisterung bei den Fans, gute Präsenz der Sponsoren: Der Franzose Thibaut Pinot vom Team FDJ-Bigmat auf der 8. Etappe bei der Zielankunft in Porrentruy. Quelle: dpa

Begeisterung bei den Fans, gute Präsenz der Sponsoren: Der Franzose Thibaut Pinot vom Team FDJ-Bigmat auf der 8. Etappe bei der Zielankunft in Porrentruy.

(Foto: dpa)

MâconCol du Grand Colombier. Ein Berg mit einem eindrucksvollen Namen. Für die Tour de France jedoch noch ein unbeschriebenes Blatt. Im Gegensatz zu solchen mit Mythen und Geschichten getränkten Giganten wie dem Col de la Madeleine in den Alpen oder dem Col du Tourmalet in den Pyrenäen (die beide auch im Kalender 2012 stehen) wird der 1.501m hohe Gipfel im französischen Jura-Gebirge zum ersten Mal von einen Tour de France-Peloton erklommen. Es handelt sich zudem um den ersten Berg der schwersten Kategorie bei dieser Tour. Nach 151,5 von insgesamt 194,5 km der 10. Etappe zwischen Mâcon und Bellegarde-sur-Valserine erhebt er sein Haupt. 17,4 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,1 Prozent müssen absolviert werden. Gleich zwei Mal verlangt der Grand Colombier mit 12 Prozent Steigung den Fahrern alles ab. Von hier an wird die Tour so richtig hart.

Eine Radwanderung war sie auch vorher nicht. Von den 198 blitzenden Rennrädern, die zum Start in Lüttich losrollten, sind nur noch 177 im Teilnehmerfeld verblieben. Der Franzose Rémy Di Grégorio wurde am Dienstag unter Dopingverdacht festgenommen, das Team Cofidis wird ohne ihn weiterfahren. Zuvor war unter anderem der deutsche Hoffnungsträger Tony Martin verletzungsbedingt ausgestiegen - er wird nicht der letzte sein. Ab Mittwoch wird es gerade für die Sprintspezialisten ein Kampf ums pure Ankommen werden. Aber ohne Ehrgeiz würde keiner der Fahrer Profi sein. Es winken den Sportlern nicht nur Ruhm und Anerkennung, sondern auch lukrative Werbeverträge. Denn da, wo Räder, rollen auch die Euros, die Franken und die Dollar.

Dies ist sogar der Hauptzweck der Tour de France. Das drittgrößte Sportevent der Welt wurde noch vor dem 1. Weltkrieg als Werbeplattform der Sportzeitschrift „l'Auto“ ersonnen. Seitdem ist es immer weiter gewachsen. Der Umsatz liegt nach Angaben der Veranstalter bei ca. 140 Millionen Euro. Die Summe ist aus dem Budget des weitgehend in Familienbesitz befindlichen Medienkonzerns Amaury, seit 1968 Besitzer vom „l'Auto“-Nachfolger „l'Equipe“ und damit auch der Marke Tour de France,  nicht einfach herauszulösen. Denn deren Sportabteilung ASO organisiert das ganze Jahr über noch andere Sportveranstaltungen, neben großen Radrennen auch die Dakar Rallye, den Paris Marathon und die French Open im Golf. Viele Werbepartner schließen ganzjährige Verträge ab und sind auch bei anderen Events präsent.

Hinzu kommt, dass weder die Tätigkeit der 47 Polizisten der Motorradeskorte der Tour de France noch die der ca. 23.000 Polizisten, die für die Straßenabsperrung während der drei Wochen sorgen, in Rechnung gestellt werden. Die Tour ist ein nationales Monument, ein Mythos und da greift sich der Staat gern selbst in die sprichwörtliche Tasche. Der französische Steuerzahler wird, egal ob Tour-affin oder wegen der vielen Dopinggeschichten eher verärgert, ganz ungefragt zur Kasse gebeten. Auch die Städte und Gemeinden, die die Tour haben wollen, geben, ohne Rücksprache mit der Bevölkerung, reichlich Geld aus. Rund 300.000 Euro kosten Start oder Ankunft einer Etappe, 1,5 Millionen der Grand Depart, der mehrtägige Tour-Auftakt. Dieses Investment lohnt sich aber. Eine Studie zu den Effekten des Starts in London im Jahre 2007 kam auf 73 Millionen Pfund an Einnahmen durch Tour-Tourismus in der britischen Hauptstadt und weitere 15 Millionen Pfund in der englischen Grafschaft Kent, durch die sich damals die erste Etappe zog.

Tour-Veranstalter ASO nimmt gehörig ein: um die 20 Millionen Euro Gewinn konstatieren Branchenkenner. Die Tour ist damit die „Cash Cow“ der Sportabteilung. Der Etat setzt sich zu etwa der Hälfte aus den Einnahmen für TV-Rechte zusammen. Angesichts von 60 live übertragenden TV-Sendern (insgesamt 90 Kanäle in 190 Ländern) macht sich der Ausfall von ARD und ZDF auf dem wichtigen deutschen Werbemarkt zumindest nicht so stark bemerkbar, dass die ASO ihr Geschäftsmodell ändern und beispielsweise radikal gegen erwiesene und mutmaßliche Sportbetrüger vorgehen würde. Zwar fehlt - aus eigenem Entschluss, möglicherweise aber auch aufgrund diskreten Drucks aus Paris - der in den USA in eine Dopingermittlung verwickelte Rennstallmanager von Radioshack, Johan Bruyneel. Bjarne Riis jedoch, Doping geständiger Tour-Sieger 1996, darf nach einer Anstandspause sein Team Saxo Bank wieder über Frankreichs Straßen lotsen.

Zweites Standbein: Sponsorengelder
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Tour de France - Die unverwüstliche Geldmaschine

7 Kommentare zu "Tour de France: Die unverwüstliche Geldmaschine"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ach, wenn schon. Diese Woche geht es in die Berge. Das ist Beste an der Tour! Ich freue mich jedes Jahr darauf. Heute gerade gewonnen Thomas Vökler! Freut mich!!!

  • Was für eine unlogische Behauptung, alle Asiaten zu pauschalisieren!

  • "Der französische Steuerzahler wird, egal ob Tour-affin oder wegen der vielen Dopinggeschichten eher verärgert, ganz ungefragt zur Kasse gebeten."
    Und wer fragt den deutschen Steuerzahler ob er den ganzen Fußballwahn will???
    Liebes Handelsblatt, es wäre zu schön gewesen das ganze mal sachlich und ohne Hetze zu beleuchten.
    Fuentes hatte 3/4 seiner Kunden außerhalb des Radsports (Fußball, Tennis,...) aber diese Kühe sind ja heilig.
    Ich fühle mich mehr betrogen von einem korrupten Fußballer, der ein Spiel verkauft und bei jeder Kleinigkeit heulen auf'm Rasen liegt als von einem Radsportler.

  • @Doping ...
    @Anonym
    Doping gibt es solange es den Tour de France (und anderen Profisport) gibt. Was soll's, das sind keine Sportler sondern Gladiatoren, die das Publikum ergötzen - das gab es schon im alten Rom. Die Folgen sind einkalkuliert.

    Den Leistungsdruck mildern? Geht nicht, dann findet keine Auslese mehr statt. Er ist seit dem ersten Tour ständig gestiegen, eben deshalb.

    Sich aufregen ist zwecklos.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

  • Oder man sollte einfach mal die Leistungsansprüche an diese Athleten senken. In 3 Wochen ca. 3.500 km absolvieren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43 km/h sind unmenschlich. Immer höher, schneller und weiter heißt das Motto um möglichst viele Menschen vor die Mattscheibe zu locken. Das manche Profis (bisher 1 von 198 Athleten) das körperlich nicht mehr schaffen ist verständlich wenn auch nicht akzeptabel.

    Fakt ist jedoch, dass c. 3.5 Milliarden Menschen (c. 170 Millionen Zuschauer pro Tag) das Spektakel jedes Jahr anschauen und sich von den Dopingskandalen nicht die Freude an diesem Sport nehmen lassen. Auch nicht von solchen Kommentaren, wie die meines Vorredners.

  • Vorab: Ich bin Sportfan und fahre selbst in der Freizeit mit dem Rennrad.
    Da der Profiradsport aber weiterhin nicht bereit oder in der Lage ist sich vom Dopingsumpf zu trennen, so sollte man der Verfahrensweise von ARD/ZDF folgen.
    Schweigen darüber!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%