Triathlon Der Kampf um die Sport-Besessenen

Triathlon ist eine stark wachsende Sportart. Und attraktiv für die Wirtschaft: Athleten sind sehr engagiert und meist Gutverdiener. Um diesen Markt streiten ein fränkisches Unternehmen und ein US-Finanzinvestor – rabiat.
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Triathlon gewinnt mehr und mehr an Popularität. Hier startet das große Altersklassenfeld zur Ironman European Championship im Langener Waldsee bei Frankfurt am Main Quelle: dpa
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Triathlon gewinnt mehr und mehr an Popularität. Hier startet das große Altersklassenfeld zur Ironman European Championship im Langener Waldsee bei Frankfurt am Main

(Foto: dpa)

BerlinZu dem Sportfest, das am Sonntag in einem fränkischen Nest stattfindet, werden mehr als drei Mal so viele Leute wie zum Champions-League-Finale von Berlin kommen. Beim Triathlon von Roth feuern wieder eine Viertelmillion die mehr als 4000 Athleten und Athletinnen am Straßenrand an. Der Bayerische Rundfunk überträgt einen halben Tag lang Live-Stream, die Sportschau berichtet.

Der Triathlon von Roth hat Tradition. Bei der Premiere in der Triathlon-Gründerzeit 1984 schwammen gut achtzig Verrückte zwar noch 700 statt wie heute 3800 Meter, radelten 40 statt 180 Kilometer und liefen 10 statt 42. Doch sie fuhren noch auf Rennrädern aus dem Kaufhaus, liefen in Jedermannturnschuhen, trugen Badehosen mit Seepferdchen. Und wenn sie sich umzogen, sah man nackte Hintern, weil es noch keinen Blickschutz gab.

Längst schwimmt man auch in Roth in auftriebsfördernden Neoprenanzügen, fährt auf aerodynamischen Rädern aus ultraleichtem Karbon. Triathlon ist professioneller geworden, aber auch zum Volkssport. Es gibt Weltklasseleute, die von ihrem Sport leben können, und immer mehr Amateure, die die Disziplin und die Kosten dieses extremen Ausdauersports auf sich nehmen. Zuletzt mit fatalen Konsequenzen, beim Rennen in Frankfurt am vorigen Sonntag starb ein dreißig Jahre alter Engländer.

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Der Ironman auf Hawaii ist eine der größten Herausforderungen, die der Sport bietet: 3,86 Kilometer Schwimmen gegen die Wellen im Pazifischen Ozean, 180,2 Kilometer Radfahren gegen unberechenbare Winde und 42,195 Kilometer Laufen bei glühender Hitze - der Ausdauer-Klassiker im Paradies treibt seine Teilnehmer an physische und psychische Grenzen.

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Und dennoch ist das Rennen auf Big Island - rund 3700 Kilometer entfernt von der Westküste der USA - für viele Triathleten das Ziel aller Träume. Hier die männlichen Profis kurz vor dem Start im Wasser. Jetzt gibt es kein zurück mehr und die Sportler sind voll konzentriert.

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Anschließen starten auch die Frauen in den Wettkampf. Die Idee zum Ironman auf Hawaii entstand 1978, als ein Schwimm-Wettbewerb, ein Rad-Rennen und ein Marathonlauf in ein Rennen zusammengeführt wurden. Zunächst starteten auf der Insel Oahu nur etwas mehr als ein Dutzend Männer. Doch schnell wurde das Rennen bekannt, die Zahl der Teilnehmer stieg.

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Seit 1982 findet der Ironman Hawaii auf Big Island statt. Er ist mittlerweile zu einem Spektakel geworden, an dem neben den Profis noch mehr als 2000 Amateure in Altersklassen eingeteilt starten. Hier wechselt der Rostocker Andreas Raelert auf die Radstrecke, der es wegen heftiger Magenschmerzen nach der Hälfte des Marathons leider nicht mehr in die Top-Ten schaffte.

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Dritter wurde bei seinem Hawaii-Debüt der mitfavorisierte Olympiasieger Jan Frodeno aus Saarbrücken. Kurz vor der Wechselzone schlüpft er aus den Radschuhen, um möglichst ohne Zeitverlust in der Wechselzone auf die Marathon-Strecke zu gehen. Das will gut geübt sein. Frodenos Nerven wurden zuvor schon bei einer Reifenpanne auf die Probe gestellt. Er hatte einen Platten. Auch eine Zeitstrafe musste er wegstecken.

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Für sie hat sich der Einsatz richtig gelohnt: Die 33-jährige Australierin Mirinda Carfrae hat nun zum dritten Mal den Ironman auf Hawaii gewonnen.

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Auch Peking-Olympiasieger Frodeno zeigte insgesamt eine starke Leistung und kam nach 8:20:32 Stunden ins Ziel. „Ich bin extrem glücklich mit der Leistung“, meinte der 33-Jährige, auch wenn das erwartete Duell mit Kienle ausfiel. „Ich kann sagen, dass es eines der besten Rennen war, die ich jemals gemacht habe.“

Triathlon ist ein edler Sport für Asketen, seine Vertreter pochen auf Werte, die meisten Triathleten sind gebildet. Amateure und Profis trainieren zusammen, tragen zusammen Rennen aus. Triathlon ist aber auch ein Markt. Ein Markt, der wächst und um den es sich zu kämpfen lohnt.

Und so streiten sich seit mehr als einem Jahrzehnt zwei private Unternehmen, wer welche Rennen veranstalten darf, also daran verdienen kann. Sie bekämpfen sich immer rabiater, immer persönlicher. Bald geht es sogar vor Gericht.

Die beiden Protagonisten könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite die World Triathlon Corporation (WTC), die unter der Marke Ironman weltweit 41 Rennen über die volle Distanz und 90 über die kurze lizenziert. 1978 fand unter diesem Namen erstmals das Langdistanzrennen auf Hawaii statt. Jeder Sportfan kennt diesen Namen. Er ist ein Mythos, von dem die WTC bis heute zehrt.

Wer den Ironman von Hawaii gewinnt, ist Triathlon-Weltmeister. Die Marke Ironman ist ein eingetragenes Warenzeichen, andere Veranstalter dürfen sie nicht verwenden, auch wenn der Begriff ein Synonym für die Langdistanz ist.

WTC gehört Providence, einem amerikanischen Hedgefonds. Der ist wenig zimperlich. Athleten, Vereine, Politiker werden schon mal bedrängt und eingeschüchtert. Wenn der CEO Andrew Messick und seine Leute sich äußern, fallen Wörter wie „Krieg“ und „Kollateralschäden“. Die Marke Ironman soll irgendwann veräußert werden. Kai Baumgartner, ein ehemaliger freier Mitarbeiter der WTC, sagt: „Providence ist auf aggressivem Expansionskurs, Ziel ist der Verkauf zum dreifachen Kaufpreis.“

Enttäuschung und Spionage
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