Trotz Quotenerfolg Wohl keine Handball-WM im Free-TV

Die deutschen Handballer haben sich sensationell ins Halbfinale der EM gekämpft. Mit erfolgreich: die Öffentlich-Rechtlichen. Doch bei der WM 2017 schauen Zuschauer und Sender höchstwahrscheinlich in die Röhre.
Update: 01.02.2016 - 12:51 Uhr
Doch bei der WM im kommenden Jahr wird keine freie Übertragung geben. Quelle: dpa
Großer Jubel, starke Quoten

Doch bei der WM im kommenden Jahr wird keine freie Übertragung geben.

(Foto: dpa)

Hannover/DüsseldorfDie Handball-Fans haben die EM genossen - auch dank der Live-Übertragungen von ARD und ZDF. Bei der WM in einem Jahr wird das mit großer Wahrscheinlichkeit unmöglich sein. Trotz des deutschen EM-Triumphes droht beim nächsten großen Turnier in Frankreich ein Blackout im frei empfangbaren Fernsehen.

Die starke TV-Quote für Deutschlands Handball-Europameister rückt das WM-Problem wieder in der Vordergrund, auch bei den Sendern. Der 24:17-Erfolg im EM-Finale gegen Spanien bescherte der ARD mit 12,98 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 42,0 Prozent absolute Topwerte. Die TV-Quote stieg wie die Begeisterung der Fans im Lauf der EM in Polen. Bereits am vorherigen Sonntag schauten im Schnitt 6,04 Millionen Fans das Russland-Spiel. Am Freitag beim Halbfinale waren es schon 8,50 Millionen Zuschauer beim Halbfinale gegen Norwegen, ehe das Finale für den Höhepunkt sorgte. Fast 13 Millionen Zuschauer gibt es sonst nur bei Live-Übertragungen der Fußball-Nationalmannschaft.

Solche Zahlen wird es bei der WM vom 13. bis 29. Januar 2017 wohl kaum geben. Wie 2015 bei der WM in Katar droht ein Blackout im frei empfangbaren Fernsehen. Die technischen Anforderungen des Rechteinhabers BeIN Sports existieren weiterhin. Im Vorjahr wurde das Turnier nur vom Pay-TV-Sender Sky gezeigt, und das könnte auch 2017 so sein. „Sky ist immer an interessanten Rechten interessiert, und die Handball-WM ist ein interessantes Recht“, sagte ein Sprecher des Pay-Unternehmens am Montag.

„Spanien zerschellt an der deutschen Mauer“
Deutsche Handballer sind Europameister
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Sieg! In einem grandiosen Finale schlägt eine überragende deutsche Mannschaft Spanien und kürt sich zum souveränen Europameister. Die Gratulanten stehen beim jüngsten Team des Turniers anschließend Schlange.

„Unbesiegbar und Überstolz“
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Auf spiegel.de beschreibt Michael Wilkening, wie die deutsche Mannschaft im Verlaufe des Turniers immer stärker wurde – bis sie schließlich im Finale jene Spanier souverän 24:17 schlug, gegen die sie sich noch im ersten Gruppenspiel 29:32 geschlagen geben mussten. Er sei „überstolz“ zitiert das Nachrichtenmagazin Nationaltrainer Dagur Sigurdsson und attestiert dem Isländer einen „perfekten Plan ausgeheckt“ zu haben, den seine Mannschaft anschließend ebenso „perfekt“ umgesetzt hätte.

„Spanier zerschellen an der deutschen Mauer“
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Auf marca.com würdigt die spanische Sportzeitung die Abwehrleistung der deutschen Handballer: Zwölf Minuten brauchten die Spanier, um erstmals ein Tor aus dem Feld heraus zu erzielen, zuvor war lediglich ein Treffer per Siebenmeter gelungen. Andere spanische Medien wie die AS ignorieren die Handball-Niederlage lieber weitgehend ganz und widmen sich stattdessen Real Madrids 6:0 Sieg über Barcelona – Espanyol Barcelona.

„Gönnt euch!“
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Der Radiosender Einslive gönnte den Siegern ihren Champagner und forderte zum Feiern im „Europameister-Style“ auf. Wer die Fernsehbilder aus der Kabine sah weiß: „Europameister-Style“ heißt auch, dass es erst eine Weile dauerte, bis der Champagner auf dem Weg von der Flasche in den Hals den Umweg über die Gläser nahm.

„Party die ganze Nacht!“
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„Wir gehen heute Nacht nicht ins Bett“, hatte Torhüter Carsten Lichtlein, im Turnier im Schatten des überragenden Andreas Wolff, nach dem EM-Triumph verkündet. Ein Versprechen, dass die frisch gebackenen Europameister laut bild.de einhielten. „Der Trainer hat jetzt nichts mehr zu sagen“, zitiert das Online-Portal Steffen Weinhold. Der nach dem Russland-Spiel verletzt aus dem Turnier ausgeschiedene Kapitän wollte nach eigener Aussage „mal schauen, was Krakaus Nachtleben zu bieten hat. Bisher haben wir nichts davon gesehen.“.

Grundlage schaffen
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Erste Station des Abends: Der Keller des italienischen Restaurants „La Grande Mamma“. Meisterschale, beziehungsweise -teller, ging reihum (im Bild hält sie Carsten Lichtlein), Trainer Sigurd Sigurdsson sang „Schalalala“. Unabhängig vom Verlauf der Nacht geht es heute zurück nach Deutschland: In der Max-Schmeling-Halle in Berlin steigt ab 15 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr) die öffentliche Party mit den EM-Helden. Schon am Sonntag nach dem Spiel hatte allerlei Prominenz aus Sport und Politik gratuliert.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin
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„Ich gratuliere der deutschen Handball-Nationalmannschaft ganz herzlich zum Gewinn des Europameistertitels. Diese junge deutsche Mannschaft hat sich im Laufe des Turniers von Spiel zu Spiel gesteigert, um im Finale alles zu zeigen, was sie auszeichnet: Kampfesstärke, Leidenschaft und vor allem Teamgeist. Sie hat dabei an große deutsche Handballtraditionen angeknüpft und sicherlich viele neue Fans für ihren Sport gewonnen.“

Das Problem ist technisch kompliziert: BeIN Sports besteht nach ARD-ZDF-Angaben darauf, dass die TV-Signale der WM für Satelliten-Kunden verschlüsselt werden. ARD und ZDF müssten „nach derzeitigem Stand 18,4 Millionen Haushalte, die uns via Satellit empfangen, einfach ausschließen“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Das kommt für uns einfach nicht in Frage.“ Das gleiche Problem hätten auch andere Free-TV-Sender wie RTL oder Sport1.

Die Hoffnung auf die WM-Rechte ist bei ARD und ZDF gering. Der Rechteinhaber BeIN Sport habe mitgeteilt hat, dass er „von der Position, die eben diesen Ausschluss nach sich ziehen würde, nicht abrücken“ wolle, sagte Balkausky. „Wir hoffen, dass BeIn gesehen hat, welche Bedeutung eine Ausstrahlung im frei empfangbaren Fernsehen für den deutschen Handball hat.“

Bei Weltmeisterschaften sind die Quoten noch höher als beim jetzigen EM-Triumph. Das WM-Finale im Jahre 2007 sahen rund 16 Millionen Menschen. Aber auch mit den EM-Zahlen waren die Sender hochzufrieden. „Herausragende Leistungen von deutschen Athletinnen und Athleten werden natürlich auch von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern honoriert“, sagte der ARD-Sportkoordinator.

  • dpa
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