Trump-Wrestler Die Freude über echten Hass

Ein Profi-Wrestler aus den USA gibt für die Mexikaner den Bösewicht. An Sam Adonis, einem vermeintlichen Verehrer des US-Präsidenten, dürfen die Zuschauer all ihren Frust und ihre Wut auf Donald Trump austoben.
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Der US-amerikanische Profi-Wrestler Sam Polinsky wird in seiner Rolle als Sam Adonis gehasst. Quelle: AP
Sam Adonis

Der US-amerikanische Profi-Wrestler Sam Polinsky wird in seiner Rolle als Sam Adonis gehasst.

(Foto: AP)

Mexiko-StadtWenn Sam Polinsky in den Wrestling-Ring steigt, muss er nichts für sein Bösewicht-Image tun. In diesem Moment hasst ihn das mexikanische Publikum. Denn der gebürtige Amerikaner verkörpert als Sam Adonis einen glühenden Verehrer von US-Präsident Donald Trump. Dessen mexikofeindliche Parolen haben Polinskys Wrestling-Karriere einen unerwarteten Schub verliehen.

Die blonden Locken toupiert, einen orangebraunen Teint und in der Hand eine US-Flagge mit Trumps Konterfei – so präsentiert sich Sam Adonis in der Arena von Mexiko-Stadt. Das Publikum schreit, buht und pfeift. „Raus! Raus!“, skandiert die Menge. „Im Moment bin ich für die Mexikaner der bösartigste Bösewicht, den es gibt“, erklärt Polinsky vor dem Kampf, den er natürlich verlieren wird.

Vom Fußball-Tor in den Kampf-Ring
Publikumsliebling Wiese
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Tim Wiese hat seinen ersten Auftritt als Wrestler einigermaßen unbeschadet überstanden und unter dem Jubel der 7000 Fans in München gewonnen. Der ehemalige Fußball-Profi durfte am Donnerstag in seinem Debüt-Match sogar für die entscheidende Aktion sorgen, als er einen seiner drei Gegner auf die Matte drückte.

Tag-Team mit Cesaro und Sheamus
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Selbst der Schiedsrichter wurde von "The Machine" nicht verschont. An der Seite der erfahrenen Cesaro und Sheamus hatte der einstige Nationaltorhüter in einem sogenannten Six-Man-Tag-Team-Match gegen die Shining Stars und Bo Dallas gekämpft. "Ich kenne keine Aufregung. Das ist ein Fremdwort", versicherte Wiese und betonte: "Ich bin bereit. Ich versuche, den Kampf schnellstmöglich zu beenden, von mir kann man erwarten: absolute Härte, Brutalität."

The Machine
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Dann ertönte für Wiese der erste Gong. Nachdem zunächst seine beiden Partner im Ring standen, war schließlich auch der 34-Jährige an der Reihe. Als Newcomer wurde er von seinen Gegner meist verhöhnt und einmal von außerhalb der Ringseile in den Graben geschubst.

Flugmanöver
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Komplizierte Flug- und Sprungmanöver hatte Wiese noch nicht auf Lager. Er trat leger in Jeans, weißem Unterhemd mit dem goldenen Schriftzug „The Machine“, Turnschuhen und - natürlich - gegelten Haaren an. Die Zuschauer hatten seinen Namen schon während der ersten Kämpfe des Abends skandiert, während des Tag-Team-Matches riefen sie immer wieder „Tim Wiese, oh oh“ oder „Wiese! Wiese!“. Nachdem Wiese den sogenannten Finishing Move gezeigt und den Kampf damit beendet hatte, ließ er sich in den Ringecken auf den Seilen stehend feiern.

Tim Wiese mit Deutschlandfahne
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In der zu drei Vierteln gefüllten Olympiahalle ließ sich der einstige Kicker nach der Entscheidung mit der Deutschland-Flagge feiern. „Heute ist es soweit, ich bin bereit“, sagte er vor Kampfbeginn auf dem Roten Teppich in der Olympiahalle. „Die Maschine ist da, um zu zerstören.“ Auf das Debüt bei dem Event der World Wrestling Entertainment (WWE) hatte sich Wiese lange vorbereitet, in einem Trainingscamp in Florida, im Fitnessstudio und unter der Sonnenbank.

Torsten Frings
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Mit dabei: Torsten Frings. Beide können auf eine gemeinsame Zeit bei Werder Bremen zurückblicken. Angesprochen auf die Wrestling-Ambitionen seines ehemaligen Arbeitskollegen betont Frings, dass Wiese "schon immer sehr ehrgeizig war, da konnte ich mir gut vorstellen, dass er es auch durchzieht".

Per Mertesacker
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Ein weiterer ehemaliger Teamkollege bei Werder Bremen: Weltmeister Per Mertesacker war ebenfalls im Publikum. Tim Wiese wird Wrestler? "Er war immer schon ein willensstarker Typ. Tim ist ein Typ der Extreme, das lebt er aus, und das sollte man respektieren", sagte Mertesacker über seinen ehemaligen Mannschaftskollegen.

Er sei stolz, dass er solche echten Gefühle hervorrufen könne, sagt der 27-Jährige, der aus Pittsburgh stammt und seit dem vergangenen Jahr in Mexiko lebt. „Dieser aufrichtige Hass ist im professionellen Wrestling für gewöhnlich verloren gegangen, weil die meisten Menschen sich darüber im Klaren sind, dass alles Show ist.“

Zu denen, die den Wrestler an jenem Abend ausbuhen, gehört Gerardo Romero. Die Mexikaner seien sehr wütend auf Trump, sagt er – und diese Wut übertragen sie auf Sam Adonis: „Wir freuen uns jedes Mal, wenn er eins draufkriegt.“

Polinsky nimmt es ihnen nicht übel, im Gegenteil. „Das ist doch nicht anders als bei Spiderman oder Batman“, sagt er. „Man braucht einen sehr, sehr üblen Schurken, um Sympathie für den Helden zu wecken.“ Je böser er sei, umso glücklicher sei das Publikum, wenn der mexikanische Held den Feind besiege.

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