Witali Mutko Russlands WM-Organisator tritt zurück

Witali Mutko, der Koordinator der Fußball-WM 2018 in Russland, ist von seinem Posten zurückgetreten. Er stand wegen der russischen Doping-Praktiken in der Kritik. Das IOC hatte ihn lebenslang für Olympia gesperrt.
Update: 27.12.2017 - 16:14 Uhr Kommentieren
Witali Mutko: Russlands WM-Organisator tritt zurück Quelle: Reuters
Witali Mutko

Russlands Vizeministerpräsident tritt als Chef der Fußball-WM 2018 zurück.

(Foto: Reuters)

MoskauSechs Monate vor der Fußball-WM in Russland muss Cheforganisator Witali Mutko unter dem Druck des Doping-Skandals seinen Posten räumen. Der bisherige Geschäftsführer Alexej Sorokin übernehme die Leitung des Organisationskomitees, teilte der Vizeministerpräsident Mutko am Mittwoch in Moskau mit: „Ich konzentriere mich auf meine Arbeit in der Regierung.“ Die WM-Endrunde in Russland, bei der Weltmeister Deutschland seinen Titel verteidigen will, findet vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 statt.

Der Fußball-Weltverband nahm den Rückzug zur Kenntnis. „Die Fifa dankt Herrn Mutko für seinen außerordentlich wertvollen bisherigen Beitrag zur Vorbereitung des Turniers“, hieß es in einer Mitteilung. Mutko (59) sei von Fifa-Präsident Gianni Infantino zum Rücktritt aufgefordert worden, sagte Alischer Aminow, ein Kritiker des russischen Systems, der Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“. Wegen Mutkos Rolle im Doping-Skandal war die Fifa, die bisher an ihm festgehalten hatte, zuletzt immer stärker unter Druck geraten.

Sorokin sagte, er werde im Komitee Vorsitzender und Generaldirektor zugleich sein. „In der Leitung ändert sich gar nicht so viel“, sagte er der Agentur Tass. Der 45 Jahre alte Dolmetscher für Englisch und Französisch hatte Mutko im September auch schon im Fifa-Rat beerbt.

„Es gibt noch viel Arbeit. Aber ich bin absolut überzeugt, dass alles pünktlich fertig sein wird“, sagte Mutko. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte den langjährigen Sportminister Anfang Dezember lebenslang für Olympia gesperrt. Es sieht ihn als eine Schlüsselfigur im russischen Doping-System, das bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 seinen Höhepunkt fand.

Am Montag hatte Mutko noch versucht, mit einem begrenzten Einlenken aus der Kritik zu kommen. Er gab die Leitung des russischen Fußballverbands für bis zu sechs Monate ab. In dieser Zeit wolle er sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen die Olympia-Sperre wehren, kündigte er an.

Die Entscheidung über sein Amt als Cheforganisator legte er in die Hände von Präsident Wladimir Putin und der russischen Regierung. Mutko ist ein langjähriger sportpolitischer Weggefährte Putins. Wie der Kremlchef begann er seine Karriere in St. Petersburg. Aus dem Kreml gab es zunächst keine Reaktion auf den Rücktritt.

Die Schauplätze der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland
Moskau
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Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist Moskau die größte Stadt Europas und gilt als Machtzentrum Russlands. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehört der Kreml am Roten Platz. Hinter Backsteinmauern lenkt dort Präsident Wladimir Putin die Geschicke des Landes. Moskau hat zwei WM-Stadien: die Arena des Traditionsclubs Spartak sowie das renovierte Luschniki-Stadion, wo Eröffnungsspiel und Finale stattfinden.

Kasan
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Die Hauptstadt der ölreichen Teilrepublik Tatarstan gilt als Beispiel für ein Miteinander der Kulturen – hier stehen Moscheen muslimischer Tataren neben orthodoxen Kirchen christlicher Slawen. Sportliches Aushängeschild der Stadt an der Wolga ist Rubin Kasan.

Sotschi
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Dank der Olympischen Winterspiele unter Palmen wurde der beliebte Badeort mit subtropischem Klima 2014 weltbekannt. Zudem hat Sotschi eine Formel-1-Rennstrecke. Die russische Elite schätzt den Ort am Schwarzen Meer als Feriendomizil.

St. Petersburg
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Zar Peter I. gründete die Stadt 1703 als „Fenster nach Europa“ seines Reichs. Hier ergriffen die Kommunisten 1917 die Macht. Zu Sowjetzeiten hieß die Stadt an der Newa Leningrad. Heute ist die Touristenmetropole die zweitgrößte Stadt Russlands. Das Zentrum ist Unesco-Welterbe und wird wegen seiner malerischen Flüsse und Kanäle auch als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

Jekaterinburg
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Die nach Zarin Katharina I. benannte Stadt am Ural-Gebirge gilt als Tor nach Sibirien. 1918 wurde hier Zar Nikolaus II. mit seiner Familie ermordet. In der Region sind Schwerindustrie und Waffenschmieden angesiedelt. Als prominentester Sohn der Stadt gilt Ex-Präsident Boris Jelzin (1931-2007).

Kaliningrad
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Stadt Königsberg der UdSSR zugesprochen. Heute grenzt das westlichste Gebiet Russlands nur an EU-Staaten. Als bekannteste Persönlichkeit der Ostsee-Region zwischen Polen und Litauen gilt der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804).

Nischni Nowgorod
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Die Stadt an der Mündung der Oka in die Wolga war im 19. Jahrhundert ein Konkurrent für Moskau als Handelsdrehscheibe. Ein Sprichwort sagt noch heute: „Moskau ist das Herz Russlands, St. Petersburg der Kopf und Nischni Nowgorod seine Tasche.“

Die russische Politik weist den Vorwurf systematischen Dopings zurück und spricht von Einzelfällen. Mutko hatte immer wieder in langen, feurigen Reden, für die er bekannt ist, die Unschuld Russlands beteuert. Auch bei der WM-Auslosung Anfang Dezember in Moskau redete er sich zweimal in Rage. Solche Szenen hätten den Vorlauf auf die WM, die als Prestigeprojekt Putins gilt, wohl auch weiterhin begleitet. Der Rückzug schließt eine offene Flanke.

Trotzdem wird Mutko für die WM weiter eine wichtige Rolle spielen. „Witali Mutko wird als stellvertretender Ministerpräsident weiter die Vorbereitung der Regionen auf die WM beaufsichtigen und den Bau der notwendigen Infrastruktur koordinieren“, teilte das Organisationskomitee mit. Es bedauerte den Rückzug. Die personellen Veränderungen hätten aber keinen Einfluss auf die Vorbereitungen.

Mutko war von 2008 bis 2016 russischer Sportminister. Nachdem die Doping-Vorwürfe gegen die russischen Leichtathleten zum Ausschluss von den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro führten, wurde er auf den Posten eines Vizeregierungschefs weggelobt. Die Zuständigkeit für den Sport blieb.

  • dpa
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