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WM-Proteste in Brasilien Der Fußball wirkt wie Opium fürs Volk

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Korruptionsaffären erschüttern das Land

Unterwegs in den berüchtigten Favelas

Die Proteste hatten im Juni 2013 plötzlich unheimlich an Dynamik gewonnen. Eine Gruppe wie die „Movimento Passe Livre“, deren Aktivisten einen Gratis-Nahverkehr fordern, gab es eigentlich schon seit 2005. Allerdings hatte eine solche Bewegung ein Mobilisierungspotenzial im vier- höchstens fünfstelligen Bereich.

„Dass daraus zwei Millionen wurden, war ein Momentum, eine Situation, in der vieles zusammenkam", sagt Bartelt. „Die Nachricht von der teuersten WM aller Zeiten – ein ganz konkreter Gegenstand – traf auf die Alltagssituation der Leute.“

Und die war längst nicht mehr so rosig, wie die Sonntagsreden der Regierung vermuten ließen. So ist es vor allem die in den vergangenen Jahren gewachsene Mittelschicht, die protestiert. Ihnen reicht nicht mehr der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, sie hinterfragen auch deren Qualität.

Hinzu kamen Korruptionsaffären, die die Glaubwürdigkeit der politischen Kaste massiv beschädigten. Außerdem wurden die Wirtschaftsdaten schlechter, das Zutrauen in den Aufschwung sank. Zugleich flossen Milliarden an Steuergeldern in die Stadien für die Fußball-WM statt in eine Infrastruktur für das Volk.

Der Widerspruch zwischen den Erfolgserzählungen und den Alltagerfahrungen wurde immer größer. Die Fußball-WM wurde Projektionsfläche für all das, was alles schief lief.

„Die Menschen sahen die Qualität der staatlichen Dienstleistungen, die sie ganz konkret betreffen: Ihren Körper, der unter dem Gesundheitssystem leidet, ihre Kinder, die unter dem Bildungssystem leiden, ihren Weg zur Arbeit, der unter dem Verkehrssystem leidet. In allen drei Bereichen Stillstand bis Verschlechterung", sagt Bartelt.

Jeder streikt für sich
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