Anstoß – die WM-Kolumne Fußballfans auf Entzug

Bis zum 14. Juni muss der Fußballfan fast ganz ohne seine liebste Droge auskommen. Dann ist endlich WM – das emotionalste Milliardengeschäft der Welt.
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Dem Fußball verzeihen Fans so ziemlich alles – insbesondere, nach zwei Wochen kalten Entzugs bis zur WM. Quelle: obs
WM-Maskottchen Zabivaka

Dem Fußball verzeihen Fans so ziemlich alles – insbesondere, nach zwei Wochen kalten Entzugs bis zur WM.

(Foto: obs)

Auf Fußballfans kommen harte Tage zu. Kein Pflichtspiel, fast zwei Wochen lang. Die deutsche Nationalmannschaft testet zwar noch, am Samstag war Österreich an der Reihe und am 8. Juni geht es gegen Saudi-Arabien. Doch echten Fußball liefern die vermutlich spannungsarmen Sparringskicks kaum.

Fans müssen sich bis zum 14. Juni also irgendwie beschäftigen. Aber dann heißt es endlich: Fußball-WM in Russland, 64 Partien, alle frei empfangbar in ARD oder ZDF, im Notfall als Livestream. 25 Spiele gibt es zusätzlich in Ultra-HD beim Bezahlsender Sky.

Wie viel Fußball ist zu viel Fußball? Bisher ist eine kritische Marke nicht in Sicht. Die Begeisterung gibt den Machern von Großturnier zu Großturnier recht. Die Quoten sind blendend, das Sponsoreninteresse ist ungebrochen. Gut, Fifa-Skandal, Korruption, schwierige Menschenrechtsbedingungen – das alles hat werbetreibende Unternehmen schon auf- und auch abgeschreckt.

Doch für jeden Geldgeber, der abspringt, findet sich schnell ein neuer. Für Fußball geben die Leute gerne Geld aus. Über Tickets, Abos, Autowimpel und Ähnliches fließen Milliarden in die Branche, und die verteilt sie auf ihre Leistungsträger. Immerhin bewiesen bei der EM zuletzt die finanziell unauffälligen Delegationen von Island und Wales, dass die Reichsten nicht automatisch die Besten sind.

Der Fußball ist „too big to fail“

Der Fußball ist inzwischen das, was in der Finanzbranche „too big to fail“ heißt – systemrelevant, weil sich eine ganze Industrie darum gebildet hat. Und so selbsterhaltend, dass er über Krisen einfach hinwegrollt. Objektiv ist das ein bedenklicher Zustand.

Subjektiv gibt es wenig Mitreißenderes, als über einen Sieg zu jubeln. Und so sitzt der Fußballfan am Ende doch wieder Samstagnacht vor der Wiederholung von Marokko gegen den Iran, weil er kein Spiel verpassen möchte. 1:0 für den Fußball.

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