Anstoß – die WM-Kolumne Wie ein Hotelbett Brasiliens Marcelo stoppte

Superstar Marcelo hat Rückenprobleme. Wer hat Schuld? Eine schlechte Matratze. Damit schreibt sich die Geschichte kurioser Fußballerleiden fort.
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Dem besten Außenverteidiger der Welt machten Rückenleiden einen Strich durch die Rechnung. Quelle: AP
Marcelo unter Schmerzen

Dem besten Außenverteidiger der Welt machten Rückenleiden einen Strich durch die Rechnung.

(Foto: AP)

MoskauNach holprigem Beginn hat sich Brasilien in der Gruppe E freigespielt. Die Seleção besiegte im letzten Vorrundenspiel Serbien mit 2:0 und steht als Gruppensieger im Achtelfinale. Wegen des historischen Ausscheidens Deutschlands kommt es in Petersburg auch nicht zu einer möglichen Revanche gegen den noch amtierenden Weltmeister für die bittere 1:7-Pleite bei der Heim-WM vor vier Jahren.

Die Schadenfreude bei vielen Brasilianern war entsprechend groß. Fox Sports Brasil twitterte ein seitenlanges „HAHAHA“, eine andere Sportzeitung wünschte ihren Lesern ein „Glückliches 2018“, wobei die Ziffern zwei und null durch die Flaggen von Südkorea und Deutschland ausgetauscht wurden – eine Antwort auf den einen spöttischen Neujahrsgruß von Toni Kroos aus dem vergangenen Jahr, als er die Zahl 17 durch brasilianische und deutsche Flagge ersetzte.

Ganz sorgenfrei ist Brasilien allerdings nicht. Einerseits haben sich die Brasilianer auch gegen Mexiko bereits schwergetan. Und nun bangt man bei den Gelbgrünen um Kapitän Marcelo. Der 30-jährige Außenverteidiger von Real Madrid musste im Spiel gegen Serbien nach nur neun Minuten mit Rückenschmerzen ausgewechselt werden.

Teamarzt Rodrigo Lasmar hat schon einen Hauptverdächtigen: das Hotelbett. „Die Verletzung von Marcelo könnte mit der Matratze in Moskauer tu tun haben“, mutmaßte der Mediziner. Der Fall erinnert etwas an die Prinzessin auf der Erbse – allerdings soll bei Marcelo die Matratze nicht zu hart, sondern zu weich gewesen sein. Tatsächlich kann ein zu weiches Bett Rückenprobleme bereiten, weil die Wirbelsäule nicht stabilisiert wird und durchhängen kann. Immerhin verläuft der Heilungsprozess laut dem Teamarzt gut. Auch wenn der Rücken noch ein paar Tage Beobachtung stehen wird, könnte es für das Achtelfinale reichen.

Marcelo ist nicht der erste Profi, den es in der Horizontalen erwischt hat: Irlands Rekordtorschütze Robbie Keane traf es in jungen Jahren, als er auf dem Sofa liegend versuchte mit dem Fuß nach der Fernbedienung zu angeln. Was eigentlich der Bequemlichkeit dienen sollte, führte zu einem mehrfachen Bänderriss und einer monatelangen Zwangspause. Der Karriere des Iren hat die Verletzung indes keinen Abbruch getan.

Spaniens Torhüter Santiago Canizares hingegen verpasste wegen eines ähnlich kuriosen Unfalls die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan. Vor dem Turnier fiel ihm im Bad eine Flasche Aftershave herunter. Canizares soll versucht haben, die Flasche mit dem Fuß abzufangen, die Fußabwehr misslang – Sehnenriss. Bei selbiger WM spielte Darius Vassell zwar mit, aber auch der englische Stürmer blieb nicht verschont von teils kuriosem Verletzungspech: So versuchte er eine Blutblase unter dem Zehnagel mit dem Elektrobohrer zu „kurieren“. Dabei durchbohrte er nicht nur den Nagel, sondern den gesamten Zeh und fiel mehrere Wochen aus. Argentiniens Ever Banega verletzte sich 2012 beim Tanken. Zunächst vergaß er die Handbremse einzulegen. Als sein Wagen dann ins Rollen geriet, versuchte er auch noch, ihn mit dem Fuß zu stoppen. Keine gute Idee – ein halbes Jahr Zwangspause.

Sind manche Verletzungen vorhersehbar, so trifft es machen auch ganz unverhofft: So mutete die Unfallsituation beim ehemaligen Lauterer Stürmerstar Stefan Kuntz eigentlich harmlos an. Der Europameister von 1996 wollte nur aus dem Bus aussteigen. Dabei knickte er um und zog sich einen dreifachen Bänderriss zu. Auch aktuelle deutsche Nationalspieler kennen den Pannenteufel: Jerome Boateng hatte schon eine Knieverletzung, die er sich durchaus sportlergerecht auf dem Fußballfeld zugezogen hatte; bei einem Länderspiel. Dann aber schob ihm im eine Flugbegleitern auch noch den Getränkewagen vor das verletzte Knie. Der Zusammenstoß verlängerte die Ausfallzeit um einen weiteren Monat.    

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