Fußball-Weltmeisterschaft Die deutsche Wirtschaft zählt zu den großen Gewinnern der Fußball-WM

Für die deutsche Nationalmannschaft wurde die Fußball-WM in Russland zur Riesenenttäuschung. Die deutsche Wirtschaft profitiert hingegen – dank Zusatzaufträgen.
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Fußball-WM: Deutsche Wirtschaft zählt zu den großen Gewinnern Quelle: dpa
Fußball-WM

Die größten Gewinner sind die deutschen Mittelständler.

(Foto: dpa)

MoskauFrankreich und Kroatien bestreiten das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Deutschland, einer der großen Favoriten vor dem Turnier, ist bereits in der Vorrunde gescheitert und so können Joachim Löw und sein Team die Kulmination der WM nur als Zuschauer verfolgen. In der gleichen Rolle sind jetzt auch deutsche Wirtschaftsvertreter, doch haben sie im Gegensatz zur Nationalmannschaft ihre Pfründe schon eingefahren.

„Das Projektgeschäft in den letzten zweieinhalb Jahren ist für uns in Russland explodiert, der Umsatz hat sich fast verdreifacht“, sagt Andras Wolf, Verkaufschef von Hansgrohe in der GUS.

Projektgeschäft – das sind für Schwarzwälder Hersteller von Duschen und Handbrausen vor allem Aufträge von Hotels und im Wohnungsbau. Speziell für die Weltmeisterschaft seien viele Unterkünfte – sei es für Teams, Volontäre oder Fans – gebaut worden, erklärt Wolf. Dementsprechend sei dort der Bedarf an modernen Sanitäranlagen, „die europäische Standards erfüllen“, gewaltig gewesen.

Die Weltmeisterschaft hat sich so für den Mittelständler, der 2017 einen Umsatz von über einer Milliarde Euro erzielte, zu einem wahren Wachstumstreiber entwickelt. Russland ist inzwischen – trotz der das Land in den letzten Jahren schüttelnden Wirtschaftskrise – zu einem der zehn umsatzstärksten Märkte für Hansgrohe geworden.

Hansgrohe profitierte nicht als einziges Unternehmen von der Modernisierung der Infrastruktur zur Weltmeisterschaft. Der russische Staat hat in die Vorbereitung des Turniers immerhin zwischen zwölf und 14 Milliarden Dollar investiert, obwohl ursprünglich weniger als zehn Milliarden vom Kreml veranschlagt wurden. Damit ist die WM 2018 die bisher teuerste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten – auch wenn die Kosten voraussichtlich schon in Katar erneut getoppt werden. Doch nicht nur der Staat hat investiert. Abseits der Stadien gibt es auch zahlreiche private Bauten.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) schätzte das Volumen der Zusatzaufträge vor der WM allein im Bereich und Logistik für deutsche Firmen auf zwei bis drei Milliarden Euro. Das ist nur geringfügig weniger als bei der Vorgänger-WM in Brasilien, aber mehr als 2010 in Südafrika. Volker Treier, der Außenwirtschaftschef der DIHK, spricht von „fast 40 Unternehmen, die in diesem Bereich zusätzliche Aufträge bekommen haben.“

Dazu zählen durchaus auch Großkonzerne wie Bosch und Siemens. Der Stuttgarter Technikkonzern ist in allen zwölf WM-Stadien vertreten, sei es mit Sicherheitsapparatur, Klima- und Heizungstechnik oder dem Geschäftsbereich Powertools. In Jekaterinburg, dem östlichsten WM-Standort beispielsweise, bauten Bosch-Sicherheitsexperten die Videoüberwachungsanlage auf.

Siemens wiederum lieferte Ausrüstung nicht nur für die Stadien, sondern auch für Flughäfen und Hotels – auch wenn das ambitionierteste Projekt, der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn von Moskau nach Kasan für umgerechnet 25 Milliarden Euro zur WM, letztendlich am Geldmangel scheiterte.

Die größten Gewinner sind aber zweifellos die Mittelständler: Rehau, GMP Architekten, Herrenknecht AG oder Knauf. Sie alle haben bei der WM größere Aufträge an Land gezogen. Für Knauf ist Russland seit jeher ein bedeutender Markt. Das Unternehmen, seit 25 Jahren in Russland, hat mehrere Produktionsstandorte in den Regionen aufgebaut.

„Das hat uns sehr geholfen, denn gerade bei der Vergabe von staatlichen Aufträgen kamen in erster Linie einheimische Produzenten und Produkte zum Zug“, sagte der für die GUS-Region zuständige Knauf-Kommunikationschef Leonid Loss dem „Handelsblatt“.

Knauf habe für fast alle WM-Stadien Baumaterialien zugeliefert. „Speziell für Luschniki waren das große Lieferungen vor allem von Gipsbauplatten“, erinnert sich Loss. Diese seien in den Stadien für Innenausbauten, Tribünen, aber auch Pressezentren verwendet worden. „Unserem Umsatz hat die WM zweifellos enorm geholfen“, sagt Loss, auch wenn er keine Zahlen nennen will. Sein WM-Fazit fällt daher positiv aus.

Die Großaufträge dank der WM sind zwar nun erst einmal abgearbeitet, viele Wirtschaftsvertreter sind aber optimistisch, dass das Turnier keinen Einmaleffekt hat. Die Weltmeisterschaft habe viele Touristen aus dem In- und Ausland angelockt und werde zweifellos der Reiseindustrie Aufschwung geben, meint beispielsweise Wolf.

Daher sei er überzeugt, dass die Modernisierung von Hotels und Wohnungen weitergehen werde, sagte er. Da gleichzeitig Russland auch langsam aus seiner Wirtschaftskrise kommt, bleibt der Bedarf an europäischen Anlagen und Einrichtungen bestehen.

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